Gründerinnen im Porträt

Fantasiehund: Der unsichtbare Hund für zuhause

Der Fantasiehund ist ein unsichtbarer Hund in einer Box mit allem, was dazugehört. Jeder Fantasiehund spendet einen Beitrag an eine Hundeorganisation, die echten Hunden in Not hilft. Mit ihrem kreativen Unternehmen will Anemone Zeim über das Hund-Mensch-Miteinander aufklären und aufmerksam machen, dass mit einem Hund eine Persönlichkeit ins Haus kommt, kein Stofftier.

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?

Fantasiehund ist ein kreatives Unternehmen. Wir verkaufen Kreativität in Form eines Produkts, einem unsichtbaren Hund mitsamt viel Humor und coolem, echten Starterkit für alle, die sich einen Hund wünschen, aber keinen haben dürfen. Aber eigentlich machen wir noch mehr: Fantasiehund erlaubt Menschen, ihre eigene Kreativität und Fantasie wertzuschätzen und weiterzuentwickeln. Außerdem unterstützen wir durch den Produktverkauf Organisationen, die sich ehrenamtlich um Hunde in Not kümmern. Und wir klären mit viel Witz aber ohne Zeigefinger darüber auf, dass ein Hund immer auch eine Persönlichkeit ist, kein Stofftier.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Ein grundsätzlicher Erfolg ist die Begeisterung, die der Fantasiehund bei den Menschen auslöst, die damit in Berührung kommen. Beruflich war es schon ein Erfolg, dass der Fantasiehund vom TV-Hundetrainer Martin Rütter Ende 2017 in der Sendung „Mein Hundejahr“ in einem extra Einspieler vorgestellt, sehr gelobt und dann an die bekennende Katzenfanin Mirja Boes verschenkt wurde. Und natürlich aktuell meine Nominierung als Kultur- und Kreativpilotin Deutschlands des U-Instituts.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Ich bin Diplom-Designerin (Kommunikationsdesign) und ausgebildete Werbetexterin. 2014 habe ich Vergiss Mein Nie gegründet, eine kreative Trauerberatung und Erinnerungswerkstatt. Schon 2007, als junge Werbetexterin in Hamburg angekommen, hatte ich meinen ersten Fantasiehund. 2017 habe ich dann die Idee im Kopf fertigentwickelt, wie ich den Fantasiehund zum Leben erwecken kann. Ich bin außerdem Coach und Trauerbegleiterin, kreative Unternehmerin.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Der Freiheitsgedanke, die Lust auf Abenteuer und der große Wunsch, die Welt mitgestalten zu können, zu den Arbeitszeiten und den Bedingungen, wie ich sie mir wünsche. Festanstellungen haben in mir immer den Eindruck von Käfighaltung erweckt, insbesondere im kreativen Bereich. Die „artgerechte“ Haltung von meinen Mitarbeiter*innen und mir ist übrigens auch wichtiges Thema in meinen Unternehmungen.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Das Interessante ist ja, wenn man sich mal traut, mit einer Businessidee rauszugehen, findet man ungeahnte Hilfe, Menschen, die an die Idee glauben, wenn man gerade mal zweifelt (Was als Kreativer sehr oft passiert.) Dann kann man sich kurz entspannen und Kraft schöpfen. Geholfen hat mir die Aufmerksamkeit durch Hundetrainer Martin Rütter sehr, aber auch die Leute in meinem Backend wie Steuerberater, Ehemänner, Freunde, die ihre Zeit, Talent und Gehirnkapazitäten gerne zur Verfügung gestellt haben. Die Nominierung als Kultur- und Kreativpilotin hat mich sehr inspiriert, alleine die Hilfestellungen, Feedbacks und Ideen in den Auswahlgesprächen haben mich und Fantasiehund stark inspiriert.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Die Produktentwicklung und das Gleichgewicht zwischen Unternehmerischen- und Charity-Gedanken. Wie kann man beidem gerecht werden? (Dieser Entwicklungsprozess läuft bis heute). Und der Bestelloverkill um Weihnachten bringt mich und das ganze Rudel in den Wahnsinn. Es ist immer alles sehr knapp und aufregend, weil es ja bei Weihnachtsgeschenken, gerade für Kinder, echt um was geht.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Ich habe eine sehr gute freie PR-Agentin, die immer wieder mit dem Fantasiehund loszieht und auf Begeisterung trifft. Außerdem wird jetzt im Herbst wieder mehr auf den sozialen Medien passieren.

Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Bisher tatsächlich der „Second Hund“. Das sind die Fantasiehunde, die Retour gekommen sind. Sie sind schon fertig ausgedacht, aber auf ihre Weise, nun ja, etwas traumatisiert. Tobi zum Beispiel ist mehrere Tage bei DHL auf dem Band gekreiselt und hat nun ein leichtes Alkoholproblem, kriegt das mit Aquarellmalerei aber ganz gut in den Griff. Diese Fantasiehunde sorgen für viel Interaktion und Kommunikation zwischen den Besuchern und mir.
Außerdem haben wir fiktive Jobangebote auf der Seite, zB der „Tatzenkrauler*in“ oder „Wedelcoach“. Große Jobwebseiten wie Indeen crawlen nach bestimmten Schlagwörtern, die wir natürlich auch verwenden. So sind die Jobangebote auf Trafficintensiven Seiten gespiegelt worden, das hat natürlich ganz schön neugierige Kunden auf unsere Webseite gebracht.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Ich habe klassisches Bootstrapping betrieben und eine strukturierten Machbarkeitsplan sukzessive umgesetzt. Jeder Verkaufserfolg schaltet ein neues Level an Marketing oder Produktentwicklungsmöglichkeiten frei. Außerdem habe ich vieles selbst umsetzen können, also Biomasse und Humankapital investiert.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Mein Traum ist, meine zwei Unternehmen Fantasiehund und Vergiss Mein Nie gut erwachsen zu kriegen und dadurch Kreativkultur zu gestalten, Kreativität aus der Talent-Nische der Kunst herausholen und als Kulturgut integrieren. Für mich sollte Kreativität im Sinne von Erfindungsgeist ein Schulfach sein, eine staatlich geförderte Gesundheitsleistung, eine Selbstverständlichkeit im Alltag. Außerdem wäre es gut, wenn jeder Haushalt mindestens einen Fantasiehund hätte. Und ich würde gerne inmitten einer Herde Alpakas im Wald wohnen – aber das ist ein anderer Traum.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Einfach machen. Wenn man sich in eine Idee verliebt, dann muss man sie machen. Es gibt hunderttausend Wege, eine Idee zum Business zu machen, zu monetarisieren. Viele davon wurden noch nicht mal ausgedacht. Ich würde immer dazu raten, groß zu denken, aber nicht in eine Schablonenhaftigkeit zu verfallen. Und nicht zu früh zu viele Menschen um ihre Meinung fragen. Meine Ideen fanden alle immer nett, aber nicht umsetzbar. Und jetzt habe ich zwei kreative Unternehmen und dieselben Menschen stellen fest, dass sie sich geirrt haben. Gleichzeitig, und das ist wichtig: Darf man das eigene Unternehmen nicht zu persönlich nehmen. Denn dann wird es Familie und von Familie kann man sich schwer freinehmen. Gründen ist großartig und schrecklich zugleich. Das muss man wissen, dann wird alles gut.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage von Fantasiehund

Das Projekt Fantasiehund ist für die Kultur- und Kreativpiloten 2020 nominiert.

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