„Jetzt bin ich dran“ – Mit der Encore-Karriere in einen neuen Lebensabschnitt starten
Von Carolin Schäufele, SHE works!
Mitten im Leben noch einmal ganz neu beginnen? Für viele Frauen ab 50 ist das kein Hirngespinst, sondern eine bewusste und überlegte Entscheidung. Nach Jahrzehnten im Beruf – oft kombiniert mit familiären Verpflichtungen – entsteht der Wunsch, etwas Eigenes zu gestalten. Dr. Karin von Schumann, Business- und Karrierecoachin und Psychologin, begleitet Frauen genau auf diesem Weg. Ihr Ansatz: die Encore-Karriere – ein zweiter, selbstbestimmter Berufsabschnitt, der nicht nur den Lebensunterhalt sichert, sondern auch Erfüllung bringt.
„Es ist die Zeit, sich selbst zur Priorität zu machen“, sagt sie im Gespräch mit SHE works!. „Viele Frauen haben über Jahre Erwartungen erfüllt, die ihrer Familie, ihrer Vorgesetzten, der Gesellschaft. Und dann ist er da, der Moment, die eigenen Wünsche und Ziele in den Mittelpunkt zu stellen.“
Dr. Karin von Schumann ist promovierte Psychologin, Business- und Karrierecoachin mit über 20 Jahren Erfahrung in der Beratung von Fach- und Führungskräften in Konzernen und internationalen Beratungsfirmen. Nach Stationen in der Wirtschaft und einem eigenen Beratungsunternehmen arbeitet sie heute selbstständig – mit einem besonderen Fokus auf Frauen in der Lebensmitte. Ihr Ansatz: Mit dem Konzept der Encore-Karriere unterstützt sie Frauen ab 50 dabei, den zweiten Berufsabschnitt bewusst zu gestalten. Das Ziel: einen selbstbestimmten, sinnstiftenden und erfüllenden Weg zu finden, der zu den eigenen Stärken, Werten und Lebensumständen passt. Typische Themen im Coaching: Neuorientierung nach beruflicher oder familiärer Auszeit Entwicklung einer klaren beruflichen Vision Selbstbewusstes Positionieren und Vermarkten der eigenen Stärken Überwinden von Blockaden wie Perfektionismus oder Sicherheitsdenken.
Warum Frauen neu anfangen
Die Motivationen für einen Neuanfang sind vielfältig. Da sind zum Beispiel die Frauen, die in ihrem aktuellen Job keine Zukunft mehr sehen – nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Sie suchen nach Möglichkeiten, etwas mit Leidenschaft zu tun. Andere fühlen sich in ihrem Unternehmen nicht mehr wertgeschätzt, werden übergangen oder erleben, dass ihre Entwicklungsmöglichkeiten auslaufen. Und dann gibt es jene, die ihre Karriere zugunsten der Familie zurückgestellt haben. Gut ausgebildet, erfahren und kompetent, aber lange unsichtbar im Arbeitsmarkt, wollen sie ihre berufliche Energie wieder freisetzen.
Was die Encore-Karriere besonders macht
Der Begriff Encore Career kommt aus den USA und heißt übersetzt „Zugabe“. Für Dr. von Schumann ist das ein stimmiges Bild: „Die erste Karriere ist die Hauptvorstellung. Man hat Leistung gebracht, Applaus bekommen – und jetzt kommt die Zugabe. Dieses Mal wählt man selbst, was auf die Bühne kommt.“ Anders als im ersten Berufsabschnitt geht es nicht mehr um das ständige Höher, Schneller, Weiter. Stattdessen steht im Vordergrund, was Sinn macht, Freude bereitet und zur eigenen Lebenssituation passt.
Frauen zwischen 50 und 70 sind heute in der Regel gesund, aktiv und hoch qualifiziert. Sie gehören zu einer Generation, die im Vergleich zu den Müttern oder Großmüttern nicht nur länger lebt, sondern auch deutlich vitaler ist – und die den beruflichen Ruhestand nicht als stilles Auslaufen betrachtet, sondern als Möglichkeit, noch einmal etwas Neues zu gestalten.
Der Weg beginnt im Inneren
„Bevor eine Frau nach außen geht, muss sie im Inneren klar haben, was sie will“, sagt von Schumann. In ihren Coachings steht deshalb die Selbstreflexion am Anfang. Fragen wie Was will ich wirklich? oder Welche Stärken habe ich? wirken simpel, sind aber entscheidend. Häufig kommen dabei verschüttete Träume wieder ans Licht: der Wunsch, etwas Kreatives zu tun, ein soziales Projekt zu starten oder Wissen an die nächste Generation weiterzugeben.
Dr. von Schumann arbeitet gern mit kreativen Methoden. Eine ihrer Lieblingsfragen lautet: „Was würdest du tun, wenn alles möglich wäre“. Solche Perspektivwechsel helfen, den Blick zu öffnen und über bisherige Begrenzungen hinauszudenken.
Sichtbar werden mit Encore-Karriere – und den eigenen Wert kennen
Wenn die innere Klarheit da ist, beginnt der Schritt nach außen. Dabei geht es um mehr als Bewerbungen. Frauen sollen lernen, ihr berufliches Profil selbstbewusst zu präsentieren – ob bei Veranstaltungen, im persönlichen Gespräch oder in sozialen Netzwerken. Von Schumann beobachtet allerdings immer wieder ein Muster: „Viele bieten ihre Leistung zunächst kostenlos oder zu niedrigem Preis an, um Fuß zu fassen. Doch was nichts kostet, wird selten wertgeschätzt. Es ist wichtig, die eigene Kompetenz ernst zu nehmen.“
Typische Stolpersteine
Der Weg in die Encore-Karriere ist nicht frei von Hürden. Oft sind es innere Blockaden, die bremsen. Sicherheitsdenken kann dazu führen, dass Chancen ungenutzt bleiben. Perfektionismus sorgt dafür, dass Ideen in der Schublade landen, weil sie vermeintlich noch nicht ausgereift sind. Hinzu kommt die Selbstunterschätzung – viele Frauen sehen eher, was ihnen fehlt, statt das zu würdigen, was sie mitbringen. „Ich erlebe oft, dass Frauen ein fehlendes Puzzleteil überbewerten und dabei übersehen, dass sie 99 andere Bausteine lä
Netzwerke und Unterstützung
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der Austausch mit anderen. Wer sich kein Coaching leisten kann oder will, sollte sich einem Netzwerk anschließen. „Der Blick von außen ist unbezahlbar – und manchmal reicht schon der Satz einer Gleichgesinnten, um neue Energie freizusetzen“, so von Schumann. Netzwerke können groß sein, wie in Business-Clubs oder Verbänden, oder klein, wie eine Handvoll Frauen aus dem gleichen Ort, die sich regelmäßig treffen. Entscheidend ist, sich gegenseitig zu inspirieren, zu ermutigen und Wissen zu teilen.
„Dafür lohnt es sich, noch einmal loszugehen“
Für Dr. Karin von Schumann ist klar: Die Encore-Karriere ist kein Trostpreis, sondern eine echte Chance, die kommenden Jahre aktiv und erfüllt zu gestalten. „Du hast niemandem mehr etwas zu beweisen. Jetzt ist die Zeit, dich ernst zu nehmen – und dafür lohnt es sich, noch einmal loszugehen.“
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