Gründerinnen im Porträt

Chips und Schokolade im Abo – Sarah Haide von mycouchbox

Sarah Haide

Sarah Haide

Sarah Haide fühlte sich dazu bestimmt, Freude zu verschicken. Mit Boxen, die voller Leckereien sind. Sie gründete mycouchbox.de – zusammen mit Clemens Walter.

Was gab den Impuls sich selbstständig zu machen?

Mein damaliges Umfeld. Ich war nicht mehr glücklich in meiner Anstellung. Und so hat sich alles um mich herum auf magische Weise auf Startups, das Realisieren von Ideen und Gründen fokussiert. Um ehrlich zu sein, bin ich da einfach irgendwie reingerutscht. Ich wollte meine Situation verbessern – auch wenn ich erstmal ein paar Schritte zurück machen musste. So sah ich doch das große Ganze, denn ich wollte mich wieder auf die Arbeit freuen können und morgens gerne aufstehen.

Wie lange hat es gedauert von der ersten Idee bis zur Anmeldung des Unternehmens?

Sechs Wochen. Das war der Zeitraum von unserem Beschluss, die Idee anzugehen, bis hin zur Liveschaltung unserer Website. Dazwischen lag aber noch eine Menge Arbeit. Der ganze Prozess vom Konzipieren der Box über die Ausarbeitung des Geschäftsmodells bis hin zur Gestaltung der Webseite und noch ungefähr 1 Million anderer Dinge.

Was waren die größten Hemmnisse?

Am Anfang fiel uns vor allem das ständige Verhandeln schwer. Da wir bei unserer Strategie der Eigenfinanzierung immer auf Sparkurs waren, war immer eine gute Verhandlungskunst gefragt. Es nicht immer einfach, Hersteller zu finden, die uns die Produkte komplett kostenlos zur Verfügung stellen wollten. Ein weiterer Punkt ist, dass wir unser Marketing, Design und unsere Website immer komplett selbst gestaltet haben. Wir haben uns nie eine Agentur zu Hilfe geholt – es war ja immer Sparkurs angesagt. Das bedeutet natürlich, dass alles etwas länger dauert, anstrengender ist und eine höhere Fehlerrate auftritt. (Aber wir haben viel gelernt und das alles eigentlich immer gut gemeistert.)

Wer oder was hat Sie unterstützt?

Unterstützung bekamen wir vor allem von Bekannten. Auch unter Startup-Gründern tauscht man sich aus und hilft einander.

Haben Sie Förderprogramme genutzt / beantragt?

Wir haben das vom Land Baden-Württemberg geführte Förderprogramm SXSW  BW-i genutzt, das uns eine Reise zur weltgrößten Digitalkonferenz nach Austin im US-Bundesstaat Texas ermöglicht hat. Wir durften uns dort vor internationalen Experten beweisen und unser Geschäftsmodell vorstellen.

Was würden Sie mit dem Wissen von heute anders machen?

Eigentlich bin ich genau den Weg gelaufen, den ich gebraucht habe, um diese Erfahrungen zu machen. Aber um die Frage zu beantworten: bei Investorengesprächen mehr präsent sein. Ich habe mich oft im Hintergrund gehalten, um nicht zum Maskottchen zu werden. Ich wollte immer ruhig und gezielt die Firma führen. Aber ich denke ein bisschen Showbiz und Rampenlicht gehört wohl doch dazu und ist notwendig.

Welche Netzwerke nutzen Sie?

Wir nutzen zum einen das Sweet Global Network, das mit über 300 Mitgliedsunternehmen ein etabliertes Netzwerk für Süßwarenexperten im deutschsprachigen Raum ist. In diesem Netzwerk sind wir Mitglied und nutzen die exklusiven Einladungen und Leistungen des Verbandes. Außerdem nutzen wir den Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI), einem Wirtschafts- und Arbeitgeberverband, der die wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen aus der Süßwarenindustrie vertritt. Ich persönlich bin bei EO Accelerator. Ein spezielles Format für talentierte Jungunternehmer, die ihre Firma rasch skalieren wollen.

Ihr Tipp für Gründerinnen

Geht mutig voran und nutzt die gebotene Unterstützung – man ist schon zu oft allein in diesem Umfeld. Wer sich zur einsamen Wölfin macht, macht es sich schwerer als es sowieso schon ist.
Lasst euch in der Männerdomäne nicht unterkriegen. Oft wird man von älteren Herren belächelt. Ausblenden und weitermachen.
Durchhalten, durchhalten, durchhalten – auch mit kleinen Schritten kommt man zum Ziel. Hab ich schon durchhalten erwähnt? Mal ehrlich – Wenn’s gut läuft, sprich wenn alle im Team harmonieren und wissen was sie tun müssen, wenn Kunden kaufen und Kooperationspartner mal wirklich kooperieren und genug Geld auf der Bank liegt dann kann fast jeder eine Firma führen. Aber so läuft’s nicht – es gibt taffe Zeiten – und wir müssen durchhalten. Bis es wieder besser wird. Ein Schritt vor den anderen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

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