Gründerinnen-Stories

Meine Arbeit ist selten monoton – Karolin Siebert ist Ironhack-Absolventin

Karolin Siebert – Foto Fotografin: Ana Schulz

Die Ironhack-Absolventin Karolin Siebert lebt und arbeitet in Barcelona. Sie hat von Grafik Design zu Software Design gewechselt, nach dem sie das Ironhack Bootcamp absolviert hatte. Mittlerweile ist Sie Software Engineer bei IntelliSense.io.

Frau Siebert, Sie arbeiten in einer für Frauen leider immer noch sehr untypischen Branche, der Softwareentwicklung. Was hat Sie an diesem Job gereizt?

Ich arbeite nun seit vier Jahren in der Branche und habe mir die Frage natürlich oft gestellt, warum Frauen immer noch in der Unterzahl sind. Natürlich ist es eine große Herausforderung, wie in meinem Fall, in einen technischen Beruf umzusteigen, die sich aber in jeden Fall lohnt, da ich nun große Freude an meinem Beruf als Programmiererin habe.  Besonders gereizt hat mich die Tatsache, dass man in der Branche ständig neue Technologien aneignen muss, was natürlich auf den ersten Blick auch mühsam erscheinen kann. Meine Wahrheit ist allerdings, dass man dadurch seine Arbeit selten als monoton empfindet, da man sich ständig weiterentwickelt. Und tatsächlich fängt man nicht jedes mal von Vorne an, wenn es darum geht eine neue Sprache zu lernen, sondern man findet Muster, Konzepte die man schon aus einer andere Sprache kennt, die man nun wieder verwenden kann.

Bestimmt kommt auch ein bisschen Abenteuerlust dazu, ich fand es eigenartig, dass es Berufe gibt, die scheinbar typischerweise, genau wie in der Fragestellung erwähnt, weniger verlockend für Frauen sind. Ich glaube ich wollte mich selber testen und sehen, ob ich da reinkomme. Und eine  Faszination für Technologie kommt natürlich auch dazu. Aber man muss nicht ständig in dunkeln Keller sitzen und alte Computer auseinander und zusammenbauen und jedes Einzelteil verstehen, um darauf vorbereitet zu sein sich für IT-Berufe zu interessieren und langsam den Einstieg zu finden.

Ein bisschen Lust zu rätseln und Lust komplexe Probleme zu lösen reicht!

Ich glaube das Bild, was man so im Allgemeinen von Programmierern hat, die relativ frei arbeiten, reisen können, um von besonderen Orten,  zu frei gewählten Zeiten zu arbeiten hat mich natürlich auch gereizt. Ich finde es schwierig durch meinen Arbeitgeber in festen Rahmen eingeengt zu sein, ich finde die Tätigkeit des Programmierens eine sehr kreative Aktivität, für die Freiraum sehr förderlich ist. Wenn ich zum Beispiel vor der Arbeit schon mal eine halbe Stunde schwimmen war, zwischendurch spazieren gehen oder was koche, bin ich viel stressresistenter und habe mehr neue Ideen und Lösungsansätze.

Wie sind Sie überhaupt zu dieser Berufswahl gekommen?

Ich habe vorher für sechs Jahre als Grafikerin gearbeitet, fand aber die Stellen und Projekte, nach ein paar Jahren etwas eintönig und oberflächlich. Des weiteren ist es auch nicht ganz unkompliziert in Berlin als Grafikerin zu arbeiten und sich dabei herausgefordert zu fühlen. Ich wollte definitiv nicht in der Werbung arbeiten und habe mich außerdem auch eher für wissenschaftliche Branchen interessiert. Mein Fokus als Grafikerin lag immer auf Infografik und Wissenschaftsvisualisierung. Irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, dass ich mit interaktiven Infografiken, die Daten in Echtzeitdaten darstellen kann, was eine gedruckte Infografik in einem Buch oder der Zeitung ja gar nicht leisten kann und wollte unbedingt lernen wie ich die selber programmieren kann. Ich habe dann angefangen selber mit Onlinekursen und Miniprojekten angefangen zu lernen.

