Gründerinnen-Stories

Anne Lemcke – Mit Ankerkraut raus aus der Musikindustrie

Von der PR rein in die Lebensmittelbranche. Anne Lemcke hat mit ihrem Mann Stefan Ankerkraut gegründet und zu einem Familienunternehmen gemacht.

Frau Lemcke, was ist Ankerkraut?

Ankerkraut, das sind hochwertige Gewürze und Gewürzmischungen für jeden Anlass – ohne Rieselhilfen oder Geschmacksverstärker. Das Sortiment unserer Hamburger Gewürzmanufaktur bietet von Küchen-Basics wie Oregano, Paprika und Curry über BBQ-Rubs, tolle Mischungen fürs Backen und Kochen bis hin zu besonderen Salzen und Pfeffer-Kompositionen alles, was das Genießer-Herz begehrt. 2013 gründete mein Ehemann Stefan Lemcke Ankerkraut und kurze Zeit später, nach der Geburt unseres zweiten Kindes, kam ich mit an Bord. Seitdem führen wir gemeinsam das Familienunternehmen mit Leib und Seele. Gestartet mit unserem Onlineshop, ist Ankerkraut heute auch in etwa 4.000 deutschlandweiten Geschäften vertreten. Ob Supermarkt, Feinkostladen, Grillfachmarkt, Schlachter oder Weindepot – unsere Gewürze und Gewürzmischungen findet man mittlerweile fast überall.

Kommen Sie aus der Lebensmittelbranche?

Nein, absolut nicht. Bevor die Idee von Ankerkraut „geboren“ wurde, war ich PR-Managerin in der Musikindustrie. Und auch Stefan kommt aus einer anderen Branche. Er war vor der Unternehmensgründung selbständig im IT- und Onlinebereich tätig, aber schon immer ein Gewürzeliebhaber. Heute nutzen wir unsere jeweiligen Kompetenzen im Unternehmen weiter: Stefan kümmert sich viel um die Neuentwicklungen, ich koordiniere Produktdesign und unsere Social-Media-Aktivitäten.

 Was gab den Impuls, sich mit Ankerkraut selbstständig zu machen?

Die Idee, etwas Eigenes zu gründen, gab es schon länger, doch war lange nicht klar, in welche Richtung diese Business-Idee gehen sollte. Fest stand, wir wollten gerne ein eigenes Produkt machen und in den Händen halten können. Als wir uns unseren ersten gemeinsam Hund holten, kam sofort die Idee auf: “Ok, wir machen was für Hunde”. Diese Idee verwarfen wir jedoch schnell wieder, da gab es schon so viele gute Anbieter. Als ich dann schwanger wurde und unser erstes Kind Lio auf die Welt kam, dachten wir: “Na gut, vielleicht machen wir schönes Holzspielzeug für Kinder”. Das war uns dann jedoch etwas zu heikel. Und dann kam die Idee: Gewürze! Als ich Stefan kennenlernte und er das erste mal für mich gekocht hat, ist mir schon aufgefallen, dass er keine Gewürzmischungen, sondern nur Einzelgewürze im Schrank stehen hatte.  Am Ende war es also Stefans Gewürzliebe und unsere gemeinsame Begeisterung und Leidenschaft für gutes Essen, die uns dazu brachte, den Schritt in die Lebensmittelbranche zu wagen.

 Sie sind Unternehmerin. Hatten Sie oder haben Sie mit Vorurteilen zu kämpfen?

Ich bin ja nicht nur Unternehmerin, sondern auch Ehefrau und Mutter und auch hier gibt man mir oft das Gefühl, ich müsse mich rechtfertigen und ständig erklären, wie es unseren Kindern dabei geht und dass sie eben nicht zu kurz kommen. Interessanterweise kommen diese Vorurteile oft von anderen Müttern, welche nicht nachvollziehen können, dass man Karriere und Familie sehr gut miteinander vereinbaren kann. Doch ich bzw. wir können das sehr gut und das liegt vor allem daran, dass ich einen verständnisvollen, gleichberechtigten Partner habe, der mich und unsere Familie bedingungslos unterstützt und daran, dass mein Organisationstalent mir im Alltag sehr zu Gute kommt.

Wie ist die Aufteilung in Ihrer Branche? Gibt es mehr Männer oder mehr Frauen?

Der Gewürzmarkt und die Lebensmittelindustrie sind eher männerdominierte Branchen. Doch auch die “Gründerszene” allgemein besteht immer noch zum Großteil aus Männern.

