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FidAR WoB-Index: „Vorstandsquote konsequente Antwort auf Zielgröße Null“

Die Große Koalition hat sich inzwischen in einer Arbeitsgruppe auf die Einführung verbindlicher Vorgaben für mehr Frauen in Vorständen verständigt. In Vorständen börsennotierter und voll mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern muss künftig mindestens eine Frau vertreten sein. Zudem wird für Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligung des Bundes eine Aufsichtsratsquote von 30 Prozent und eine Mindestbeteiligung in Vorständen eingeführt.

Dass die Beschlüsse dringend notwendig sind, zeigt der zum 31.10.2020 aktualisierte Women-on-Board-Index von FidAR: Denn die DAX-Unternehmen treten bei der Entwicklung des Frauenanteils in Aufsichtsräten und Vorständen weiterhin fast auf der Stelle. Sechs Jahre nach dem Kabinettsbeschluss zur Frauenquote am 11. Dezember 2014 ist der durchschnittliche Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 190 größten Börsen-Unternehmen leicht auf 32,7 Prozent gestiegen – im Vergleich zum Frühjahr ein magerer Zuwachs von 0,5 Prozentpunkten. Der Frauenanteil in den wichtigsten Ausschüssen der Aufsichtsräte ist im Laufe des Jahres sogar leicht zurückgegangen. In den Vorständen liegt der Anteil jetzt bei 11,8 Prozent, ein marginaler Anstieg um 1,1 Prozentpunkte – der zwischenzeitliche Rückgang seit Jahresbeginn wurde mittlerweile zumindest aufgeholt.
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Freiwillig tut sich nichts

Untersucht wurde der Frauenanteil in den Spitzengremien der 160 im DAX, MDAX und SDAX sowie der aktuell 30 im Regulierten Markt notierten, voll mitbestimmten Unternehmen. Die aktuell 107 der Quote unterliegenden Unternehmen erreichen im Aufsichtsrat mit 35,4 Prozent Frauen einen neuen Höchststand. Die 83 nicht der Quote unterliegenden DAX-Unternehmen haben sich auf 24,4 Prozent gesteigert, bleiben aber weiter deutlich unter 30 Prozent. In drei wichtigen Ausschüssen der Aufsichtsräte, Prüfungsausschuss, Präsidialausschuss und Personalausschuss, ist der durchschnittliche Frauenanteil im Vergleich zum Frühjahr sogar leicht zurückgegangen. In den Vorständen liegt der Frauenanteil bei den Quotenunternehmen bei 12,7 Prozent, bei den Nicht-Quotenunternehmen bei nur 10,5 Prozent.

„Die aktuellen Zahlen zeigen: Freiwillig tut sich nichts. Wir brauchen verbindliche Vorgaben, um voranzukommen. Die Vorstandsquote wird kommen. Das haben wir zusammen mit vielen engagierten Frauen aus der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Kultur erreicht. Und zwar mit Beharrlichkeit und viel Überzeugungskraft. Dieser Durchbruch ist historisch. Wir machen Schluss mit frauenfreien Vorstandsetagen in großen Unternehmen“, sagt Bundesfrauenministerin Franziska Giffey. „Wir setzen ein Zeichen für eine zukunftsfähige, moderne Gesellschaft. Wir schöpfen alle Potenziale unseres Landes aus, damit die Besten in gemischten Teams erfolgreicher sein können.“

Langfristiges Ziel bleibt Ausweitung der Aufsichtsratsquote

„Seit der wirkungslosen Selbstverpflichtungserklärung der Wirtschaftsverbände aus dem Jahr 2001 haben wir die Erkenntnis: Nur klare gesetzliche Vorgaben mit Sanktionen führen zu mehr Gleichberechtigung, zumindest zahlenmäßig. Die Aufsichtsräte hatten über fünf Jahre Zeit, mit der Umsetzung individuell gesetzter Zielgrößen ein Zeichen für die Ernsthaftigkeit ihrer Bemühungen für mehr gleichberechtigte Teilhabe in den Führungsebenen zu setzen. Diese Chance wurde vertan. Jetzt folgt die logische Konsequenz für den fehlenden Ehrgeiz. Die Aufsichtsräte haben die Vorstandsquote selbst verschuldet. Und das gilt nicht nur für die Privatwirtschaft, sondern auch für Bundesbeteiligungen und öffentliche Körperschaften“, erklärt FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. „Darüber hinaus setzen wir darauf, dass mittelfristig die Aufsichtsratsquote auf alle Unternehmen, die der Zielgrößenvorgabe unterliegen, ausgeweitet wird. Das ist und bleibt der effektivste Hebel, um mehr gleichberechtigte Teilhabe auf allen Führungsebenen zu erreichen. Dafür werden wir uns mit Blick auf die Bundestagswahl stark machen.“

Nur die Quote sorgt für spürbare Veränderungen

Die aktualisierten Zahlen zeigen deutlich, wie die verbindliche Frauenquote den Unterschied macht. Bei den aktuell 107 börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen, die unter die Quote fallen, steigt nicht nur der Frauenanteil in den Aufsichtsräten und Vorständen stärker. Auch in den Ausschüssen der Aufsichtsräte sind mehr Frauen vertreten. Bei den Zielgrößen setzen sich die Quotenunternehmen ehrgeizigere Ziele als die Nicht-Quotenunternehmen – dennoch bleiben die Ergebnisse weit hinter den Ansprüchen an moderne, divers aufgestellte Führungsetagen zurück.“

Der WoB-Index wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die ausführliche Studie zum Women-on-Board-Index 185 von FidAR aus dem Juni 2020 finden Sie unter www.wob-index.de.

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