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Frauen in die Vorstände: Johanna Dahm plädiert für mehr Frauenintelligenz in Unternehmen

Von Dr. Johanna Dahm

Die Chance auf mehr weibliche Repräsentanz in der Unternehmenswelt sei schon aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten notwendig, wir müssten uns lediglich dazu bekennen, sagt Dr. Johanna Dahm. Mit dieser These stösst die renommierte Beraterin, Rednerin, Coach und Buchautorin regelmäßig auf Gegenwind. Und sie kennt den Grund: „Viele Männer glauben, Diversity im Unternehmen sei etwas für Tage der Langeweile, um das man sich kümmern könne, wen mal wenig zu tun sei. Aber das Gegenteil ist der Fall: Wer die Chancen bereits erkannt hat oder spätestens jetzt erkennt und wahrnimmt, der sichert Unternehmenserfolg und Zukunft.“

Die gerade verkündete Frauenquote für Vorstände ist keine Revolution. Aber sie ist ein Signal an jene Unternehmen, die eine Modernisierung von selbst nicht angehen. Aber was ist es denn konkret, was die einen Firmen anders machen als die anderen? Und können die Unternehmen mit höherem Frauenanteil tatsächlich und transparent Erfolgsfaktoren und Zufriedenheit ausweisen, oder wären diese in den betreffenden Häusern auch ohne Quote gegeben? Dahm glaubt nicht daran.

Frauenintelligenz müsse in der Unternehmenswelt Einzug halten, der Weg zu diesem „Faktor F“ stehe jeder Firma offen. „Warum solle man da auch einen Unterschied machen, nur weil manche Betriebe in der Zukunft rein männergeführt waren und andere eben schon immer auf Veränderung gesetzt haben. Es geht doch um das Treffen von Markt, Kunden und Kundenbedürfnisse “, lautet denn auch die These ihres Vortrags „Faktor F“.

Laut Dahm setzen die meisten Entscheider in Unternehmen die verkehrten Akzente. „9 von 10 Führungskräften treffen keine Entscheidungen oder sind Befehlsempfänger“, betont sie. Darum erreichen Mitarbeiter ihre Ziele nicht, sind unzufrieden, treffen ihre Wahl gegen Führungspositionen, können ihre Ziele nicht vereinbaren. Ja sie glauben zudem nicht daran, dass sie im Erreichen ihrer Ziele durch ihre Führungskräfte unterstützt werden, unabhängig von ihrer Verweildauer im Unternehmen, erzählt Dahm.

Die eigenen lokalen wie globalen Studien haben die international erfahrene Speakerin zu der Einschätzung geführt, dass die Frauenquote nicht nur nötig für die verstärkte Repräsentanz des weiblichen Geschlechtes sei sondern für einen generellen unternehmenskulturellen Wandel.

Keine Veränderung ohne Entschluss

Gerade im digitalen Zeitalter kämpfen Unternehmen mit drei völlig volatilen Interessengruppen: Kandidaten, also Mitarbeitern die noch nicht beschäftigt werden. Dann die Mitarbeiter, die dringend benötigt werden und gehalten werden sollen und schliesslich um den Kunden, um das Treffen von Kundenbedürfnissen. Das wird an Gewichtung noch zunehmen, eben weil Digitalisierung die Vergleichbarkeit von Unternehmensservices ermöglicht und alle drei Gruppen – Kandidaten, Kollegen und Kunden – unglaublich schnelle Entscheidungen treffen werden.

Aktuell sind die meisten Beschäftigten ob im deutschen Mittelstand, in Großunternehmen oder Konzern und gerade in den Positionen der Entscheider Männer. „Und wir müssen uns natürlich fragen, ob das die Welt der Kandidaten, der potenziellen Kollegen und vor allem der Kunden noch repräsentiert. Mal abgesehen davon, dass das die weibliche Nachfolge für Spitzen- und Vorstandspositionen enorm gefährdet“, so Dahm.

Doch Johanna Dahm gibt sich nicht allein mit einer solchen Erkenntnis zufrieden. Der Beraterin geht es darum, Alternativen aufzuzeigen, das heißt Mut zur Vision zu haben, ungeschriebene und festgefahrene Gesetze zu hinterfragen und in Rollenmodellen zu denken. „Die Quote soll kein Damoklesschwert, sondern Ansporn sein, schliesslich sind gerade Männer sehr wettbewerbsorientiert“, weiß Dahm noch aus ihren Jahren als globale Führungskraft im Konzern. Was sie mein, zeigt sie in ihrem eBook „Faktor F – Frauen in Führungs- und Schlüsselpositionen“ (Kindle).

Viele Beispiele, Studien und anekdotischen Erlebnisschilderungen unterstützen ihre Aussagen. Wie auch in ihren Vorträgen geht es Dahm um erlebte und gelebte Praxis, die sich auf breite Fakten- und Studienbelege stützt. Dieser authentische Stil nimmt durch seine Authentizität ein, denn jeder spürt: hier geht es nicht um angelesenes Know-how, sondern um 21 Jahre Erfahrung und Expertise.