Stoßen Sie auf Vorurteile?

Ja immer wieder. Doch im Zweifelsfall spornen mich diese Vorurteile nur noch mehr an, alles zu geben und zu zeigen, dass man sehr gut Unternehmerin, Mutter und Ehefrau zugleich sein kann. Ich war schon immer eine recht selbstbewusste Frau und möchte mich damit nicht nur den Vorurteilen stellen, sondern auch Anderen Mut machen, sich dagegen aufzulehnen.

Was waren oder sind die größten Hemmnisse bei der Gründung Ihres Unternehmens gewesen?

Unser größtes Hindernis war, dass wir alles gleichzeitig gemacht haben. Unser Sohn wurde im März 2012 geboren, Ankerkraut haben wir im Januar 2013 gegründet und unsere Tochter kam dann im April 2013 zur Welt. Wir hatten also zwei Babys und ein Start-up. Am Anfang hat mein Mann viele Dinge in die Hand genommen, während ich eher im Hintergrund tätig war. Es gab allerdings auch viele Situationen, in denen die Kinder dann einfach dabei waren. So haben wir die ersten Ankerkraut-Weihnachtspakete kurzerhand von zu Hause aus gepackt und versendet. Mit zwei Babys ging das auch noch relativ gut. Der richtige Stress und die organisatorischen Herausforderungen gingen erst los, als unsere Beiden dann im Kleinkindalter waren.

Hatten Sie Unterstützung bei der Umsetzung Ihrer Geschäftsidee?

Ehrlich gesagt eher nicht. Keiner in unserem Umfeld hat so richtig an die Idee geglaubt. Immer wieder hörten wir: „Ihr seid doch verrückt“. Ehrlich gestanden war auch ich anfangs immer mal wieder skeptisch und habe an unserer Idee gezweifelt, doch das gehört sicherlich auch dazu, wenn man unternehmerische Risiken eingeht. Wir haben schließlich beide unsere sicheren Jobs aufgegeben und mein Mann hat all sein erspartes Geld in die Gründung investiert. Wer uns jedoch  immer unterstützt hat, waren unsere Familien und im Speziellen mein Vater. Er war früher auch Unternehmer und hat uns von Anfang an beratend zur Seite gestanden. Er ist so stolz, dass er sich letztes Jahr sogar ein Ankerkraut Tattoo hat stechen lassen – sein Erstes und Einziges!

Gab es während des Gründungsprozesses eine Umstellung, da Sie gemerkt haben, dass das Produkt nicht angenommen wird bzw. nicht zur Zielgruppe passt?

Die Anfangszeit war hart. Unsere ersten Bestellungen waren von Freunden und Familienmitgliedern, die uns irgendwie unterstützen wollten. Doch irgendwann ging es dann los – die ersten „fremden“ Käufer sind auf uns aufmerksam geworden und kauften unsere Produkte. Spätestens nach unserer Teilnahme 2016 bei  der TV-Show “Die Höhle der Löwen” wurde die Sorge, dass die Produkte nicht angenommen werden, weniger. Quasi über Nacht wurde Ankerkraut so bekannt, dass ich eher Angst davor bekam, das starke Wachstum unter Kontrolle zu behalten.

Was hätten Sie getan, wenn Sie nicht erfolgreich gegründet hätten?

Plan A war Plan A. Wenn man von Anfang an schon an das Scheitern denkt, dann ist das kein wirklich guter Ausgangspunkt. Wir wollten es einfach schaffen und haben dafür gekämpft. Natürlich zählt auch immer ein wenig Glück dazu. So haben wir bspw. den Zeitpunkt der Gründung unserer Gschmacksmanufaktur – beinahe zufällig –  genau richtig gewählt. Der Markt war bereit für solch ein Start-up und die Nachfrage bestand und besteht weiterhin.

Ihr Tipp für andere Gründerinnen.

Einfach machen. Ihr habt eine tolle Idee? Dann setzt diese am Besten noch heute in die Tat um. Einen richtigen Zeitpunkt für eine Unternehmensgründung gibt es selten. Wer wartet, fängt an, zu zweifeln, auch wenn es keinen Grund dafür gibt. Vertraut auf eure Stärken und Ideen und bleibt selbstbewusst. Und dann heißt es nur noch: machen, machen, machen!

Vorheriger Beitrag

IT-Fachkräfte: Nur jeder siebte Bewerber ist weiblich

Nächster Beitrag

Women’s Global Edition: Visa startet Wettbewerb für Gründerinnen

kein Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.