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Chancengleichheit in der Modebranche: So steht es wirklich um die Frauen

Wussten Sie, dass weniger als 50 Prozent aller Bekleidungsstücke für Damen von Frauen entworfen werden und sogar nur 14 Prozent der großen Modehäuser eine weibliche Führungskraft an der Spitze haben? Mehr noch: Ganze 101 der 160 börsennotierten Unternehmen in Deutschland haben laut dem AllBright-Bericht 2020 keine einzige Frau in der Führungsetage. Passend zum anstehenden Internationalen Weltfrauentag geben diese Zahlen Anlass zu einer Diskussion.

Das Magazin LIFESTYLE LAB hat sich mit dem Report „Woman on Top of Fashion“ genau diesem Ungleichgewicht gewidmet und ist den aktuellen Zahlen auf den Grund gegangen.

Diese Grafik zeigt eine Übersicht über die Top 10 des Gender Equality Index in Europa. Dabei liegt Deutschland mit 67,5 von 100 möglichen Punkten knapp unter dem europäischen Durchschnitt (67,9) und belegt damit nur Platz zwölf. Schweden liegt mit 83,8 Punkten auf Platz eins, dicht gefolgt von Dänemark (77,4 Punkte) und Frankreich (75,1 Punkte). Verglichen mit den derzeitigen europäischen Spitzenreitern gibt es bei vielen deutschen Unternehmen, inder Gesellschaft und der Politik noch Handlungsbedarf auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter.

Das European Institute for Gender Equality warnt im Zuge der aktuellen Entwicklung vor den langsamen Fortschritten:

Sollte sich die Gleichstellung der Geschlechter im selben Tempo weiterentwickeln wie bisher, ist Europa in etwa 60 Jahren am Ziel – das dauert eindeutig zu lange! 

Frauen in der Mode: Führungspositionen und Rollenbilder

Setzt man sich mit der Historie und der Gesetzeslage etwas genauer auseinander, so zeigt sich, dass sich Frauen bereits seit vielen Jahrzehnten für die Gleichstellung und ihre Unabhängigkeit einsetzen. Es waren Frauen wie Coco Chanel, Anna Wintour oder auch Audrey Hepburn. Sie bewiesen in einer konservativen Zeit Mut zur „Andersartigkeit“ und zeigten, dass auch das weibliche Geschlecht dominant sein und Einfluss auf die Gesellschaft nehmen kann.

Und wie sieht es heute aus? Schaut man sich die Abbildung über die Frauenquote der Top-10-Modeunternehmen (nach Gewinn) aus dem Jahr 2018 an, bildet Fast Retailing mit einer Frauenquote von nur elf Prozent das Schlusslicht des Rankings. Dazu gehört u.a. auch der Moderiese UNIQLO. Spitzenreiter Inditex erreicht mit vier von elf weiblichen Executive-Board-Mitgliedern immerhin eine Frauenquote von 36 Prozent. Zur Inditex-Gruppe gehören Unternehmen wie Zara, PULL&BEAR, Massimo Dutti und Bershka. Die Untersuchung zeigt: Leider sehen auch die größten Firmen der Modebranche bisher von einem ausbalancierten Executive Board ab.

  1. Fehlende interne Messungen
    Zwar geben Unternehmen bis zu acht Milliarden Dollar für Diversity-Schulungen aus, die Umsetzung von hilfreichen Maßnahmen liegt allerdings häufig noch immer bei der Personalabteilung – ohne echtes Engagement vom CEO. Zudem fehlen oft aussagekräftige Metriken zur Erfolgsmessung über die interne Entwicklung der Thematik.
  2. Gesellschaftliche Rollenbilder
    Von klein auf werden Frauen darin bestärkt, gründlich und gewissenhaft zu sein. Später im Berufsleben bewerben sie sich nur dann für eine Stelle, wenn sie zu 100 Prozent die Anforderungen erfüllen. Männer bewerben sich dagegen schon bei einem Fit von 60 Prozent.
  3. Unbewusste Vorurteile
    Wir verbringen etwa 40 Prozent mehr Zeit damit, nach Informationen zu suchen, die unsere bisherigen Überzeugungen bestärken, anstatt nach neuen Meinungen zu forschen. So ist rund die Hälfte aller Männer und ein Drittel aller Frauen der Meinung, dass Frauen in Unternehmen mit nur zehn Prozent weiblicher Führung ausreichend und gut vertreten sind.
  4. Fehlende Konzepte für Familienplanung
    Frauen, die wegen der Familiengründung eine berufliche Pause einlegen, müssen nach ihrer Rückkehr ins Berufsleben häufig einen Karriererückschritt in Kauf nehmen. Eine Beförderung in die Chefetage rückt damit automatisch in weite Ferne.

Unternehmerinnen im Profil: Wer sind die Frauen an der Modespitze?

Madeleine Alizadeh (Gründerin dariadéh) Sie ist eine österreichische Influencerin und Aktivistin. Außerdem setzt sie sich stark für den Umweltschutz ein. Sie ist Gründerin des Modelabels dariadéh, das 2017 aus einer Kooperation mit dem deutschen Ministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit entstanden ist.

 

 

Stefanie Giesinger (Gründerin NU-IN) Sie ist Model und Influencerin und gründete gemeinsam mit Marcus Butler das nachhaltige Modelabel NU-IN. Stefanie Giesinger hat es geschafft, mit nur 24 Jahren nicht nur ein erfolgreiches Model, sondern auch erfolgreiche Gründerin eines Modelabels zu sein.

 

Leyla Piedayesh (Gründerin lala Berlin) Die iranisch-deutsche Modeschöpferin und Unternehmerin ist die Gründerin des Labels lala Berlin. Seit 2004 gedeiht das Unternehmen bereits unter ihrer Führung. Die Marke selbst bezeichnet sich als mutig, dynamisch und unkompliziert.

 

 

 

 

 

 

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