Gründerinnen-Stories

Yafo: Essen, Trinken und Lebensfreude in einem

Shani Ahiel kommt aus Tel Aviv und hat in Berlin ein israelisches Restaurant eröffnet. Das Besondere am Yafo: Es gibt nicht nur Essen und Getränke, hier wird gleich ein ganzes Lebensgefühl mitgeliefert.

Frau Ahiel, Sie haben in Berlin ein israelisches Restaurant eröffnet. Kommen Sie aus der Gastronomie?

Als Studentin arbeitete ich in einem Restaurant, dessen Besitzer eine sehr inspirierende, herausragende und furchtlose Person war. Ich habe viel von ihr gelernt, aber nie gedacht, dass ich in diesem Beruf landen werde. Außerdem hätte ich mir nie vorstellen können, ein Restaurant in einem fremden Land mit einer anderen Kultur als der mir bekannten zu eröffnen.

Was ist das Besondere an Ihnen?

Ich denke, dass ich von meinen Instinkten und meinen Gefühlen geleitet, arbeite und immer auf das Große und Ganze schaue. Ich handle wann immer es nötig ist, auch wenn es gegen die Regeln verstößt. Und ich bin eine leidenschaftliche Person. Jedes Mal, wenn jemand sagt, dass etwas nicht möglich ist, muss ich ihnen beweisen dass sie falsch liegen und es doch machen.

Ich versuche immer, Menschen mitzunehmen und einzubinden. Irgendwann entscheiden sich die Leute, in mein Restaurant Yafo zu kommen. Dann möchte ich ihnen eine unvergessliche Nacht schaffen, einen Moment, an den sie sich immer erinnern werden. Ich möchte ihnen eine andere Kultur zeigen, eine Kellnerin von einer besonderen Art,  mit einem stürmischen Temperament, mit der man eine großartige Unterhaltung führen kann.

Was gab den Impuls, sich selbstständig zu machen?

Das waren vor allem zwei Dinge:

Erstens: Als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich gemerkt, dass ich die Erfahrung und das Leben, das ich aus von Tel Aviv kannte, vermisse, einen Ort, der gutes Essen, Getränke und Musik verbindet. Im Gegensatz zu den meisten Orten in Berlin: hier gibt es entweder ein Restaurant oder eine Bar oder einen Club.

Zweitens hatte ich während dieser Zeit einen deutschen Freund, der mir sehr geholfen hat. In Israel herrschte Krieg und mein Bruder wurde eingezogen – was mir das Gefühl gab, dass eine große Todeswolke über meinem Kopf schwebte. Ein inneres Gefühl brachte mich dazu, darüber nachzudenken, was das Schlimmste wäre, was passieren kann? Also sollte ich es machen und meine Idee von einem eigenen Restaurant einfach umsetzen, obwohl ich keine Investoren, keine Erfahrung oder ein Verständnis davon hatte, wo ich bin. Ich war sozusagen zum Erfolg verdammt und entschlossen es zu schaffen. Auch weil mir nicht bewusst war, was auf mich tatsächlich zukommt- ich hatte Mut. Ich sagte mir immer wieder: Wie hat irgendjemand jemals ein Geschäft gegründet? Sie hatten einen Tisch, ein Tischtuch, ein Glas Wein, Kerzen, Blumen, Käse und Brot. Ich habe mir gesagt, dass ich klein anfange und alles geben werde. Langsam wird es wachsen.

Was waren die größten Hindernisse bei der Gründung?

Sich der Angst stellen, mit der lokalen Kultur umgehen, die Gesetze verstehen … und es gibt so viele Gesetze.

Und einen glücklichen Ort mit Essen, Trinken und Musik zu schaffen – wo man hineingeht und sich fühlt, als würde man von der deutschen Kultur umarmt, die sich oft sehr praktisch und funktional anfühlt. Als die Polizei zum ersten Mal ins Yafo kam, begann ich zu weinen. Wo ich herkomme, erscheint die Polizei nur, wenn es eine Bombendrohung gibt. Ich habe hier gelernt, dass die Nachbarn die Polizei nach 22 Uhr anrufen können, wenn es ihnen zu laut ist und die Polizei tatsächlich auch auftaucht! Jetzt sind wir Freunde und ich habe keine Angst mehr. Ich frage sie jetzt, ob sie was essen wollen und dann wieder in ihre Schicht gehen wollen.

Hatten Sie Unterstützung bei der Umsetzung Ihrer Gründungsidee?

Ich hatte nicht viel Unterstützung, weil alle dachten, dass das eine verrückte Idee ist.

Ich meine, ein Restaurant zu eröffnen, ist ein verrückter Gedanke, man muss hingebungsvoll sein und lieben, was man tut, weil es viel Energie verbraucht. In einem fremden Land, wo das Wetter anders ist, mit einer Sprache, die man nicht spricht, so etwas zu eröffnen, das fühlte sich für alle um mich herum wirklich sehr verrückt an. Als wäre es wieder mal eine meiner absurden, unrealisierbaren Ideen. Ich dachte mir auch, was machst du Shani?! Du versuchst den Deutschen beizubringen, mit ihren Händen zu essen? Es wird nie funktionieren.

Haben Sie Programme in Anspruch genommen, die Gründerinnen helfen sollen?

Nein, das habe ich nicht. Es war wichtig für mich als Frau, alles alleine zu machen. Das merke ich heute. Vielleicht werde ich in der Zukunft nach Förderungen suchen, aber weil das eine so innovative und unrealistische Idee war, war es mir wichtig, die Menschen nicht mit meiner Fantasie mitzureißen, sondern selbst für Erfolg und Misserfolg verantwortlich zu sein.

Am Anfang habe ich alleine gearbeitet, ich habe alles selbst gemacht – vom Umgang mit den Verkäufern und den Bestellungen bis hin zur Reparatur von Toiletten … und nach und nach habe ich den ersten Angestellten eingestellt und dann den nächsten und den nächsten. Ich denke, dass ich ihnen ein Beispiel geben konnte – ich bin keine Unternehmerin, die herumsitzt und kommandiert, ich arbeite tatsächlich selbst mit ihnen. Das hat auch meine Position gestärkt.

Ihr Tipp für andere Gründerinnen?

Nicht die Hoffnung verlieren, allem, was du tust, eine Bedeutung geben, Leader sein, anderen ein Beispiel geben und aus dem Antrieb der Leidenschaft heraus und nicht automatisch arbeiten.

Letztendlich dreht sich alles um Menschen und deine eigenen Instinkte.

Vielen Dank für das Gespräch!

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