Gründerinnen-Stories

Atelier O18: Claudia Zimmer hat sich ihren Traum erfüllt

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?

In meinem Atelier kreiere ich Unikate für Menschen, die auf Individualität Wert legen und auf Nachhaltigkeit achten. Letzteres bedeutet für mich, dass meine Neuanfertigungen oft zeitlos und die Materialien so hochwertig sind, dass diese Kleidungsstücke meine Kunden über viele Jahre begleiten können. Mit speziellen Techniken verändere ich auch Kleidungsstücke, die aus irgendwelchen Gründen nie getragen wurden. Oft werden sie dann zu Lieblingsstücken.

Was sind Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Das ging total schnell: Ich habe kurz vor der Ferienzeit eröffnet und da sind Passanten in das Atelier gekommen, die sonst nie hier in der Oranienstraße sind. Manche waren in Wiesbaden auf „Ferien-Shopping-Tour“. Daraus haben sich dann Stammkunden entwickelt, die viel „Mund-zu-Mund-Propaganda“ für mich gemacht haben. Das fand ich total verblüffend und ermutigend.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Ich habe eine klassische Schneiderlehre gemacht und danach Modedesign studiert. Das hatte ich als kleines Mädchen schon so beschlossen, da meine Mutter auch Schneiderin war und für uns Kinder ganz viel genäht hat. Ich habe immer lieber umgearbeitete Sachen von ihr getragen als etwas Neues. Nach meiner Ausbildung hat alles so funktioniert, wie ich mir das gewünscht hatte. Nach dem Studium bin ich ins Ausland gegangen und habe für deutsche Bekleidungsfirmen die Produktionsleitung übernommen – überwiegend in Osteuropa, Asien und Nordafrika. Danach war ich noch fünf Jahre in der Schweiz, bevor ich wieder nach Deutschland zurückgekommen bin.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Ich bin der Liebe wegen nach Wiesbaden gekommen und habe mir Zeit genommen, mich hier beruflich neu zu orientieren. Währenddessen haben mein Mann und ich diesen Laden entdeckt, der gerade mal drei Minuten von unserer Wohnung entfernt ist. Ein Showroom und eine Werkstatt für mich – genial! Da hat mein Mann gesagt: Machen!!! Innerhalb von sechs Wochen haben wir die Räume in der Oranienstraße 18 in liebevoller Kleinarbeit renoviert und als „Atelier O18“ eröffnet.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Nur wunderbare Menschen: mein Mann und meine Tochter, die Produktdesign studiert. Sie hat mein „Corporate Design“ und mein Logo entwickelt. Bei Berufswege für Frauen habe ich mir die Informationen geholt, die ich noch brauchte. Sie bieten sehr gute Workshops an und man fühlt sich da einfach gut aufgehoben. Aber auch meine Kundinnen und Kunden geben mir täglich wichtiges Feedback.

Wie haben Sie die ersten Tage als Gründer erlebt?

Die waren total aufregend. Die ersten Wochen habe ich mit viel Herzklopfen die Tür aufgesperrt. Heute bin ich da gelassener. Aber ich freue mich trotzdem noch jeden Tag, wenn ich hier aufschließe: Das ist meins!

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Die größten Herausforderungen bestehen weiterhin: Das sind wirklich Zeitmanagement und Organisation. Mit meiner One-Woman-Show habe ich an manchen Tagen das Gefühl, dass ich nicht vorangekommen bin, weil es neben der Produktion auch noch so viele andere Dinge zu erledigen gibt. Dafür arbeite ich dann auch mal außerhalb der Öffnungszeiten. Auf lange Sicht würde ich gerne eine Auszubildende oder einen Auszubildenden einstellen, um das Wissen und die Kenntnisse, die ich erlernen durfte, weiterzugeben. Aber es muss jemand sein, der zu mir passt und genauso für diesen Beruf brennt, wie ich.

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Meine Kundinnen und Kunden sind meine beste Werbung. Außerdem bin ich auf Google My Business präsent. Darüber kommen die meisten Anfragen. Ich poste auch regelmäßig auf Instagram – für mich eine professionellere Plattform als Facebook. Dann sind da noch meine Events. Im Moment mache ich diese so zwei bis drei Mal im Jahr. Da verbinde ich Kunst und Mode mit Kulinarischem. Im Juni haben zum Beispiel zwei Künstlerinnen bei mir ausgestellt: Die eine zeigte wunderschöne Kleider aus getrockneten Pflanzen und Strandgut, zauberhafte Objekte zum Träumen, nicht zum Anziehen. Die andere führte original Chanel-Stickereitechniken vor. Dazu gab es Catering und tolle Weine.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Ich habe ausschließlich eigene Mittel verwendet.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Ich würde gerne eine Kollektion mit Stoffen von Julian Schnabel kreieren. Man darf ja träumen!

Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Wenn ich mehr Zeit hätte, …

… würde ich Önologie studieren und einen Weinberg haben.

Was ist Ihr besonderer Tipp: Was würden Sie Gründerinnen und Gründern empfehlen?

Natürlich ist es wichtig, alles Für und Wider einer Selbstständigkeit in die Waagschale zu werfen, doch letztendlich muss die Gründung irgendwie aus dem Bauch kommen. Also nicht zu lange nachdenken und grübeln, sondern einfach machen. Dann kommt irgendwie eins zum anderen. Wirklich wichtig finde ich, Menschen um sich zu haben, die einem den Rücken stärken und Mut machen. Denn eine Gründung ist schon eine wahre Mutprobe.

 

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