Gründerinnen-Stories

Kim S. Wehrend: Schon während der Ausbildung wollte ich selbstständig sein

Kim Sarah Wehrend ist tätig im Bereich Heizungs- und Sanitärsysteme. Für eine Frau immer noch ungewöhnlich, das weiß sie. Deshab hat sie auch aus dieser Besonderheit ihren Kennwert gezogen. Sie hat ihr Unternehmen, das sie 2016 gründete, SHE GmbH genannt.

Frau Wehrend, Sie arbeiten in einem immer noch typischen Männerberuf, im Sanitär und Heizungsbereich. Was hat Sie an diesem Berufsfeld interessiert?

Die handwerkliche Tätigkeit, den Kontakt zu Kunden, den Wunsch meinen Kunden eine Dienstleistung zu erbringen und das in einem Beruf in welchem wirklich niemand eine kleine Person als Meisterin wie mich vermutet.

Wie haben die männlichen Kollegen in der Branche auf Sie reagiert? So wie man es sich vorstellt oder doch eher wohlwollend?

Natürlich verhalten sich die Männer, gerade im Handwerk, genauso wie man sich das auch vorstellt. In dem Moment aber wo man sich kennenlernt dreht sich das Ganze, Dann  ist man auf einmal „einer“ von denen. Auf der anderen Seite kann man dann aber die einmal gefasste Meinung, die man von den Handwerkern hatte, wieder abändern. Das sind eigentlich alles ganz nette Kerle.

Braucht man, auch wenn man eine der wenigen Frauen im Sanitär- und Heizungsbereich ist, noch weitere Alleinstellungsmerkmale um die Kunden aufmerksam zu machen?

Natürlich, Freundlichkeit und vor allem Verständnis sind die Attribute die den Unterschied machen. Das normalerweise existente Maurerdekolltee wird durch mich natürlich sofort in Vergessenheit geraten. Meine Stärken sind die einfühlsame, verständnisvolle Beratung und die termingerechte zeitnahe Abwicklung der Aufträge.

Wie sieht es mit weiblichem Nachwuchs aus? Wollen Sie auch anderen Frauen und Mädchen ihren Beruf näherbringen?

Natürlich sind wir daran interessiert gerade Frauen die Vorteile in einer Männerdomäne wie dieser nahe zu bringen. Wir werden auch ab Mai diesen Jahres wohl unsere erste Auszubildende haben und in diesem so spannenden Beruf ausbilden. Aber natürlich ist es schwer Begeisterung bei Frauen zu erwecken. Die Themenbereiche die wir als Klempner abdecken müssen sind dafür auch alles andere als angenehm.

Was gab bei Ihnen den Impuls sich selbstständig zu machen?

Der Wunsch mich selbstständig zu machen entstand während meiner Ausbildungszeit. Zu sehen wie da einige Kollegen doch demotiviert gearbeitet haben, wie egal ihnen der Ruf des Unternehmens zu sein schien, das waren für mich Aspekte die ich für mich so nicht wollte. Da ich mich als engagierte junge dynamische Person sehe hatte ich Angst innerhalb ganz kurzer Zeit in meinem Beruf desillusioniert zu sein um dann den Rest meiner Arbeitsjahre im Frust zu verbringen? Nein, das wollte ich nicht und das will ich nicht. Jeder weiß, das Handwerk goldenen Boden hat. Ich möchte das sich meine Arbeit für meine Kunden UND mich rentiert. Tritt das ein, sind Kunde und ich motiviert gemeinsam weiter zu machen. Deswegen bin ich heute selbstständig und nicht demotivierte Angestellte in irgendeiner Klempnerfirma.

Was waren oder sind die größten Hemmnisse bei der Gründung Ihres Unternehmens gewesen?

Die bürokratischen Hürden. Hätte ich nicht meinen Geschäftspartner gehabt, wäre ich an der Hürde „Bürokratie“ gescheitert. Das war besonders frustrierend, da ich eine Geschäftsidee hatte die ja nun nachweislich funktioniert, ich aber nicht anfangen konnte, weil mal hier und mal dort das nächste bürokratische Problem wartete.

Hatten Sie Unterstützung bei der Umsetzung Ihrer Geschäftsidee?

Wie gesagt, mein Geschäftspartner war mir eine große Hilfe. Als erfahrener Unternehmer konnte er mir mit dem einen oder anderen Tip schon sehr weiterhelfen. Auch heute steht er mir noch als Geschäftspartner und vor allem als Mentor gerne zur Verfügung. Und er verbreitet aufgrund seiner Berufserfahrung in vielem Bereichen, zu denen ich noch keine Zeit hatte den Zugang zu suchen, die Sicherheit, die es mir möglich macht, meine fachlichen Qualitäten auszubauen.

Ihre Zielgruppe bei der Kundenakquise sind Frauen. Wie sprechen Sie diese an, um ihre Leistungen anzubieten?

Im Wesentlichen über geeignete Werbemaßnahmen. Unser Logo selbst weist schon auf eine Frauenunternehmung in, unser Name ist absolut eindeutig, die Internetseite ist auf der „Home“ Seite mit einem Bild von mir gestaltet. Hier fühlen sich Frauen wohler, hier suchen weniger Männer „ihren“ Klempner. Aber es spricht sich schon herum, dass wir zuverlässig sind und das wir vor allem auch umfassen anbieten können. Unsere Subunternehmer aus den unterschiedlichsten Bereichen arbeiten gerne mit uns zusammen.

Ihr Tipp für andere Gründerinnen.

Wenn ihr was machen wollt, macht es mit der Unterstützung, die euch neben eurer fachlichen Eignung den Weg in ein problemloses Arbeiten hinein ermöglicht. Eine solche Unterstützung kann immer ein guter Gedanken-, Ideen-,Gesprächs-Sparringspartner sein. Das Verrennen in betriebswirtschaftlich sagen wir unglückliche Ideenbereiche werden durch solche Gesprächspartner oftmals wieder auf ein vernünftiges realistisches Maß gebracht.

Vielen Dank für das Gespräch!

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