Gründerinnen im Porträt

KidsCircle: Digitale Kinderbetreuung

KidsCircle.io ist ein Anbieter von flexiblen, digitalen Betreuungslösungen für Kinder ab 4 Jahren. Gegründet wurde das Startup von Sabine Wildemann. Das KidsCircle-Konzept ist darauf ausgerichtet, Kindern einen Kreis an Möglichkeiten zum Erfahren anzubieten. Damit hat die Berliner Startup-Gründerin den Recognition Award 2021 des Female Innovation Forums gewonnen.

Was ist die Besonderheit Ihres Start-ups?

Wir haben mit KidsCircle ein innovatives Betreuungsangebot für Kinder im digitalen Raum geschaffen. Bei uns treffen sich die Kids in kleinen Gruppen und werden von online-erfahrenen Betreuungspersonen – unseren Kids-Coaches – per Videolösung liebevoll betreut. Sie animieren die Kids zum Basteln, Experimentieren, Zaubern, Tanzen, Vorlesen und allerlei mehr und haben viel Zeit für Gespräche. Als qualitative Alternative zu TV und Streaming unterstützen wir damit Eltern bis zu zwei Stunden täglich im häuslichen Bereich. Unternehmen nutzen unser Angebot, um ihren Mitarbeitenden mit Kindern mittels unserer Lösung weitere Unterstützung zu geben.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Ich zähle mich zu den Vollblut-Selbstständigen. Zum ersten Mal war ich bereits mit 18 Jahren selbstständig, habe Konzerte veranstaltet und war als Merchandiser unterwegs. Danach folgten 10 Jahre bei Siemens/Infineon. Nach einer Standortschließung hat es mich wieder in die Selbstständigkeit gezogen und ich war viele Jahre in der Filmbranche tätig und zuletzt als Interim-Managerin im Bereich Marketing Kommunikation und Change Management.
Seit Februar 2020 bestimmt unser Startup KidsCircle mein Leben, das ich zusammen mit meinem Co-Founder Felix Kosel führe.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Als ich schwanger wurde, hatte ich das Glück, einen sehr visionären Arbeitgeber zu haben. Mein Chef arrangierte für mich damals einen der ersten Telearbeitsplätze – im Jahr 2001 etwas ganz Außergewöhnliches – sodass ich recht kurz nach der Geburt meines Sohnes wieder arbeiten und trotzdem bei ihm sein konnte. Diese Form von Unterstützung erhalten leider wenige. Die Zahlen zeigen deutlich, dass heutzutage Care-Arbeit immer noch mehrheitlich von den Frauen übernommen wird. Viele finden deshalb erst nach Jahren wieder zurück in den Job, die meisten sind bis zum Grundschulalter der Kids nur in Teilzeit tätig. Die Teilzeiterwerbsquote der Mütter mit Kindern unter sechs Jahren lag im Jahr 2019 bei 72,6 % und bei den Vätern bei 6,9 %… (Gern hier nachzulesen)

Viele Mütter wollen aber gern wieder (mehr) arbeiten. Auf der anderen Seite sind da die Unternehmen, die im Zuge des demografischen Wandels und Fachkräftengpasses nach Lösungen für ihre Mitarbeitenden suchen. Mütter stellen hier ein nicht gehobenes Potenzial an Arbeitskräften dar, das es zu heben gilt. Um auf dem Arbeitsmarkt mehr Chancengleichheit zu schaffen, haben wir mit KidsCircle einen flexiblen Lösungsbaustein für Unternehmen UND die Eltern entwickelt.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Unser wichtigster Mentor war im ersten Jahr Myke Näf, der Gründer von doodle und Managing Partner von Übermorgen Ventures. Seit Mai 2021 haben wir das große Glück, mit fünf wunderbaren Business Angels arbeiten zu dürfen: Nicole Herzog (Co-Founder Haufe-umantis), Dr. Carole Ackermann (Präsidentin Hotelfachschule Lausanne), Daniela Hinrichs (ehemals XING) und Corinne Rohner (Verwaltungsrätin Activa Holding) und Phyllis Studerus (btov Partners). Der Austausch mit diesen erfahrenen Frauen ist Gold wert.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Ich erinnere mich sehr gut an ein paar intensive und hoch emotionale Tage in den 90-ern. Ich war zu der Zeit Veranstalterin und hatte ein Festival an einem Karfreitag organisiert. Wir erwarteten 1000 Gäste in einem Club in Berlin; alles war angemeldet und ordentlich vorbereitet. Zwei Tage zuvor erhielt ich vom Ordnungsamt die Mitteilung, dass an diesem Feiertag „nicht getanzt” werden dürfe und die Veranstaltung deshalb nicht stattfinden kann. Ich war noch nicht mal 20 und unerfahren, was gesetzliche Regelungen und deutsche Bürokratie betraf. Meine Rettung war ein Telefonat mit einem erfahrenen Konzertveranstalter, der mir entscheidende Tipps gab.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam?

Unser Angebot richtet sich vorrangig an Unternehmen und Veranstalter:innen von digitalen Events, die ihren Mitarbeitenden bzw. Teilnehmenden mit Kindern unseren Service als Unterstützung anbieten. Daher sind wir in Verbänden wie dem BitKom, dem media:net berlinbrandenburg, dem eco oder auch im Netzwerk ‘Erfolgsfaktor Familie‘ des Bundesfamilienministeriums vertreten. Natürlich nutzen wir auch die klassischen Social-Media-Kanäle wie Linkedin, Xing, Instagram und Facebook, geben Interviews in Podcasts oder beteiligen uns als Speaker an Events.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Das erste Jahr habe ich aus eigener Tasche und über Darlehen von Freunden finanziert. Wir hatten leider viel Pech, was öffentliche Fördergelder betrifft – wir waren zu klein, zu jung oder wiederum zu alt. Umso wichtiger ist für uns, dass wir im Juni 2021 unsere erste Finanzierungsrunde abschließen konnten. Für die Zukunft sind weitere Investitionen wie ein Gründungsbonus der IBB, mit dem Startups in der Gründungsphase unterstützt werden, und eine zweite Finanzierungsrunde in 2022 geplant.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Aus Unternehmenssicht wünsche ich mir, dass KidsCircle zum Standardangebot für Mitarbeitende mit Kindern in Unternehmen wird. Vereinbarkeit von Beruf und Familie darf nicht nur gedacht, sondern muss gelebt werden – wir alle können unseren Teil dazu beitragen. Mein Co-Founder Felix Kosel und ich arbeiten darauf hin, dass wir bis in fünf Jahren ein wirtschaftlich nachhaltiges Unternehmen aufgebaut haben werden, mit dem wir Kindern eine gute Zeit und Inspiration schenken und einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit von Frauen leisten.
Privat ist da eine große Sehnsucht nach einem Leben auf dem Land in den Bergen. Mal sehen, ob das noch klappt.;-)

Ihr Tipp: Was würden Sie anderen Gründerinnen empfehlen?

Meine wichtigsten Lessons learned der letzten zwei Jahre sind:
1. Fokus setzen und halten
2. So früh wie möglich mit potentiellen Kunden in den Austausch kommen und iterieren
3. Ein:e Mentor:in ist Gold wert

Als sich im März 2020 die ersten Pandemie-Zeichen zeigten, mussten wir bei KidsCircle Vieles über Bord werfen und kurzfristig einen neuen Weg einschlagen. Das funktioniert nur, wenn man den Mut findet und agil agiert.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

Hier geht es direkt zur Homepage von KidsCircle.

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