Gründerinnen im Porträt

Anna-Sophia Kouparanis hat Algea Care gegründet

Anna-Sophia Kouparanis zählt seit über zwei Jahren als Führungskraft, Investorin und Unternehmensgründerin zu den führenden weiblichen Entscheiderinnen der Cannabis-Szene. Deutschlandweit gründete sie als erste Frau mit der Ilios Santé GmbH einen Großhändler für medizinisches Cannabis. Ihre Expertise liegt in der Produktbeschaffung, dem Umgang mit Rx- Arzneimitteln und der effizienten Skalierung von Geschäftsmodellen in hoch regulierten Märkten.

Frau Kouparanis, Sie haben sich mit Algea Care selbstständig gemacht, inzwischen Deutschlands führender Anbieter für die Behandlung chronischer Krankheiten auf Cannabisbasis und weiterer natürlicher Therapien. Können Sie uns kurz erzählen, was genau Algea Care auszeichnet.

Wir haben sehr erfolgreich komplettes Neuland in diesem Gebiet betreten: Erstmalig in Deutschland kombinieren wir den Telemedizin-Aspekt mit Medikamenten, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Medizinisches Cannabis war insofern regulatorisch die größte Herausforderung, die wir uns aussuchen konnten, weitere Naturarzneimittel sind bereits in Planung. Schlussendlich ist unser Ziel, das Versorgungsangebot für Patienten*innen zu verbessern – Menschen, die allesamt an chronischen Beschwerden leiden. Dazu zählt insbesondere die fundierte ärztliche Expertise für Therapien mit medizinischem Cannabis. Unsere Ärzte bekommen daher vor ihrem Start bei Algea Care ein sehr detailliertes Onboarding von der leitenden Ärztin über die Pflanze,  Evidenzen von publizierten Studien und bereits erlangte Therapieerfolge mit bestehenden Patienten.  Betonen möchte ich, dass wir bei Algea Care als Full-Service-Anbieter bei allen Prozessen den Fokus immer auf unsere Patienten legen.

Der Einsatz von Cannabis als Heilmittel ist in Deutschland vielleicht sogar in Europa noch keine Selbstverständlichkeit. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür?

Von Selbstverständlichkeit kann absolut keine Rede sein. Im Gegenteil: Weniger als zwei Prozent der Ärzte – so unsere Schätzung – verschreiben Cannabis. Das hat mehrere Gründe: Erstens ist medizinisches Cannabis für einzelne Ärzte mit immensem bürokratischen Aufwand verbunden, zweitens fehlt es sehr vielen an entsprechender Expertise über Cannabinoide und das endogene Cannabinoidsystem im menschlichen Körper und drittens stigmatisieren leider viele Ärzte Cannabis immer noch als Droge. Der Mehrwert von medizinischem Cannabis muss endlich von Medizinern akzeptiert und anerkannt werden. Es kann nicht sein, dass viele chronisch Erkrankte eine meist jahrelange Odyssee hinter sich bringen müssen, bevor ihnen endlich eine Ärztin oder ein Arzt mit fundiertem Wissen bezüglich der Therapie mit medizinischem Cannabis beiseite steht. Über 90 Prozent unserer Patienten berichten von einer deutlichen Symptomlinderung im Verlauf. Zudem ist das Nebenwirkungsprofil bei einer Dauertherapie unserer Erfahrung nach deutlich geringer als häufig angenommen, gerade im Vergleich zu üblichen Medikamenten wie beispielsweise starken Schmerz- oder Schlafmitteln. Wir richten uns bei Algea Care nach strengen schulmedizinischen Standards und gehen ausschließlich evidenzbasiert vor. Cannabis ist Medizin – und in vielerlei Hinsicht synthetischen Tabletten überlegen.

Warum haben Sie Algea Care gegründet?

Die einstigen Lieferengpässe, die es vor einigen Jahren für Patienten schwierig machten, ihr verschriebenen Präparat von Apotheken zu beziehen, sind längst passé. Es mangelt deutschlandweit dagegen nach fast vier Jahren immer noch an geschulten Ärzten, die bereit sind, Patienten*innen bei einer Cannabis basierten Therapie zu unterstützen. Genau diese Lücke schließen wir mit einem intelligenten und patientenorientierten Telemedizin-Ansatz. Mit Algea Care leiten wir den Wandel ein, von synthetisch zu natürlich, von Kräuterheilkunde zu professionellen Therapieangeboten auf Basis von Cannabis und anderen Naturheilmitteln. Was könnte es schöneres geben, als unternehmerischen Erfolg mit Erleichterung im Alltag vieler Menschen zu vereinen?

Der Handel mit medizinischem Cannabis ist immer noch sehr männerdominiert. Sie sind die erste Frau, die sich hier etabliert. War oder ist das schwer?

