Gründerinnen-Stories

DeinKindergeschirr: 100.000 Möglichkeiten und absolute Vereinbarkeit mit der Familie

Kurze Vorstellung der Person und des Unternehmens.

Mein Name ist Nicola Hoensbroech. Ich lebe mit meinem Mann und unseren fünf Kindern zwischen 0 und 9 Jahren in Frankfurt. Ende 2011 gründete ich die Seite „DeinKindergeschirr“, einen Online-Shop, bei dem man sich Kindergeschirr anhand eines Baukastensystems mit über 100.000 Möglichkeiten selbst gestalten kann. 2012 wurde DeinKindergeschirr Preisträger des Frankfurter Gründerpreises, 2013 konnten wir uns über den 1. Platz beim Hessischen Gründerpreis freuen, wofür wir sehr dankbar sind.

Was gab den Impuls sich selbstständig zu machen?

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es klingt absurd, verbindet man eine Selbständigkeit doch mit sehr viel Arbeit. Aber auch wenn das sicher zutrifft, für mich war es die einzige Form, einen anspruchsvollen und spannenden Job mit vielen Kindern vereinen zu können.

Das war in meinem früheren Job nämlich unvorstellbar. Ich arbeitete vor meiner ersten Geburt in einer Organisation, bei der ich von morgens früh bis oft sehr spät in die Nacht arbeitete. Für eine gewünschte Pause von 6 Monaten nach der Geburt hatte man kein Verständnis und der Wunsch, mein Kind stillen zu wollen, stieß auf Missfallen. Da wurde mir sehr schnell klar, dass ich in so einem Berufsumfeld unmöglich viele Kinder würde bekommen können – auf die wollte ich aber nicht verzichten!

So gründete ich DeinKindergeschirr. Von Anfang an habe ich die Firma so aufgebaut, dass der Job mit einer wachsenden Großfamilie würde vereinbar sein. Wie? Meine Mitarbeiterinnen und ich arbeiten alle von zu Hause aus, uns verbindet ein Cloud-System. Das spart unnötige Fahrwege, die sind nämlich ein echter Zeitfresser. Zahlreiche Prozesse sind ausgelagert wie die komplette Logistik. Das heißt: Auch zu Peak-Zeiten wie Weihnachten stoßen wir nicht an Kapazitätsgrenzen oder müssen nachts Pakete packen. Wir können selbst entscheiden, zu welcher Zeit und wo wir arbeiten. Credo in meiner Firma: Keiner muss sich entschuldigen, wenn er am Tag einige Stunden in Sachen Kinder unterwegs ist, z.B. mit seiner Tochter zu einer Geigenaufführung muss oder zum Arzt. Hauptsache, die Arbeit wird erledigt. Wir passen die Firma den Lebensumständen als Mutter an, nicht umgekehrt.

Was waren oder sind die größten Hemmnisse bei der Gründung?

Es gab unzählige Hemmnisse. Einen Produzenten zu finden war nicht einfach. Noch schwieriger wurde es beim Programmierer, der einen komplexen Konfigurator kostengünstig programmieren können musste. Die Kreditvergabe dauerte viel länger als angenommen und der Logistiker kündigte mir kurz vor Vertragsschluss, sodass ich mit den Vertragsverhandlungen von 0 wieder anfangen musste. Emotional schwierig war für mich, dass zunächst Niemand an die Geschäftsidee und mein Arbeitsmodell glaubte außer mein Mann.

Hatten Sie Unterstützung bei der Umsetzung Ihrer Geschäftsidee?

Emotional und in strategischen Fragen stand mir mein Mann mit Rat und Tat zur Seite, wenn er auch nie operativ tätig war. Ansonsten habe ich natürlich alle möglichen Ressourcen genutzt wie die Beratung der Arbeitsagentur, Jumpp etc.

Haben Sie Förderprogramme genutzt bzw. beantragt?

Nur den KfW-Kredit.

Würden Sie heute alles noch einmal genauso machen?

Im Großen und Ganzen ja. Wahrscheinlich würde ich mich nicht mehr so leicht stressen lassen von Rückschlägen, denn die gehören einfach dazu. Überhaupt ist Gelassenheit etwas, über das man sich mit steigender Kinderzahl und Berufsjahren freuen kann.

Ihr Tipp für andere Gründerinnen.

Nicht aufgeben. An die eigene Idee glauben. Realistisch mit der eigenen Lebenssituation und Defiziten umgehen, damit man nicht an Grenzen stößt und Krisen vorbeugen kann. Keine Angst vor Outsourcing haben. Probleme als spannende Herausforderung verstehen und nicht als Rückschlag – sie gehören zu der Tätigkeit eines Unternehmers.

Für interessierte Hessische Gründerinnen

Gründerinnen (und natürlich auch Gründer) können sich noch bis zum 7. September 2016 in drei Kategorien bewerben: Mutige Gründung (Start aus schwieriger persönlicher Situation), Geschaffene Arbeitsplätze (Zahl und Qualität der Arbeitsplätze) oder Innovative Geschäftsidee (Innovative Produkte oder Dienstleistungen). Bewerbungen sind eigeninitiativ und auf Vorschlag möglich. Informationen, Bewerbungs- und Vorschlagsformulare http://gruendertage-hessen.de/bewerbung/

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