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Gender Diversity Index 2020: Deutschland bei Frauen in Führungspositionen in Europa nur Mittelmaß

Commerzbank Gesch??????????????€ftskonto Gr??????????????ŒnderDie größten europäischen Unternehmen erzielen langsame, aber stetige Fortschritte bei der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen. Dennoch ergeben sich erhebliche Unterschiede in einzelnen Ländern. Unternehmen aus Norwegen, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Finnland und Schweden bilden die Spitzengruppe mit einem durchschnittlich hohen Frauenanteil in Spitzenpositionen. Schlusslichter sind Unternehmen aus Polen und der Tschechischen Republik, die von einer ausgewogenen Führung noch weit entfernt sind. Verbindliche Quoten führen nicht zwingend zu einem insgesamt höheren Frauenanteil – es kommt vielmehr auf die Gesetzgebung und die gesellschaftlichen Normen insgesamt an. Das zeigt der aktuelle Gender Diversity Index der Initiative European Women on Boards (EWoB), der heute in Brüssel vorgestellt wird.

Zahl der weiblichen CEOs von 28 auf 42 gestiegen

Die umfangreiche Studie zur Geschlechterrepräsentation in Vorständen, Aufsichtsräten und obersten Führungsebenen der größten europäischen Unternehmen wird jährlich vom Forschungsunternehmen Kantar durchgeführt. Untersucht werden insgesamt 668 Konzerne, die im STOXX 600 Europe Index oder in nationalen Börsenindizes gelistet sind. Jedem Unternehmen in der Studie wird ein Indexwert, der Gender Diversity Index (GDI), zugewiesen. Dies ermöglicht, Länder und Unternehmen systematisch zu vergleichen und deren Fortschritte zum letzten Jahr zu messen.

„Die Zahl der weiblichen CEOs ist von 28 auf 42 gestiegen, die Zahl der Unternehmen mit einer weiblichen C-Suite von 99 auf 129, und Frauen in den Vorständen machen jetzt 9 Prozent gegenüber 7 Prozent im Jahr 2019 aus. Das sind insgesamt klar erkennbare Fortschritte bei den Zahlen“, erklärt Päivi Jokinen, Vorsitzende von European Women on Boards. „Der durchschnittliche GDI-Wert ist von 0,53 auf 0,56 gestiegen. Die Anzahl der Unternehmen mit einem GDI von mehr als 0,8 hat sich seit dem Vorjahr von 30 auf 62 mehr als verdoppelt. Wir haben also insgesamt wichtige Fortschritte bei der Stärkung der Geschlechtervielfalt in europäischen Unternehmen erreicht.“

Stimmen nach einer europäischen Regelung werden lauter

Bei den 68 deutschen Unternehmen, die in die Studie einbezogen wurden, liegt der durchschnittliche Frauenanteil in den Vorständen bei 12 Prozent, in den Aufsichtsräten bei 32 Prozent. Nur 3 Prozent haben eine weibliche Vorstandsvorsitzende. Insgesamt steht Deutschland im Länderranking mit einem GDI von 0,48 auf Platz 12 von 18 Ländern und ist daher nur unteres Mittelmaß.

Wegen der nur langsamen Fortschritte bei der gleichberechtigten Teilhabe in Führungspositionen werden die Stimmen nach einer europäischen Regelung lauter. Bereits 2012 hatte die Europäische Kommission eine verbindliche Quote von 40 Prozent Frauen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen vorgeschlagen. Die Debatte über die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Erhöhung der Beteiligung von Frauen hat jüngst wieder Fahrt aufgenommen. Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, sieht in der Gleichstellung eine der Kernprioritäten für ihr Mandat. Gleichzeitig hat das Europäische Parlament die Debatte über regulatorische Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in den Führungsetagen von Unternehmen wiederaufgenommen, da viele Abgeordnete des Europäischen Parlaments freiwillige Maßnahmen für unzureichend halten.
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Gleichstellung der Geschlechter noch weit von der Realität entfernt

