Neue Studie: Was Teilzeitkräfte wirklich brauchen
– und warum Hybridarbeit der Schlüssel ist
Von Dr. Christoph Schneider, CEO IWG Deutschland
Mit über 12,1 Millionen Menschen in Teilzeit, die rund 29 Prozent der Gesamtbeschäftigtenzahl ausmachen, gehört Deutschland zu den EU-Ländern mit dem höchsten Anteil an Teilzeitkräften. Besonders hoch ist der Anteil unter Frauen, von denen fast jede zweite in Teilzeit arbeitet*. Um Talente zu halten und Wachstumspotenziale zu nutzen, ist es für Unternehmen entscheidend, diese wichtige Beschäftigtengruppe im Blick zu behalten. Wir von IWG (International Workplace Group) wollten es genauer wissen und haben eine Umfrage unter 510 aktuellen und ehemaligen Teilzeitbeschäftigten in Deutschland durchgeführt.**
Dr. Christoph Schneider ist seit 2022 CEO von IWG Deutschland (International Workplace Group) und verfügt über umfassende Erfahrungen in den Bereichen Vertrieb, Wachstum und Strategie. Zuvor war er als Managing Director Germany bei der Dreamlines GmbH tätig, wo er das Wachstum im Kreuzfahrtsegment vorantrieb. Davor hatte er strategische Positionen bei McKinsey & Company inne.
Flexibilität first
Die aktuelle IWG-Studie zeigt, dass mehr als ein Drittel der befragten Teilzeitkräfte einen vollständigen Ausstieg aus dem Berufsleben in Betracht ziehen würde, wenn sie lange Arbeitswege in Kauf nehmen müssten oder ihnen flexible Arbeitszeiten nicht zur Verfügung stünden. Ein Ansatz zeigt hier besonders Wirkung: Hybridarbeit bedeutet, an unterschiedlichen Orten zu arbeiten, zum Beispiel in einem professionellen Arbeitsplatz in Wohnortnähe, zu Hause oder in einem zentralen Büro. Dieses Modell schafft Zeit und Energie, weil der tägliche lange Arbeitsweg entfällt und stärkt damit Wohlbefinden, Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Drei Ergebnisse aus der Studie sind besonders relevant:
- Wiedereinstieg: 75 Prozent der ehemaligen Teilzeitkräfte würden zurückkehren, wenn Flexibilität gewährleistet ist.
- Stundenerhöhung: Mehr als die Hälfte würde ihre Arbeitszeit erhöhen, wenn Arbeitsort und Zeit frei wählbar wären.
- Wohnortnähe: 52 Prozent priorisieren bei einer neuen Stelle einen Arbeitsplatz in der Nähe ihres Wohnortes.
Wohnortnähe als zentraler Hebel
Der Arbeitsweg ist für viele Teilzeitkräfte ein entscheidender Faktor. Vier von zehn sagen, dass steigende Pendelkosten ihre Erwerbstätigkeit erschweren. Fast 60 Prozent gehen davon aus, dass hybride Modelle ihre Kosten deutlich senken würden, während 45 Prozent aus dem Berufsleben ausscheiden würden, wenn sie täglich in ein Innenstadtbüro pendeln müssten. Das ist ein Signal an Unternehmen, ihre Flächenstrategie neu zu denken und Arbeitsorte dorthin zu bringen, wo Menschen leben. Hybride Modelle schaffen zusätzliche, verlässliche Zeitfenster – oft der entscheidende Faktor dafür, ob berufliche Entwicklung möglich wird.
Mehr Raum für Talente
Wenn Mitarbeitende flexibel hybrid arbeiten können, profitieren sie selbst, und die Unternehmen spürbar davon. Unternehmen profitieren von einer größeren Vielfalt, indem sie ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Männer und Frauen ihre Stärken zuverlässig einbringen können, auch wenn sich die Anforderungen durch unterschiedliche Lebensphasen, zum Beispiel Elternzeit, ändern.
Modelle, die eine bessere Vereinbarkeit ermöglichen, erhöhen die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber, senken die Fluktuation und erleichtern den Wiedereinstieg, sodass Karrierewege nicht unterbrochen werden müssen. Zudem zeigt die Praxis, dass die Produktivität steigt, wenn Arbeitsort und Arbeitszeit besser zum tatsächlichen Aufgabenprofil passen. Eine globale Studie von IWG und Arup zeigt, dass Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden wohnortnahe Arbeitsorte im Rahmen hybrider Modelle ermöglichen, ihre Produktivität in den kommenden fünf Jahren um bis zu elf Prozent steigern können***. Unternehmen sichern sich somit motivierte und leistungsfähige Mitarbeiterinnen und stärken die Zusammenarbeit und Qualität in ihren Teams.
Fazit: Flexibilität zahlt auf Produktivität und Bindung ein
Hybride Arbeitsmodelle schaffen Rahmenbedingungen, die viele Teilzeitkräfte benötigen, um im Berufsleben zu bleiben oder nach einer Pause zurückzukehren. Sie erleichtern den Wiedereinstieg, unterstützen die Erhöhung von Arbeitsstunden und ermöglichen stabilere Erwerbsbiografien. Gleichzeitig gibt hybride Arbeit Beschäftigten die Freiheit, ihre Arbeit um ihr Leben herum zu organisieren und nicht umgekehrt. Dieser Perspektivwechsel ermöglicht vor allem Frauen, ihren Tag mit mehr Autonomie zu gestalten und viele strukturelle Barrieren zu verringern, die die berufliche Entwicklung bislang eingeschränkt haben.
Indem hybride Modelle neu definieren, wie und wo Arbeit stattfindet, verändern sie die wirtschaftlichen Perspektiven vieler Mitarbeitenden und eröffnen Wege in nachhaltige Karrieren. Für Unternehmen bedeutet das mehr Kontinuität, stärkere Loyalität und Zugang zu Talenten, die sonst verloren gehen würden. In einer Arbeitswelt, die sich zunehmend in Richtung Flexibilität bewegt, können Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen profitieren: Karrieren und Privatleben passen besser zusammen und die Mitarbeitenden können ihr Potenzial verlässlich einbringen.
Quellen:
**Trading Economics
**Die Studie wurde von Mortar Research im Oktober 2025 unter 510 aktuellen und ehemaligen Teilzeitbeschäftigten in Deutschland durchgeführt. Die Befragten wurden zu ihren Ansichten und Erfahrungen hinsichtlich der Teilzeitarbeit in einem Büro befragt.
*** IWG Hybrid Working Productivity Report, June 2025
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