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Frauen in Männerberufen

Geht man von klassischen Rollenvorstellungen aus, arbeiten Frauen in sozialen Berufen, mit Kindern, in der Hauswirtschaftsbranche oder im Einzelhandel. Männer hingegen schwingen schwere Werkzeuge – als Zimmerer, Maurer, Schlosser oder in einem anderen handwerklichen Beruf. Geht man davon aus, dass diese Rollen noch heute besetzt werden, „treffen“ sich Frauen und Männer nur in Bürojobs oder in Lehrberufen in höheren Klassen. Doch entspricht das noch der Realität? Wo sind Frauen in Männerberufen aktiv und was bedeutet das?

Es gibt Frauen in Männerberufen

Vom Bundesinstitut für Berufsbildung, kurz BIBB, gab es bereits ein positives Signal: Zwischen 2004 und 2015 sei der Anteil der weiblichen Azubis in klassischen „Männerberufen“ gestiegen. Es ist ein kleiner Trend, der sich ausmachen lässt, der aber zahlenmäßig mitnichten durchschlägt. Laut BIBB legen die Frauen in Männerberufen jährlich um 0,2 Prozent zu. Das heißt auch, dass die 80-Prozent-Quote der Männerberufe, die als Kriterium für diese Bezeichnung dient, noch lange Zeit bestehen wird, bis Elektro-, Metall- und Bauberufe nicht mehr als Männerberufe bezeichnet werden.

Rein statistisch betrachtet sind es die Bäckerinnen, die zwischen 2004 und 2015 im Branchenreport von 7,7 Prozent auf 25,9 Prozent geklettert sind. Das Tischlerhandwerk lernten 2015 12,2 Prozent und damit 7,2 Prozent mehr als noch im Jahr 2004. Umgekehrt lässt sich übrigens kein derartiger Trend beobachten. Kosmetiker, Friseure, Floristen sowie medizinische Fachangestellte sind in der Mehrheit nach wie vor weiblich, was auch auf die Verdienstchancen zurückgeführt werden kann.

Nur bei wenigen Jobs halten sich die Einkommenshöhen von Frauen und Männern die Waage, etwa bei Angestellten in der Justiz sowie bei Laboranten. Und siehe da: Auch immer mehr Männer ziehen diese Berufe in Betracht. Deutlich stärker ausgeprägt ist hingegen die Gender Pay Gap, von der es allerdings auch Positives zu berichten gibt, denn der Lohnunterschied sank erstmals unter die 20-Prozent-Marke.

Was bringt’s, einen Männerberuf zu wählen?

Klassische Männerberufe werden oft besser bezahlt als die Jobs, die Frauen häufig ausüben. Das bedeutet auch, dass Frauen in Männerberufen finanziell besser dastehen als Männer in Frauenberufen. Für viele Männer ist das Gehalt das K.O.-Kriterium für einen Frauenberuf – außer das Rollengefüge in der Familie steht komplett Kopf und die Frau ist in einem Männerberuf tätig, was das Familieneinkommen wieder austariert. Steht das traditionelle Rollengefüge in einer Familie Kopf, kann das Folgen haben, wie etwa:

  • Eine veränderte Betreuungssituation: Es macht durchaus Sinn, bei der Betreuung der gemeinsamen Kinder einen Blick auf den Gehaltszettel zu werfen, was bedeuten könnte, dass derjenige, der weniger verdient, zeitweise in Teilzeit arbeitet – auch wenn es damit den Vater trifft, der Friseur ist.
  • Eine veränderte Versicherungssituation: Angepasst werden müssen auch Versicherungen, die für die Familie abgeschlossen wurden. Dabei geht es nicht um Sachversicherungen, wie etwa Haftpflicht und Hausrat, sondern um Versicherungen, die mit Blick auf Gehalt und Finanzen abgeschlossen wurden. Das heißt: Lebensversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen sowie Rentenversicherungen müssen nun auf den Prüfstand.

In der Wahrnehmung kommt dies nur selten an, was mitunter auf die neurologischen Grundlagen für Denkvorgänge zurückzuführen ist. Das wiederum bedeutet: Altbekanntes ist das, was im Gehirn schnell und einfach zu erfassen ist. Neues hingegen braucht eine Weile, bis es sich den Weg bahnt. Deswegen wird es mit Wahrnehmung und Akzeptanz noch einmal deutlich länger dauern bis diese final ankommt.

Foto pixabay.com © 27707 (CC0 Public Domain)

Nachmachen erlaubt. Die Kampagne der Bundesregierung zu Frauen in Männerberufen

Um Frauen zu motivieren und ihnen klarzumachen, dass sie beruflich auch vieles erreichen können, was eigentlich in die Kategorie der klassischen Männerberufe fällt, hat die Bundesregierung eine Kampagne gestartet, die Frauen in Männerberufen zeigt. Bundeswehr-Kompaniechefin Sabrina Melchior, Dachdeckermeisterin Jacqueline Gerschler, Fahrzeuglackierer Johanna Kaiser, Mathematikprofessorin Prof. Dr. Christine Bessenrodt, Master-Mechatronikstudentin Sophie Charlotte Keunecke und Feuerwehr-Wachabteilungsleiterin Susanne Klatt zeigen nicht nur, wie glücklich sie in der Männerdomäne sind, sondern auch wie vielseitig die Chancen von Frauen in Männerberufen sind.

Das braucht’s, damit Frauen in Männerberufen erfolgreich werden

Die passende Ausbildung und eine gehörige Portion an Selbstvertrauen und Motivation sind die Grundbausteine, um als Frau in einem Männerberuf durchzustarten. Doch was ist noch nötig, um als Frau Erfolgsgeschichte in einer Männerdomäne zu schreiben und damit auch international aufzuholen?

Kompetenz, Stärke und Selbstbewusstsein sind nötig. Zudem sollten sich Frauen stets dessen bewusst sein, dass das Geschlecht, das zuerst da war – also die Männer – auch die Rahmenbedingungen festlegen, was für die Frauen heißen könnte: Die gleiche Leistung abzuliefern, reicht nicht aus. Es muss ein Tick mehr sein, um sich als Frau in einem Männerberuf behaupten zu können. Mit fachlicher Kompetenz zu punkten, ist also der klassische Weg zum Erfolg. Auf die Überholspur können sich Frauen in Männerberufen manövrieren, wenn sie ihre Fähigkeit einsetzen, emotionale Bindungen auszugestalten. Das heißt: Frauen begeistern oft durch ihre Persönlichkeit. Hier haben sie die Nase vorn.

In puncto Kommunikation können sie hingegen von der Männerwelt durchaus noch etwas lernen. Eine souveräne Körperhaltung, eine raumgreifende Gestik und eine durchsetzungsstarke Stimme können zum Erfolg führen. Auch der Dress-Code kann entscheidend sein, um sich in einer Männerbranche platzieren zu können – vor allem dann, wenn es um die Führungsriege geht.

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