Auf der Ebene der einzelnen Länder haben einige Regierungen bereits Maßnahmen zur Förderung der Vielfalt in Unternehmensvorständen eingeführt. Dies können regulatorische Maßnahmen sein – insbesondere verbindliche Quoten wie in Norwegen, Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien – oder weiche Maßnahmen wie Quoten ohne Sanktionen oder Regelungen, die nur für öffentliche Unternehmen gelten, wie in Dänemark, Irland, Griechenland, Spanien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Polen, Portugal, Finnland, Schweden und dem Vereinigten Königreich.
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Insgesamt zeigt der Gender Diversity Index, dass die Gleichstellung der Geschlechter in der Unternehmensführung noch weit von der Realität entfernt ist:

  • 28 Prozent der Führungskräfte in leitenden und nicht-leitenden Positionen der 668 analysierten Unternehmen sind Frauen.
  • Frauen stellen nur 34 Prozent aller Aufsichtsratsmitglieder in den analysierten Unternehmen, die Kontrollgremien bilden damit die Ebene mit der größten Beteiligung von Frauen.
  • Auf der Vorstandsebene sind dagegen nur 17 Prozent Frauen vertreten. Dabei würden die Unternehmen nach der Meinung von Experten von größerer Vielfalt profitieren. So erklärt Hedwige Nuyens, Geschäftsführerin des Internationalen Bankenverbands in London: „Die Vielfalt der Talente zu nutzen, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für mein Unternehmen.“
  • Nur 42 (6 %) der 668 analysierten Unternehmen haben einen weiblichen CEO. Nur 130 (19 %) der Unternehmen haben mindestens eine Frau auf dem Posten des CEO, COO oder CFO.

Neben den direkten gesundheitlichen Folgen von COVID-19 beeinträchtigt die Pandemie auch das Wohlbefinden und die Work-Life-Balance vieler Mitarbeiter von Unternehmen. Viele davon waren oder sind Entlassungen oder vorübergehender Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit ausgesetzt. Frauen sind dabei am stärksten betroffen. Ihnen droht eher der Verlust des Arbeitsplatzes, und sie leiden meist unter größerem Stress, weil sie die Arbeit zu Hause mit der Betreuung schulpflichtiger Kinder und anderen familiären Pflichten kombinieren müssen. Infolgedessen vertieften sich die Ungleichheiten in der Gesellschaft. Gleichzeitig war 2020 auch ein Jahr sozialer Bewegungen und Proteste, die den Abbau von Ungleichheiten forderten und damit breitere Debatten über Inklusion und Vielfalt am Arbeitsplatz auslösten. EWoB sieht daher vielversprechende Anzeichen für Verbesserungen:

  • Die Anzahl der Unternehmen in der Stichprobe mit hoher Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Gemessen wurde dies über den Gender Diversity Index. Die Zahl der Unternehmen, die einen Index von 0,8 oder mehr erreichen, ist seit 2019 von 30 auf 62 gestiegen. Der Idealwert des Index liegt bei 1.
  • Diese Verbesserung ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es nun 87 Unternehmen in der Stichprobe gibt, bei denen der Anteil von Frauen in allen Führungspositionen 40 Prozent oder mehr beträgt. Dies ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu 47 im Jahr 2019.
  • Es gibt auch wesentlich mehr Frauen, die Führungspositionen in Unternehmen übernommen haben, als solche, die innerhalb eines Jahres ausgeschieden sind. Während Frauen 35 Prozent aller Personen ausmachten, die neu in Führungspositionen berufen wurden, stellten sie nur 24 Prozent derjenigen, die ausschieden.

„Unternehmen sollten alles daransetzen, mehr Frauen für Entscheiderpositionen zu gewinnen. In einem heterogenen Umfeld mit mehr Gedankenvielfalt eröffnen Frauen neue Perspektiven. Gleichzeitig tragen gemischte Teams dazu bei, dass die Geschäftsrisiken sinken“, betont Päivi Jokinen. „Nur wenn wir das gesamte Potenzial der Belegschaften mit all ihren Möglichkeiten nutzen, kann Europa seine Wettbewerbsfähigkeit in der globalen Wirtschaft sichern. Wir sehen bei den Unternehmen, die bei den analysierten Indikatoren bereits relativ gut abschneiden, einen Trend, dass sie die Präsenz von Frauen auf den höchsten Führungsebenen verbessern. Auf der anderen Seite machen die Unternehmen am unteren Ende des Rankings, wenn überhaupt, nur minimale Fortschritte. Das muss sich ändern.“

Die vollständige Studie finden Sie hier: Gender Diversity Index der Initiative European Women on Boards

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