Gründerinnen im Porträt

Die Landgräfinnen: Historisches Hotel & Restaurant

Im historischen Ortskern von Ziegenhain befindet sich ein renoviertes Fachwerkhaus aus dem Jahre 1816, das dem örtlichen Pfarrer seiner Zeit als Wohnhaus diente. Im November 1987 erwarb die Familie Gerhard und Monika Rühl das vergangenheitsträchtige und imposante Gebäude und begann mit einer monatelangen Renovierungsphase. Im Oktober 2019 haben Annemarie Kitz und Julia Obst das Hotel sowie das angrenzende Restaurant übernommen.

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?

Die Besonderheit an unserem Unternehmen ist, dass wir den Hotelbetrieb im Oktober 2019 übernommen haben und in den Covid-19 Virus hinein, das Haus renoviert haben, ohne zu wissen, ab wann wir das Hotel eröffnen können. Eine weitere Besonderheit unseres Unternehmens ist, dass wir das traditionsreiche Haus übernommen haben und bei der Renovierung das Haus modernisieren und dabei trotzdem das alte Flair beibehalten wollten. Dies spiegelt sich auch in unserer Speisekarte wieder. Beispiele dafür sind Gerichte wie der Schwälmer Sack und der Landgrafenteller.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Zu Beginn unserer Karriere haben wir schon in anderen Hotels gearbeitet. Wir haben in Hotels in Willingen als Restaurantleitung, als Stellvertretende Empfangsleitung gearbeitet und in Hotels in Österreich als Empfangsmitarbeiterin gearbeitet. Bevor wir das Hotel Landgraf in Ziegenhain übernahmen, dachten wir, dass dies für uns die größten Erfolge sein würden, bis wir das Hotel Landgraf übernahmen. Ab diesem Zeitpunkt war der größte unserer beruflichen Erfolge die Eröffnung des Hotel Restaurant Landgraf.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Zu Beginn unserer Karriere haben wir die Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert und im Anschluss berufsbegleitend zu der Betriebswirtin, studiert. Mit der Absolvierung unseres Studiums haben wir in verschieden Hotels in Österreich und Willingen gearbeitet. Nach unserer Rückkehr in die Schwalm, haben wir in einem Hotel in der Schwalm gearbeitet, bis wir letztlich bei der Familie Rühl arbeiteten und das Hotel nach einem Jahr übernahmen.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Nach einer zweijährigen Planung und der Mitarbeit im Hotel Landgraf, seit November 2019, unter der Leitung der Familie Rühl, haben wir uns dazu entschieden, das traditionelle Haus zu übernehmen und es zu unserem Hotel und Restaurant zu machen. Der Auslöser dafür war, zum einen das tolle Gefühl zu haben, selbstständig zu sein, zum anderen das Gefühl zu haben, sein eigener Chef sein zu können, aber auch von sich behaupten zu können, dass man als Frau in unserem Alter, ein eigenes und erfolgreiches Unternehmen führt und besitzt. Ein weiterer Grund war, dass wir zeigen wollten, dass wir vor allem für die jüngere Generation attraktive Arbeitgeber sind und man bei uns mit einer Zukunftssicherheit arbeitet.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Zu Beginn unserer zweijährigen Planung haben wir uns von vielen Dienstleistern beraten lassen, jedoch haben uns nicht alle weiterhelfen können. Wir hatten bestimmte Vorstellungen wie das Restaurant aussehen soll, aber auch Erwartungen die leider nicht von allen unserer Berater erfüllt werden konnten. Wir haben das Hotel am Ende aus allen unseren bisherigen Erfahrungen unseres Berufslebens geplant. Zurückblickend auf diesen Zeitraum, war dies ein großes Risiko, was uns zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt bewusst war. Jedoch können wir sagen, dass es eine gute Entscheidung war, das Hotel auf unsere Art und Weise zu planen, da es so wie es jetzt ist, genau unseren Erwartungen und Vorstellungen entspricht.