Sie haben 2014 das Bootcamp Ironhack besucht. Was war Ihre Intention dieses Camp zu besuchen?

Für mich war klar, dass ich nicht nochmal anfangen will zu studieren, da ich immer lieber mit angewandten Themen gelernt habe und ein Studium sehr theoretisch sein kann. Außerdem wäre ein Vollzeitstudium denke ich sogar noch kostenaufwändiger, da man ja nebenbei wenig Zeit zum Arbeiten hat. Ich finde ein Bootcamp ersetzt in keinem Fall ein Studium, da es nur um eine praktischere Erweiterung der Kenntnisse geht, was genau das war, was ich gesucht habe. Was ich natürlich auch hilfreich fand ist, dass Ironhack in den Beschreibungen des Bootcamps darstellte, dass sie auch anbieten einen nach bei der Jobsuche zu  begleiten. Noch dazu ist die Ausbildung auch sehr persönlich, was much am Ende 100% dazu überzeugt hat den Kurs zu machen, mit vorherigen Absolventen zu kommunizieren, denen Ironhack echt viel gebracht hat.

Und mit welchen Ideen, Erfahrungen und Knowhow sind Sie da wieder raus?

Das Wichtigste, was ich aus Ironhack gelernt habe, war, die Berührungsängste mit Code zu verlieren. Ich weiß noch wie mir am Anfang regelrecht schwindelig wurde, wenn ich einen ganzen Screen voll Code irgendeiner Sprache vor mir sah. Wenn man anfängt, schreibt man kleine Funktionen mit 2-3 Zeilen und ist ganz stolz und mit der Zeit werden es immer komplexere, größere Probleme, die man allein oder mit einem Team lösen kann.

Außerdem geht es auch zu großen Teilen darum, einen Überblick über bestehende Fachbegriffe zu gewinnen. Dieses Wissen kann dann später vorbeugen, dass man sich eingeschüchtert fühlt. Und natürlich lernt man echt viele Ansätze nicht nur theoretisch, sondern sofort anzuwenden.

Aktuell arbeiten Sie in Barcelona. Die Erfüllung eines Traums oder einfach passiert?

Ich bin nur für zwei Monate für Ironhack nach Barcelona gegangen. Als ich dann hier ein Angebot für ein Projekt als Programmiererin bekam, habe ich ziemlich schnell zugeschlagen. Mir fiel einfach kein Grund ein, nicht nach Barcelona zu gehen, seitdem bin ich hier. Die ersten Jobs waren hart, aber ich bekam ständig neue Angebote, also habe ich einfach so lange rumprobiert, bis mir ein Job richtig gefallen hat.

Es gibt bereits einige Programme und Projekte, die darauf abzielen, mehr Frauen für den MINT-Bereich zu interessieren. Reichen die aus?

Offensichtlich nicht, es gibt ja immer noch keine Diversität in diesen Bereichen, so lange müssen wir darum kämpfen. Mein Beruf jedenfalls ist nicht schwerer als andere, mir fehlen manchmal aber nette Mitprogrammiererinnen.

Was würden Sie anderen Frauen oder Mädchen mit auf den Weg geben wollen, wenn Interesse am Bereich der Softwareentwicklung besteht?

Wenn sie irgendwas an technischen Berufen reizt, würde ich nicht lange fackeln und theoretische Überlegungen anstellen, es hilft nur ausprobieren und testen, ob einem Spaß macht. Freecodecamp ist super um einen Einstieg zu finden, obwohl es für mich persönlich nach einer Weile sinnvoller war, einen Kurs zu besuchen, bei dem ich mit anderen zusammen lernen kann. Man kommt einfach schneller voran. Außerdem gibt es in fast jeder Stadt kostenlose Meetups zum Beispiel Codebar, was gut zum Ausprobieren ist. (wir organisieren eins davon in Barcelona)

Also mein Tipp: eher ausprobieren, als zu lange überlegen!

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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