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Weltfrauentag 2020: Gleichstellung in der Arbeitswelt noch weit entfernt

Am 8. März 2020 war Internationaler Frauentag. In der Arbeitswelt und den beruflichen Möglichkeiten sind Frauen nach wie vor weit von einer Gleichstellung der Geschlechter entfernt. Das hat viel mit Geschlechterklischees zu tun, so die Initiative Klischee-frei anlässlich des Weltfrauentags.

Das Jahr 2020 ist in Deutschland auch das Jahr der Gleichstellung. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind in Bezug auf Geschlechtergleichstellung noch viele Baustellen offen. In vielen Arbeitsmarktbereichen finden sich Hinweise auf Fortschritte, allerdings auch Zeichen von Stagnation oder gar Rückschritt.

Bildung

Beim höchsten beruflichen Abschluss gibt es zwischen Frauen und Männern kaum noch Unterschiede. Bei der schulischen Bildung haben Frauen die Männer inzwischen sogar überholt. Bei der Wahl der Ausbildungsberufe gibt es aber eine starke Segregation entlang der Geschlechtergrenzen. Männer sind in technischen dualen Ausbildungsberufen deutlich stärker vertreten, Frauen hingegen in schulischen Ausbildungsberufen.

Erwerbsarbeit

Bei der Teilnahme an Erwerbsarbeit haben Frauen in den letzten Jahrzehnten stark aufgeholt und liegen mit einer Erwerbstätigenquote von 72 Prozent nur noch 8 Prozentpunkte hinter den Männern (80 Prozent). Ein Blick in die Beschäftigungsarten zeigt aber deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Mit 62 Prozent stellen Frauen den deutlich größeren Anteil an den ausschließlich im Minijob arbeitenden Beschäftigten. Nur ein Drittel aller Selbstständigen in Deutschland sind Frauen. Besonders stark ausgeprägt ist die berufliche Segregation entlang der Geschlechtergrenze: Männer stellen in der Hälfte der Berufssegmente die übergroße Mehrheit.

Diese starke Trennung der Geschlechter wirkt sich auch auf die Arbeitsbedingungen aus, denen Frauen und Männer im Erwerbsleben ausgesetzt sind: Männer sind immer noch stärker von „klassischen“ Arbeitsbelastungen wie körperlich schwerer Arbeit und Lärm betroffen, während Frauen häufiger anderen Belastungsformen wie Zeitdruck und häufigen Arbeitsunterbrechungen ausgesetzt sind.

Einkommen

Den Gender Pay Gap liegt in Deutschland bei vergleichsweise hohen 21 Prozent und geht nur sehr langsam zurück. Das liegt größtenteils an der hohen Teilzeitquote von Frauen und auch daran, dass Frauen für Kindererziehung und Pflege von Angehörigen ihre Erwerbsarbeitskarriere unterbrechen. Über das gesamte Erwerbsleben hinweg kumulieren sich die Effekte und tragen zu dem hohen Gender Pension Gap bei, der im Jahr 2015 – trotz einer deutlichen Abnahme seit 1991 – bei 53 Prozent lag.

Zeit

Der konstant hohe Anteil an Teilzeitbeschäftigten unter Frauen stellt die größte Baustelle dar: Fast jede zweite Frau, aber nur jeder zehnte Mann arbeitet wöchentlich weniger als 32 Stunden. Der hohe Anteil an teilzeitbeschäftigten Frauen ist der Hauptgrund für den immer noch hohen Gender Time Gap, der aktuell bei 8,2 Wochenstunden liegt.

Besonders ausgeprägt sind die geschlechterbezogenen Erwerbsunterschiede für Eltern in Paarhaushalten: In Haushalten mit einem Kind oder mehreren Kindern arbeiten fast alle Männer Vollzeit, während die Frauen mehrheitlich Teilzeit arbeiten. Bei der Lage der Arbeitszeit sind Männer insgesamt stärker von Arbeitszeiten in den Randlagen betroffen: Sie arbeiten doppelt so häufig am Abend oder in der Nacht und leisten auch häufiger Wechselschicht. Demgegenüber arbeiten Frauen etwas häufiger an Samstagen – jede vierte Frau arbeitet regelmäßig samstags.

Sorgearbeit

Es bestehen immer noch stark ausgeprägte geschlechterbezogene Unterschiede: Frauen leisten einen deutlich höheren Anteil an unbezahlter Arbeit als Männer, selbst wenn sie erwerbstätig sind und sogar dann, wenn sie Vollzeit arbeiten.

Bei Paaren mit Kindern im Haushalt gestaltet sich die Arbeitsteilung überwiegend noch sehr traditionell, das heißt Frauen tragen einen überdurchschnittlichen Anteil an unbezahlter Arbeit für die Haushaltsführung und Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen, während Männer einen deutlich höheren Anteil an bezahlter Arbeit leisten. Von Equal Care ist Deutschland noch weit entfernt.

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