Gründerinnen-Stories

Martina Petersen: Gründerin und Unternehmensnachfolgerin tauscht Stadt gegen Land

Martina Petersen hatte mit dem flachen Land nichts zu tun. Bis ihr Mann sie fragte, ob sie ihren Job bei einem bundesweiten Magazin gegen den Ferienhof seiner Eltern tauschen würde: Sie hat es getan und den Ostseehof zu einem kleinen Idyll umgestaltet.

Vom Schreibtisch in einer Hamburger Redaktion nach Schleswig-Holstein an die Küste. Frau Petersen, was war der Anlass Ihres Ortswechsels?

Die Liebe. Ganz simpel und doch ein großer Schritt. Ich habe immer in Großstädten gelebt – Hamburg, Berlin, München. Und dann das kleine Dorf Langballig an der Flensburger Förde?!? Als meine Familie das hörte, war sie sehr skeptisch. ICH, die Großstadtpflanze, die Party-Queen, aufs Land?! Ja! Und es war genau richtig. Der richtige Zeitpunkt, der richtige Ort. Wenn die Liebe stimmt, geht man überall hin. Ich wäre mit meinem Mann auch ausgewandert, hätte er mich gefragt. Obwohl…. Ist ja schon fast Ausland hier…so nah an Dänemark wie wir hier leben…

Sie sind vom Journalismus in die Tourismusbranche gewechselt, was hat für Sie den Reiz ausgemacht?

Im Grunde ist es dem sehr ähnlich. Ich hatte vorher auch mit Menschen zu tun, habe sie interviewt oder als redaktionelle Leitung geführt – jetzt mache ich Menschen glücklich, indem ich alles tue, damit sie einen schönen Urlaub haben. Ich habe einen guten Kontakt zu meinen Gästen, wenn sie es wollen und versuche alles, damit ihr Urlaub so schön und erholsam wird, wie sie es sich wünschen. Ich stehe mit Rat und Tat zur Seite und bin immer offen, für einen kleinen Schnack auf dem Hofplatz. Als Journalistin war das ähnlich.

Sie waren als Journalistin sehr erfolgreich. Was hat Sie dazu bewogen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen?

Ich war immer festangestellt, habe nie als freie Journalistin gearbeitet und konnte mir das auch nie vorstellen. Letztendlich blieb mir aber hier keine andere Wahl. Der Hof existierte ja schon. Meine Schwiegermutter hat ihn 40 Jahre aufgebaut und ich durfte ihn nun mit meinen Mann übernehmen. Nun ja – eigentlich mache ich fast alles alleine hier, da meine Mann noch einen festen Job in der Stadt Flensburg hat.

Gab es beim Aufbau Ihres Unternehmens Probleme?

Da es den Ostseehof schon gab, war das Problem, dass meine Schwiegermutter lernen musste, abzugeben. Als ich vor fünf Jahren auf den Hof kam, waren die Häuser relativ altbacken eingerichtet, die Küchen mussten dringend erneuert werden, alles brauchte einen neuen Anstrich. Die Möbel, Teppiche und Gardinen waren in die Jahre gekommen. Da gab es einiges zu tun, damit wieder etwas frischer Wind auf dem Ostseehof wehen konnte. Es wurde so gut wie keine Werbung gemacht – ganz zu schweigen von einer schönen Homepage oder Social Media. Wir haben erst einmal viele Ersparnisse investiert, eine neue Homepage in Eigenregie gebaut, Werbeflyer gestaltet, ein neues Logo entwerfen lassen, auf Facebook eine Seite erstellt etc. Und meine Schwiegermutter musste lernen, dass die Zeit auch nicht spurlos am Ostseehof vorbei gegangen war und dass ein „sieht doch noch gut aus“, nicht mehr reicht. Damit weiter viele Gäste herkommen, musste einiges verändert werden. Das war schwer für sie. Aber mittlerweile ist sie sehr zufrieden, was wir draus gemacht haben.

Was ist aus Ihrer Sicht das A & O, ein Unternehmen zu gründen?

Mut, Selbstvertrauen, ein gutes, durchdachtes Konzept und einige Rücklagen.

Haben Sie bei der Gründung Förderprogramme in Anspruch genommen?

Nein.

Immer wieder heißt es, dass Frauen größere Schwierigkeiten bei der Umsetzung Ihrer unternehmerischen Ideen haben. Können Sie das bestätigen?

Warum ist das so!? Ich finde eigentlich, dass Frauen die Kreativeren sind und viel besser Multitasking können, als Männer. Sie bedenken viel mehr und können auf mehreren Baustellen gleichzeitig tanzen – die meisten Gründerinnen haben auch noch Kinder zu Hause und einen Haushalt – auch das schaffen sie gleichzeitig alles. Allerdings fehlt Ihnen vielleicht oft der Mut, es tatsächlich zu machen. Selbstvertrauen. Da sind die Männer tougher.

Wie überwindet man die Angst, eine Idee, an die man glaubt, auch durchzusetzen?

Eigentlich passt der Spruch ganz gut: „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen“ ganz gut zu uns Frauen. Was kann schon groß passieren? Und selbst wenn es nicht klappt – dann ist man um eine Lebenserfahrung reicher!

Ihr Tipp für andere Gründerinnen?

„Mädels, ihr schafft das! Glaubt an euch – dann wird das schon!“

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