Neue Chancen für Frauengesundheit, Femtech & Longevity
Von Petra Vorsteher, AI.GROUP / AI.FUND
Wir stehen an einem Wendepunkt in der Geschichte von Gesundheit und Medizin. Zum ersten Mal haben wir die Chance, das Altern nicht nur hinzunehmen, sondern aktiv zu gestalten. Künstliche Intelligenz (KI), Longevity-Forschung und Femtech sind die Bausteine einer Zukunft, in der wir länger leben, gesünder bleiben und Frauen ihre Gesundheit selbstbestimmt in die Hand nehmen können. KI als Gamechange!
„Aus meiner Arbeit als Unternehmerin und Investorin weiß ich: Die Frage ist nicht mehr, ob KI die Medizin verändert – sondern wie schnell und wie grundlegend dieser Wandel voranschreitet.“
Frauengesundheit: weiblicher, individueller und digitaler als je zuvor
Alle reden heute von Longevity, Femtech oder der Revolution in der Frauenmedizin. Doch was steckt wirklich hinter diesen Begriffen – und wie greifen sie ineinander? Frauenmedizin ist das klassische medizinische Fachgebiet, das frauenspezifische Erkrankungen und Lebensphasen wie Brustkrebs, Endometriose oder die Menopause in den Mittelpunkt stellt. Hier kann KI helfen, endlich präzisere Diagnosen zu ermöglichen und Therapien individueller zu gestalten. Femtech hingegen steht für die junge, digitale Start-up-Welt, die mit Apps, Wearables oder digitalen Coaches Frauen Daten und Wissen zur Verfügung stellt – und ihnen damit mehr Selbstbestimmung im Alltag gibt. Longevity – vor allem Healthy Longevity – schließlich beschreibt das übergeordnete Forschungsfeld für gesundes Altern. Medikamente, Biotech und KI sollen uns nicht nur ein längeres, sondern vor allem ein gesünderes Leben ermöglichen.
Drei Bereiche, die auf den ersten Blick unterschiedlich wirken, aber gemeinsam ein neues Kapitel der Medizin aufschlagen – weiblicher, individueller und digitaler als je zuvor.
KI als Gamechange und KI als Schlüssel für präzisere Diagnosen
Frauenmedizin war lange ein vernachlässigtes Feld. Viele Medikamente wurden historisch am männlichen Körper erforscht – mit der Folge, dass Nebenwirkungen oder Wirkungslücken für Frauen oft übersehen wurden. KI kann helfen, diese Wissenslücken zu schließen.
Ein Beispiel: Das Hamburger Unternehmen Mindpeak hat eine KI entwickelt, die Pathologinnen und Pathologen bei der Krebsdiagnose unterstützt. Brustkrebszellen können so deutlich schneller und zuverlässiger erkannt werden – eine lebensrettende Innovation, gerade für Frauen.
KI ist aber mehr als nur ein technisches Werkzeug. Sie eröffnet die Möglichkeit einer individualisierten Medizin: Behandlungspläne, die nicht für die „Durchschnittspatientin“ geschrieben werden, sondern die persönliche Biologie, den Lebensstil und sogar den Hormonhaushalt berücksichtigen. Ärztinnen und Ärzte gewinnen dadurch Zeit für das Wesentliche: den Menschen.
Demokratisierung des Gesundheitswesens
Ein wichtiger Aspekt, der mir am Herzen liegt, ist die Demokratisierung der Medizin. Bislang haben Privatpatientinnen zumeist mehr Zeit mit ihren Ärzten als Kassenpatientinnen. KI kann diese Ungleichheit verringern. Denn wenn digitale Assistenten Routineaufgaben übernehmen, bleibt mehr Raum für menschliche Zuwendung. Wearables, Apps und smarte Sensoren ermöglichen es zudem, dass Patientinnen selbst Daten erheben und mit ihrem medizinischen Team teilen. Aus passiven Patientinnen werden aktive Partnerinnen – mit mehr Wissen, mehr Verantwortung und mehr Selbstbestimmung.
Longevity: Vom Traum zum Forschungsfeld
Die Vision eines langen, gesunden Lebens begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Heute ist die Wissenschaft dabei, diesen Traum greifbar zu machen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie wir nicht nur unsere Lebensspanne, sondern vor allem unsere Gesundheitsspanne verlängern können – also die Jahre, in denen wir vital, aktiv und unabhängig bleiben.
Forschende weltweit untersuchen dazu biologische Prozesse des Alterns, entwickeln präventive Ansätze und erproben neue Wege, um altersbedingte Krankheiten hinauszuzögern. Künstliche Intelligenz spielt eine Schlüsselrolle: Sie hilft, komplexe Datenmengen auszuwerten, Muster zu erkennen und individuelle Strategien für ein gesundes Altern zu entwickeln.
Noch gibt es keine einfache Lösung oder „Wunderpille“. Aber klar ist: Altern ist kein festgeschriebenes Schicksal, sondern ein biologischer Prozess, den wir zunehmend verstehen – und immer besser beeinflussen können.