So kennt Dahm etwa die sich selbst bei Top-Unternehmen zunehmend festsetzende Prokrastination, also die Bereitschaft zum Aufschub von Beschlüssen. „Diese hindert am Einsatz von Wagniskapital, daran Chancen zu entdecken. Wir müssten endlich damit aufhören, uns alles ins mögliche Drama zu rechnen, um uns vom Handeln abzuhalten“, sagt Dahm. Sie kennt die ausgesprochenen und unausgesprochenen Vorurteile gegen Frauen ganz genau, die von der Familienplanung bis hin zur angeblich geringeren psychischen Belastbarkeit reichen und bei anderen Trink- und Essgewohnheiten enden.

Sie appelliert daran, dass stattdessen Ehrlichkeit und Entschlusskraft zu Unternehmenswerten erhoben werden. Es sei ein wirkliches Verbrechen, die Top Drei der Agenda immer wieder auf morgen zu verschieben, ja schliesslich zu verschlafen im Vertrauen darauf, dass ein Regierungsbeschluss die Probleme löse. „Das ist nicht nur Unsinn, sondern eine Unterlassung“, sagt Dahm, „vom Himmel fällt weder der Traumpartner noch das Top-Talent noch die Innovation, die wir gerade in Deutschland so dringend brauchen, um international wieder wettbewerbsfähig zu werden.“

Top down & Bottom up

Eine Quote einführen und zugleich den weiblichen Nachwuchs konsequent auf- und ausbauen, so lautet Dahms konkrete Empfehlung. Wer die Chance im Faktor F erkenne, der müsse das aktiv tun. Und wer sich dazu entschlossen habe, solle die bislang eher halbherzig verfolgten Maßnahmen validieren, die Entscheidung fokussiert vorantreiben und sich nicht mehr abbringen lassen. Viele Unternehmen behaupten ja „zumindest etwas“ zu tun, womit Frauenförderungsprogramme, Female Talent Pools bis hin zu Female Executive Leadership Programs gemeint sind.

Hierin besteht jedoch schon die Wurzel des Problems: Frauen werden bereits in der Förderung ausgegrenzt, durch zusätzliche Programme on top zum Job belastet und die Abbrecherinnen-Quoten sind dementsprechend hoch. „Der Fokus auf Job und Familie lässt zeitgleich nach, Leistung und Effizienz der Spitzenjob-Anwärterinnen können nicht gesichert werden“, berichtet Dahm. Das Resultat: sie fallen bei der nächsten Beförderungsrunde durch. Das Problem liegt nicht in der Förderung, sondern in der Ungleichbehandlung, die zu Beginn der Förderung geschehen ist, glaubt Dahm.

Neben dem Job identifiziert Dahm die Vereinbarkeit von Privatleben und persönlicher Entwicklung als weitere Bereiche für die Anwendung von Frauenintelligenz. Frauen sind da per se viel stärker, was ihnen im Unternehmen als mangelnde Fokussiertheit ausgelegt wird. Für die der GenerationX nachfolgenden Generationen sind gerade Vereinbarkeit und Balance essenziell und Resilienz fördernd, um eben nicht mit 30 schon ausgebrannt zu sein. „Ziele zu definieren und ausgewogenen zu leben, verlangt nach der Fähigkeit von Vereinbarkeit.“ Die Lebensinteressen von Menschen empathisch zu erspüren, vorzuleben und zu vertreten, das bedarf eines gemischten Top-Managements. Das muss Interesse eines lernwilligen Vorstands sein.

Neues kann man lernen

Damit ist Dahm bei einer der für sie entscheidenden Einsichten Entschlusskraft und auch Weiblichkeit im Unternehmen angelangt: „Wir denken zu häufig angstgesteuert, pendeln zwischen dem Alten, das wir aufgeben müssten und dem Neuen, das wir noch nicht kennen.“ Selbst wer sich dieser mentalen Hürde bewusst sei, kann sich oft nicht davon frei machen. „Und dann laufen wir in die Falle, zu viele Optionen zu prüfen und angesichts der unüberschaubaren Rechercheergebnisse zu kapitulieren. Da schadet es nicht, einfach mal zu handeln. Ins Tun zu kommen und über sich selbst etwas Neues zu erfahren.“ Denn dann sind die Chancen mit einem Mal so viel grösser, gemeinsam Unternehmenserfolge zu erzielen. Innovation zu erreichen, gegenüber dem Marktbegleiter die bessere Position einzunehmen und bei Kandidaten die besseren Karten zu haben. Hinterher darf man dann sagen: „Wir haben es doch gleich gewusst.“

Zur Autorin

Dr. Johanna Dahm ist promovierte Kultur-, Kommunikations- und Sprachenwissenschaftlerin: sie spezialisiert sich in Ihrer Tätigkeit auf Entscheidungs- und Veränderungsprozesse in der Gesellschaft.

Faktor F – Frauen in Führungs- und Schlüsselpositionen.
von Dr. Johanna Dahm

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