Gründerinnen im Porträt

foodable: Ein digitaler Ernährungsberater

Sarah Pohle, Foto Florian Beier (marekbeier.de)

Sarah Pohle hat gemeinsam mit zwei Kommilitonen foodable gegründet, einen digitalen Ernährungsberater und Einkaufsassistenten, den man sich per App aufs Handy laden kann.

Frau Pohle, was ist die Besonderheit Ihrer Firma?

Auf Produktseite gehen wir einfach ein paar Schritte weiter als die meisten bekannten Ernährungsangebote. Wir bieten nicht nur leckere und gesunde Rezepte, sondern präsentieren dem Nutzer zu ihm passenden Vorschläge und generieren individualisierte Ernährungspläne. Schließlich sind die Rezepte mit dem Angevot der Supermärkte verbunden, sodass alles direkt online bestellt werden kann.

Insgesamt brechen wir damit zur Digitalisierung von Ernährung auf. Unsere digitale DNA macht sich auch in der Unternehmensorganisation bemerkbar: Wir arbeiten von Anfang an vollständig remote. Als Team zeichnet uns ansonsten sicher noch aus, dass jeder die Probleme, die wir lösen wollen aus eigener Erfahrung kennt und daraus auch Motivation zieht.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Bei foodable habe ich eine Marketing-Strategie aufgebaut, strategische Partnerschaften angestoßen und Mentoren sowie andere Unterstützer gewonnen. Ich habe darüber hinaus die rechtlichen Aspekte der Gründung vorbreitetet und mit Anwälten unsere Verträge aufgesetzt. Zusammen mit zwei Kommilitonen habe ich eine GmbH gegründet, in der wir Geschäftsführer sind. Diese Faktoren sind für mich ziemlich beeindruckend, vor allem mit der Perspektive, dass ich erst vor einem halben Jahr die Uni abgeschlossen habe.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Ich habe mehrere Praktika gemacht zwischen Abitur, Bachelor und Master. Zunächst in Konzernen und dann habe ich festgestellt, dass die Startup-Welt einfach besser zu mir passt.  Auch, weil es mir Spaß macht Verantwortung zu übernehmen. Und davon gab es immer mehr als genug in Startups. Gegründet habe ich dann direkt nach meinem Master an der WHU – ich habe also bisher nur Praktika und Werkstudentenstellen gehabt.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Aufgrund meiner Erfahrungen in Start-ups konnte ich mir sehr gut vorstellen, zu gründen und hatte eine ungefähre Idee. Der tatsächliche Auslöser war dann, meine beiden Mitgründer kennenzulernen, die eine ähnliche Idee hatten und unbedingt gründen wollten. Alleine hätte ich diesen Schritt zumindest nicht direkt nach meinem Studium gemacht. Zusammen haben wir allerdings ein gutes Team ergeben und wollten die Chance nutzen.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Meine Eltern hatten beide selbst eine Zeit lang ein eigenes Unternehmen, mit den beiden habe ich viel gesprochen. Außerdem habe ich viel mit anderen Gründern gesprochen und wir haben als Team mehrere Mentoren gewonnen: Gerade Menschen, die schon gegründet haben und große Teams leiten. Zum Beispiel Mareile Wölwer, die Gründerin von vetevo, die immer sehr hilfsbereit war. Zusätzlich haben wir eine Ernährungsberaterin an Board, die uns inhaltlich zur Seite steht.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Eine der größten Herausforderungen beim Gründen ist denke ich, diesen ersten Schritt zu gehen. Denn für dafür muss man sich so sicher sein, dass es das richtige für einen selbst ist, dass man andere Sachen herunterpriorisiert. Für mich ist der erste Schritt stark mit der Bewerbung für das Exist-Stipendium verbunden. Wir haben diese Bewerbung neben unseren Abschlussarbeiten geschrieben, was mit viel Kaffee und wenig Schlaf verbunden war. Um glaubhaft als Mitgründerin zu sein, die nicht nur so lange dabei ist, bis es etwas Besseres gibt, hatte ich auch keine ernsthaften Alternativoptionen aufgebaut. Also keine Bewerbungen geschrieben. Die Unsicherheit vielleicht bald ganz ohne etwas dazustehen hat mich durchaus ein paar Nerven gekostet. Insgesamt hat sich der Fokus hier aber gelohnt: sowohl meine Abschlussarbeit als auch die Exist-Bewerbung haben sehr gute Ergebnisse gebracht.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Unser Produkt ist noch nicht live aber wir fangen gerade an Aufmerksamkeit zu generieren, hauptsächlich mit Social Media und PR. Sobald unser Produkt testreif ist werden wir dann intensiver verschiedene Kanäle bespielen. Dafür bereiten wir aktuell noch einen Content-Puffer vor. Jeder kann sich übrigens auf foodable.de für unseren Newsletter anmelden und dann die App testen!

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Aktuell werden wir vom Exist Gründerstipendium finanziert. Als Team mit drei Mitgliedern hat das Stipendium für uns einen Umfang von gut 140.000€. Dadurch können wir bis Herbst 2020 Vollzeit an unserem Vorhaben arbeiten.   Anschließend werden wir dann unsere nächste Investitionsrunde starten, um die weitere Entwicklung und Vermarktung zu finanzieren.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Ich würde foodable gerne zu dem digitalen Ernährungsberater machen, für alle Leute, die Probleme mit Essen haben. Ob das Krankheiten sind, die von einer Ernährungsumstellung profitieren können oder einfach die Tatsache, dass viele Leute heutzutage nicht genug Zeit haben, sich mit gesunder Ernährung zu beschäftigen – besonders wenn sie nicht mit dem Wissen aufgewachsen sind. Ich möchte, dass foodable es jedem ermöglicht, sich gesund und lecker zu ernähren – und zwar genauso wie diese Person das möchte: mit Vorlieben, Diätpräferenzen und allem was dazu gehört. Und dann international expandieren.

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Do it! Mach dir natürlich Gedanken darüber, mache einen Business Plan, überlege ob es realistisch ist und wie du dir die Sache finanzieren kannst. Mit jedem Schritt, den du gehst, wird der nächste Schritt klarer und einfacher. Für mich persönlich war es absolut die richtige Entscheidung, auch wenn ich mir vorher nicht sicher war, ob ich mich trauen würde überhaupt zu gründen, geschweige denn frisch aus der Uni.

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