Kinder & Co.

Vollzeitmama und Führungskraft – so gelingt Michaela Tiedemann der Spagat

Kind oder Karriere – diese Frage stellt sich auch heute noch für viele Frauen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor eine große Herausforderung ist und Arbeitnehmer sich entscheiden müssen: Gezielt Karriere machen oder Zeit für die Familie? Während viele große Unternehmen mittlerweile Konzepte entwickelt haben, um die Vereinbarkeit von Job und Kind so einfach wie möglich zu machen, haben Start-ups hier oft noch keine Erfahrungswerte.

Entweder-Oder stand bei Michaela nicht zur Debatte

Diese Erfahrung musste auch Michaela Tiedemann machen. Die heute 33-Jährige ist seit den jungen Start-up-Tagen der Alexander Thamm GmbH mit im Team. Als Chief Marketing Officer war sie maßgeblich an der Entwicklung des Unternehmens beteiligt. Als sie eine eigene Familie gründen wollte und schwanger wurde, überlegt sie, wie sich dieser neue Lebensabschnitt mit ihrer Karriere vereinen lässt. Eine berechtigte Frage, denn Michaela bildete im noch jungen Unternehmen einen Präzedenzfall: Sie war die erste Mitarbeiterin, die in Elternzeit ging. „Im Gegensatz zu den großen Konzernen, bei denen bei Schwangerschaften alles geregelt und durchgeplant ist, konnten wir in der Firma auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen“, sagt sie. Doch ein Entweder-Oder kam für sie nicht in Frage – sie wollte ihre Führungsrolle nicht an den Nagel hängen und zeigen, dass beides möglich ist.

Schon während ihrer Schwangerschaft machte sie sich deshalb Gedanken, wie sie ihren Job mit der Familienplanung vereinen kann. Dabei ist ihr Chef Alexander Thamm eine große Hilfe. Der Gründer der gleichnamigen Firma fragte direkt, wie sie sich die Kombination aus Job und Familie vorstellen kann. „Er war total offen für meine Vorschläge – also haben wir es einfach probiert“, sagt Michaela. Während ihrer sechsmonatigen Elternzeit blieb Michaela über das Intranet und der Teilnahme an wichtigen Meetings wie dem jährlichen Strategiemeeting auf dem Laufenden. Danach kehrte sie in Teilzeit zurück in das Unternehmen. An drei Tagen pro Woche, davon zwei im Homeoffice, hat sie das Steuer der Marketingabteilung wieder fest in der Hand.

Koordination des Teams und der Familie

Damit alles reibungslos funktioniert, waren dennoch einige Anpassungen notwendig. Selbstmanagement und Priorisieren sind für die Marketingleiterin noch wichtiger geworden – sowohl beruflich als auch privat. Denn nur so können Abstimmungen im Team und auch mit ihrem Ehemann funktionieren, zum Beispiel in Hinblick auf Abholzeiten, Geschäftsreisen und Meetings. Zuvor war es Michaela gewohnt, abends Meetings zu haben oder aufgrund von Workshops in Hotels zu übernachten. Kleinigkeiten, die mit einem Kind zuhause plötzlich nicht mehr möglich waren – denn ob Tagesmutter oder Kita, die Arbeitszeiten müssen mit der Unterstützung von außen vereinbar sein. „Ich musste wirklich lernen, auch mal nein zu sagen“, erzählt Michaela. Denn nicht nur für sie, auch für ihre Kollegen waren die neuen Einschränkungen ihres CMOs eine Umstellung.

Aus dem operativen Marketing hat sich die junge Mutter fast vollständig zurückgezogen und konzentriert sich stattdessen auf die strategische Planung. Das funktioniert für sie auch aus dem Homeoffice gut. „Die große Flexibilität und die Möglichkeit zum Homeoffice stellen sicher, dass Familie und Job vereinbar bleiben“, sagt sie. „Besonders toll ist, dass ich meine Vor-Ort-Tage unkompliziert tauschen oder meine Arbeitszeiten gegebenenfalls verschieben oder anpassen kann.“ Damit alle Hindernisse, denen Michaela gegenüberstand, für künftige junge Eltern aus dem Weg geräumt sind, hat das Unternehmen das Programm „AT Loves Families“ gestartet. Es bindet Familien und junge Eltern wie Michaela Tiedemann aktiv mit ein und erkundigt sich, wo Unterstützung notwendig ist, und welche Möglichkeiten es gibt, um für den individuellen Mitarbeiter Kind und Karriere vereinbar zu machen. Das Ziel ist sicherzustellen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich ist.

Mehr Infos: www.alexanderthamm.com

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