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Neue Gründerzeit? Aber nicht für alle!

Ein Kommentar von Katja Brößling & Carolin Schäufele

Wir brauchen eine neue Gründerzeit

Mit dieser Nachricht trat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf der NOAH Conference 2015 in Berlin auf. (Beraternews.net berichtete). Eine Nachricht, die positives Erstaunen auslöste und die die Gedanken Richtung neue Unterstützungsprogramme oder weitere finanzielle Anschubfinanzierungen trieb. Doch die Ernüchterung kam schnell mit der Nachricht des VGSD.

Unterstützung von Gründern ja, aber natürlich nicht von allen. Denn Minister Gabriel meint die erfolgreichen „jungen, innovativen Digitalunternehmen“. Zeitgleich zu dieser mehr als irritierenden Information wurde bekannt, dass das Wirtschaftsministerium zum 31.12.2015 nun auch noch die Förderung von Seminaren für Gründer und Selbstständige einstellt.

Als wäre es nicht genug, dass in den letzten Jahren schon mehr als genug Fördermaßnahmen beschnitten wurden:

  • Kürzung des Gründungszuschusses mit Rückgang der entsprechenden Gründungen um 80 Prozent
  • Vervierfachung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung für Selbstständige
  • Abschaffung des Gründercoaching Deutschland für Arbeitslose
  • Einstellung des Mikrokreditfonds Deutschland, um nur die wichtigsten Kürzungen zu nennen.
(Quelle VGSD)

Ein „Äh, und was ist mit den anderen?“ macht sich da breit. Was ist mit denen, die keine Gründung im Bereich Digitalisierung vornehmen wollen? Was machen die Mütter, die im Rahmen ihrer Elternzeit vielleicht entdecken, dass sie großartige kleine Strickmützchen erstellen und die auch noch gewinnbringend verkaufen können? Oder derjenige, der einen eigenen Tischlerbetrieb aufbauen möchte. Bekommen die bei einer Gründung keine Unterstützung mehr, keine Beratung oder einen Gründungszuschuss?

Anscheinend nicht…

Dass die Digitalisierung ein wichtiger Baustein unserer aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung ist, dürfte hinreichend bekannt sein. Und für diese Startups oder Gründer ist diese Aussage ganz großartig.

Doch damit erschöpft sich das Gründungsgeschehen doch nicht.

Wer bitte, fällt solche Entscheidungen? Was ist der Hintergrund dieses Vorgehens? Geld einsparen? Für wen oder was?

Was wird aus den politischen Forderungen, die Gründerszene in Deutschland zu beleben, der Forderung nach mehr Gründungen insgesamt, vor allem nach gründenden Frauen? Die schauen doch erst recht in die bekannte Röhre, wenn genau bei diesem Maßnahmen eingespart wird. Denn wer schafft es aus eigener Kraft und nur mit eigenem Kapital, ein eigenes Unternehmen aufzubauen? Doch wohl die wenigsten.

Viele Frauen gründen aus der Arbeitslosigkeit heraus. Andere haben die Idee für ein eigenes Unternehmen während der Elternzeit, wenn plötzlich klar wird, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland nur gedanklich funktioniert aber nicht in der realen Welt. Werden Sie nun schon wieder bestraft, weil Sie sich FÜR Kinder entschieden haben?

Die Digitalisierung ernährt uns nicht und deckt keine Grundbedürfnisse

Es muss egal sein, in welcher Branche Menschen den Mut aufbringen etwas Eigenes zu gründen und wie schnell sie damit wachsen – jeder hat dabei Unterstützung verdient. Wachstum ist dabei anscheinend das neue Schlüsselwort. Aber wie soll Wachstum ohne Fachkräfte denn von statten gehen? Diese neue Initiative ist wie so viele andere Initiativen und Kampagnen des Bundes einfach nicht zu Ende gedacht. Und sie wird wieder einige wenige bevorzugen und unterstützen und die breite Masse schaut von außen zu.

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