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Die größte Herausforderung für uns war, nie aufzugeben um unseren Traum zu verwirklichen. Nachdem wir im Oktober 2019 das Hotel von der Familie Rühl übernahmen und es direkt schließen mussten sah die Lage für uns leider Ziemlich ausweglos aus. Wir mussten unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder sogar entlassen, was uns viel Überwindung gekostet hat. Nachdem wir das Erdgeschoss des Hotels, vom Oktober 2019 bis in den November 2019 umbauten, konnten wir endlich wieder nach vorn schauen. Ein weiteres Hindernis war und ist leider immer noch der Covid-19 Virus, der uns heute noch viele unserer Kunden nimmt und uns das Führen des Hotels erheblich erschwert. Im Mai 2020 konnten wir das Restaurant wieder eröffnen und unsere Mitarbeiter zum Größten Teil wieder einstellen und die Kurzarbeit für unsere Mitarbeiter beenden.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Wir, als Hotel und Restaurant haben keine direkte Vermarktungsidee. Unser Hauptvermarktung liegt darin, uns, unser Hotel und unsere Speisen zu vermarkten. Werbung für unsere Unternehmen machen wir über diverse soziale Netzwerke, unter anderem über Facebook und Instagram. Wir posten regelmäßig besondere Angebote für unsere Gäste, bezüglich des Hotelbetriebs oder bezüglich unseres Restaurants. Werbung für den Hotelbetrieb machen wir über Booking.com, über soziale Netzwerke und über unsere Internetseite. Eine weitere Vermarktungsidee ist, dass wir besondere Themenabende planen und durchführen, eine besondere Angebotswoche durchführen oder Tages-Specials anbieten. Einer unserer gelungen Themenabende fand am 24.09.2020 statt. An diesem Abend gab es ein 4-Gang-Menü angelehnt an ein Sushi-Menü. Durch solche Abende oder Menüs hoffen wir auf eine positive Mundpropaganda durch unsere Kunden.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Die Verschönerungsarbeiten begannen in der Scheune. Daraufhin folgte der Umbau im Eingangsbereich und in unserem Blauen Salon (Frühstücksraum), damit wir pünktlich zum 01.11.2019 eröffnen konnten. Während der Planung haben wir uns bei verschiedenen Firmen und Anbietern Angebote zu diversen Geräten und Dienstleistungen eingeholt. Bei der Planung mussten wir natürlich überlegen, welche finanziellen und liquiden Mittel haben wir? Daraus konnten wir uns ein Eigenkapital bilden und wussten, wie viel Fremdkapital wir für den Um- und Aufbau benötigen. Anschließend haben wir uns bei verschiedenen Banken beraten lassen und uns bei der Bank, die uns am besten beraten hat und uns am meisten in Sicherheit wog, das benötigte Fremdkapital bereitstellen lassen.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Eines unserer Ziele ist es, ein Hotel an einem zweiten Standort zu eröffnen, um noch weitere Arbeits- und Ausbildungsplätzte für motivierte und ebenso junge Menschen zu schaffen und diese für die Zukunft zu erhalten, da es uns am Herzen liegt, dass unser Unternehmen weitergeführt wird. Dabei ist uns aber auch wichtig, dass die Gastronomie- und Hotellerie Branche weiterhin bereichert wird und nicht ausstirbt. Der Ansporn dafür ist, dass man leider immer öfter sieht, dass die ländlichen Hotels und Restaurants schließen müssen, da sie nicht den gleichen Ansturm von Gästen haben wie ein städtisches Restaurant oder Hotel. Grund dafür ist, dass die Gaststätten nicht mit der Zeit gehen, sondern sich auf das Motto „Wir haben das schon immer so gemacht“ versteifen. Dabei liegt unser Hauptaugenmerkmal darauf, immer mit der Zeit zu gehen und trotz dem Risiko der Schließung zu investieren.

Was ist Ihr besonderer Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Unser Tipp für andere Gründerinnen ist folgender: Lassen Sie sich bitte nicht, nur weil Sie eine Frau sind, einschüchtern oder als dumm abstempeln. Wenn sie in dieser Situation sein sollten, fragen Sie sich bitte selber, wer Ihre Idee und Ihr Stand-Up-Unternehmen bis ins kleinste Detail geplant hat und wer eine genaue Vorstellung wie es werden soll hat. Nur weil Ihnen ein Mann gegenübersitzt, heißt es nicht, dass er mehr weiß als Sie es tun. Wenn Sie Ihre Idee genau im Fokus haben und wissen was Sie wollen, können Sie Ihrem gegenüber zeigen, dass Sie nicht nur eine Frau sind, sondern dazu stark, selbstbewusst und sogar schlauer sind, denn wenn Ihr gegenüber wirklich schlauer wäre, würde er Sie nicht für dumm verkaufen wollen.

Hier geht es direkt zur Homepage: www.hotel-landgraf.com

Gründerinnen Annemarie Kitz und Julia Obst sind Bewerberinnen des #hgp20.

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