Die Pharma-Branche wird von Männern dominiert. Die Cannabis-Industrie ist keine Ausnahme – im Gegenteil. Ich war die erste Frau deutschlandweit, die einen Großhandel für medizinisches Cannabis gegründet hat. Wenn in der Chefetage ausschließlich Männer miteinander verhandeln, muss man als Frau umso härter Arbeiten, um sich entsprechend zu etablieren und von Männern Ernst genommen zu werden. Viele Frauen lassen sich davon schnell abschrecken, ich hingegen konnte es auch zu meinem Vorteil nutzen, um rasch geschäftliche Partnerschaften aufzubauen. Eine Sache ist aber klar: Wir brauchen in der Cannabis-Industrie eindeutig mehr weibliche Vorbilder, die sich zukünftig gemeinsam für ihre Interessen zusammenschließen und einsetzen.

Welche Stolpersteine gab es?

Wir agieren als erstes deutsches Telemedizin-Unternehmen mit Betäubungsmitteln. Das ist regulatorisch extrem anspruchsvoll. Alleine für den Aufbau des Business Models haben wir in sehr enger Abstimmung mit unseren Anwälten knapp ein Jahr  gebraucht, um regulatorisch sicher und einwandfrei agieren zu können. Nachdem wir im Sommer das Unternehmen gegründet hatten, ging es dann alles Schlag auf Schlag: Im September gingen wir in Frankfurt an den Start. Seitdem konnten wir mit München, Berlin, Köln und Hamburg Monat für Monat einen weiteren Standort anbinden, haben ein 40-köpfiges Team mit zwölf Ärzten aufgebaut und versorgen knapp 1.000 Patienten*innen. Stolpersteine gab es nach dem Launch nur wenige, da wir uns mit der Regulatorik so detailliert im Vorfeld auseinandergesetzt haben.

Algea Care ist als Telemedizin-Unternehmen aufgebaut. Warum?

Erstens können wir dadurch Patienten*innen in ganz Deutschland bedienen, ohne dass diese für jeden einzelnen Termin anreisen müssen, zweitens ist Telemedizin Kern unseres angesprochenen Full-Service-Ansatzes. Keine Wartezeiten, rundum Betreuung selbst am Wochenende, Versand der verschriebenen Präparate durch Online-Apotheken und digital vorliegende Daten zur Optimierung der Behandlung – so wie ich es sehe, müsste Telemedizin schon längst zum Standard-Werkzeug in deutschen Praxen zählen. Wir wollen mit einem guten Beispiel vorangehen und zum digitalen Wandel des Gesundheitswesens auf vielen Ebenen beitragen.

Sehen Sie hier die medizinische Zukunft?

Auf jeden Fall. Etwa jede*r zweite Patient*in empfiehlt uns weiter, circa 90 Prozent haben monatlich eine Video-Sprechstunde. Das Feedback sollte mehr als genügen: Aus Patientensicht ist Telemedizin in vielen Fällen der günstigere Weg. Wichtig dabei: Damit Telemedizin funktioniert, müssen Unternehmer*innen immer an alle Begleitthemen denken–  der Fall endet nicht mit der Videosprechstunde. Zudem muss ganz grundsätzlich das E-Rezept als Teil der digitalen Zukunft stärker akzeptiert werde.

Sie bieten Ihren Kunden einen Full-Service. Was beinhaltet der?

Algea Care begleitet vorab die Prüfung, ob eine Cannabis-Therapie in Betracht kommt, Termine kommen innerhalb von maximal vier Tagen zustande, Fragen beantworten wir auch am Wochenende telefonisch oder per Mail binnen 24 Stunden und wir unterstützen die Patienten, bis die für sie erforderlichen Cannabis-Blüten von der Apotheke verschickt wurden. Um es kurz zu machen: Von Terminierung über Therapie bis Rezeptur und auch Versand – im Zweifelsfall auch per nächtlichem Kurier sind wir für unsere Patienten zur Stelle. Wir kümmern uns sogar um Reisegenehmigungen und Bescheinigungen für Behörden und können durch die vorliegenden Daten Therapien optimieren und individualisieren. Unser Telemedizin-Ansatz bringt Algea Care und die Patienten sehr viel näher zusammen.

Anna-Sophia Kouparanis, Mitgründerin Algea Care und Geschäftsführerin Algea Health

Anna-Sophia Kouparanis zählt seit über zwei Jahren als Investorin, Managerin und Unternehmensgründerin zu den führenden weiblichen Entscheiderinnen der Cannabis-Szene. Sie ist Gründerin sowie Geschäftsführerin der Ilios Santé GmbH, einem pharmazeutischen Großhändler. Ihre Expertise liegt in der Produktbeschaffung, dem Umgang mit Rx- Arzneimitteln und der effizienten Skalierung von Geschäftsmodellen in hoch regulierten Märkten.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage von Algea Care

Vorheriger Beitrag

GENERATION TOCHTER: Filmkollektiv startet zweite Finanzierungsrunde

Nächster Beitrag

Zeltschule-Kampagne „Invicta“ stärkt geflüchtete Mädchen und Frauen

kein Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.