Biohacking & Femtech: Frauen schreiben ihre eigene Gesundheitsgeschichte
Parallel dazu wächst ein neuer Trend: Biohacking. Immer mehr Frauen wie Männer nutzen Wearables und Apps, um Schlaf, Herzfrequenz, Hormonzyklen oder Stresslevel zu tracken. Diese Daten sind wertvoll, um Muster zu erkennen und frühzeitig gegenzusteuern – ob bei Überlastung, hormonellen Schwankungen oder Prävention von Krankheiten.
Hier kommt Femtechins Spiel: Eine neue Generation von Start-ups entwickelt radikale Lösungen, die weit über die Behandlung von Symptomen hinausgehen.
Sie treiben die nächste Innovationswelle in der Frauengesundheit voran – mit Themen wie:
Menopause & hormonelle Gesundheit: neue Ansätze für eine bessere Lebensqualität während und nach dem Übergang
Fruchtbarkeit & Reproduktionsmedizin: von sanfteren, kürzeren IVF-Protokollen bis hin zu digitalen Lösungen für die Familienplanung
Zyklus-Tracking & Daten: smarte Apps, die Körperwissen in Klarheit und Prävention übersetzen
Prävention & Langlebigkeit: vom Osteoporose-Schutz bis hin zu ganzheitlichen Programmen für ein längeres, gesünderes Leben
Zu den Vorreitern gehören Unternehmen wie Gameto, Vira Health, Maven Clinic, Kindbody oder Elektra Health, die neue Wege in Diagnostik, Prävention und Behandlung gehen.
Mehr als Technik: eine Frage der Verantwortung
Dabei geht es nicht nur um Technik. Es geht um eine kulturelle Veränderung: Frauen übernehmen zunehmend Verantwortung, verstehen ihren Körper besser und treten selbstbewusst für ihre Gesundheit ein. Doch Verantwortung liegt nicht allein bei den Patientinnen – auch die Ärzteschaft sowie Innovatorinnen und Innovatoren gestalten diesen Wandel aktiv mit.
Ein Beispiel ist die Hamburger Praxis AVA – Medical, die mit ihrem Startup NoscAi, die KI konsequent in die tägliche Versorgung integriert. Mit ihrem Praxisinformations-System ClinicOS® werden Anamnese, Diagnostik, Therapievorschläge und Verwaltung digital unterstützt. Ziel ist es, Ärzte zu entlasten, Wartezeiten zu verkürzen und Patientinnen sowie Patienten eine moderne, individuellere Versorgung zu ermöglichen.
NoscAi zeigt, wie Praxen zur Blaupause für die Medizin von morgen werden können.
Gerade die Verbindung solcher Praxisansätze mit High-End-Diagnostik in Kliniken zeigt, wie breit das Spektrum der KI in der Medizin ist. In Zusammenarbeit mit Universitäten und Krankenhäusern können Innovationen so schneller in die reale Versorgung übertragen werden.
Ausblick: Ein neues Kapitel für Frauen und Gesundheit
Am Ende geht es um mehr als Technologien und Medikamente. Es geht um ein neues Selbstverständnis: Frauen sollten nicht länger passive Patientinnen sein, sondern aktive Gestalterinnen ihrer Gesundheit und somit ihrer Lebensqualität.
KI, Longevity und Femtech sind keine abstrakten Trends mehr – sie sind die Instrumente, mit denen wir lernen können, unseren Körper besser zu verstehen, Krankheiten vorzubeugen und gesünder alt zu werden.
Meine Vision ist klar: ein Gesundheitssystem, in dem Ärztinnen und Ärzte, Patientinnen und Patienten auf Augenhöhe zusammenarbeiten, in dem Technologie Ärzt:innen entlastet und Frauen befähigt, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.
Die Zukunft der Medizin ist weiblich, digital und selbstbestimmt. Und wir stehen erst am Anfang.
Petra Vorsteher …
… isteineinternationale, mehrfach ausgezeichnete Tech-Pionierinund Serienunternehmerinmit über 20 Jahren Erfahrung im Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Gemeinsam mit Ragnar Kruse gründete sie 2019AI.HAMBURG(heute Teil des KI-ÖkosystemsAI.GROUP), um Unternehmen beim Einsatz von KI zu unterstützen, Wissen zu vernetzen und den Austausch mit Universitäten zu fördern. Zudem ist sie Mitgründerin des AI.FUNDzur Förderung von KI-Startupsin Europasowie des KI- Beratungsunternehmens AI.IMPACT. Neben zahlreichen Ehrenämtern und Beratungsmandaten – auch im universitären Bereich – ist sie Mit-Initiatorin vonTransatlantic AI ExchangeundAI4Germany. Mit dem AI.SUMMIT bringen Vorsteher und Ihr Team einmal jährlich führende Unternehmen, Experten und KI-Startups zusammen.
Vorsteher lebt seit 1981 zwischen dem Silicon Valley und Hamburg. 2005 gründete sie ein Mobile-Unternehmen, das sie zu einer der weltweit führenden Mobile-Advertising-Plattformen aufbaute und erfolgreich verkaufte. Zuvor war sie als VP Strategische Allianzen & Business Development beiIntershopam Aufbau einer der ersten Online-Shopping-Plattformen beteiligt.
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