Gründerinnen-Stories

MyPepita – Zwei Gründerinnen und eine Idee

Zwei Münchnerinnen, Donja Pitsch und Petra Krauß haben aus den zwei Metropolen München und Paris heraus eine gemeinsame Geschäftsidee entwickelt. Ihre jahrelange Erfahrung in der Modebranche kommt ihnen dabei zu Gute: Beide betreiben den Mode-Onlineshop MyPepita für Damenmode ab Größe 42.

Was gab den Impuls sich selbstständig zu machen?

Petra Krauß: Mein Alter. Ich habe mich gefragt, was ich noch erreichen will. Ich habe über 20 Jahre für renommierte, große Firmen gearbeitet, hatte sehr gute Positionen und tolle Arbeitgeber. Aber jetzt war der richtige Zeitpunkt, wie auch bei meiner Partnerin Donja, dass wir noch etwas Eigenes auf die Beine stellen wollten. „Wenn ich das jetzt nicht mache, dann nie“, dachte ich mir. Die Idee war auch schnell geboren. Wir lagen in unseren Zielvorstellungen sehr nahe beieinander. Da ich im Einkauf und in der Produktion großer Unternehmen tätig war, die Konfektionsgrößen 36 bis 42 bedienen – ist das Thema kein Neuland für mich. Nach genauerer Marktanalyse und vielen Recherchen, stand für uns beide fest, dass wir einen Fashion Online Shop für Mode ab Größe 42 eröffnen. Wir hatten Lust kurvenreiche Fashionistas mit modischer und anspruchsvoller Kleidung zu stylen. Jetzt verkaufen wir genau die Kleidung, die auch Frauen von Größe 36 bis 42 tragen, nur eben in großen Größen – denn genau hier fehlt es!

Donja Pitsch: Einfach nochmals etwas anderes auszuprobieren. Ich glaube es war der Moment wo ich mir sagte, wenn ich es jetzt nicht versuche , dann starte ich nichts mehr neues in meinem Leben. Seit meinem 20. Lebensjahr bin fast ständig „on the road“. Erst Karriere als Model in London und Paris , dann Moderedakteurin und jetzt schon seit über 15 Jahren Fotografin in Paris. Es waren tolle Zeiten. Ich bin in der ganzen Welt herumgereist, aber irgendwie fühlte ich, dass der Moment etwas Eigenständiges zu gründen da war. Durch die Krise wurde in meinem Beruf als Fotografin, die Kreativität sehr eingeschränkt und das Endprodukt/Foto lebt nur noch durch seinen sehr kommerziellen Wert. Das gab mir den Ansporn mein eigener Chef zu werden. Ich wollte gegen diese Entwicklung zu arbeiten. Warum sollte man gerade in schlechteren Zeiten nicht mit einer kreativen Idee erfolgreich sein?
Petra, meine Partnerin, kenne ich schon aus Schulzeiten. Jedes Mal wenn ich in München bin treffen wir uns. Wir beide haben nach der gemeinsamen Schulzeit ganz unterschiedliche Wege eingeschlagen, aber der Zufall hat uns beide in die Mode gebracht. Ich glaube auch bei ihr war der Zeitpunkt reif, eine eigene Geschäfts-Idee zu verwirklichen.
Durch viele Gespräche und Marktanalysen haben wir uns auf das konzentriert, was wir beide am besten können und was uns am meisten Spaß macht: MODE. Wir haben schnell festgestellt, dass es in der Plus Size Mode immer noch selten ist, tolle modische und anspruchsvolle Kleidung zu finden.
Und da sahen wir unser Herausforderung: Kollektionen zu erstellen (und langfristig auch selbst zu entwerfen und zu produzieren), die man in jedem coolen Modeladen oder E-Shop sieht. Doch bei uns fängt es erst ab Größe 42 an. Unsere Achse München-Paris gibt uns Zugang zu internationalen Designern und so entstand „ MyPepita“ – unsere erste eigene Firma.

Wie lange hat es gedauert von der ersten Idee bis zur Anmeldung des Unternehmens?

PK: Das ging relativ schnell. Da wir ziemlich schnell wussten, was wir machen wollten, ging es gleich los mit der Konzepterstellung, der Planung, vielen Recherchen, Seminaren, Gesprächen bei der IHK, mit den Banken. Wir haben uns Shopsysteme angesehen und vieles mehr. Als wir nach ca. sechs Monaten intensiver Vorarbeit mehr oder weniger alles zusammen hatten, gründeten wir auch gleich schon unsere GmbH.

DP: Sechs Monate, das ging sehr schnell. als wir uns auf das Thema „ Mode in großen Größen“ geeinigt hatten, wollten wir sofort loslegen. Man hat im Hinterkopf immer den Gedanken, dass man ja vielleicht auch nicht der einzige ist mit dieser Idee. Je mehr man darüber nachdenkt, umso mehr Fragen stellt man sich und damit riskiert man auch den Anfangs-Mut zu verlieren. Es ist ein bisschen wie beim Sport: es entstehen Glückszustände und eine eigenständige Energie durch die Endorphine, die einen antreiben. Das wollten wir nicht verlieren.

Was waren die größten Hemmnisse?

DP: Ich glaube die Gründung der GmbH. Das war viel Arbeit mit Papieren, Behörden, Anwalt, Steuern, Notar …
Da geht gleich viel vom Startkapital bei drauf. Nach der ganzen Prozedur hat man das Gefühl ,man hätte Schuhe aus Stein an, die einen das Vorwärtskommen sehr erschweren. Die Leichtigkeit der Anfangseuphorie wird durch die Schwere der gesetzlichen Normen und Regelungen schnell gebremst. Jeder Schritt muss wirklich sehr gut überlegt werden – Alice im Wonderland trifft auf die Wirklichkeit …
Und dann natürlich noch die große Suche nach einer Bank, die Gründerinnen unterstützt und erlaubt ein Firmenkonto zu eröffnen ohne gleich 50% des Kapitals als Kaution einzufrieren.

PK: Wie Donja schon gesagt hat, anfänglich waren wir sehr euphorisch, sprudelten über von Ideen und waren uns 100 prozentig sicher, diesen Weg zu gehen. Als es dann daran ging die GmbH zu gründen, sich mit der Satzung auseinander zu setzen und der Termin beim Notar feststand, kamen mir zum ersten Mal Gedanken, ob wir das auch wirklich machen sollen. Ein weiterer Punkt war die Auswahl des Shopsystems. Wir wollten uns nicht gleich eine teure Miet-oder Kaufsoftware zulegen und haben uns erst einmal für ein anderes System entschieden, das günstiger ist, allerdings auch einige Lücken aufweist. Da heißt es dann eben „in den sauren Apfel beißen“ und Kompromisse eingehen. Aber ich glaube, wir haben das bis jetzt sehr gut gemeistert.

Wer oder was hat Sie unterstützt?

PK: Mein Mann und meine beiden Töchter stehen voll und ganz hinter mir und unterstützen mich wo immer es geht. Donja und ich, haben uns gegenseitig immer angespornt. Alleine hätte ich es nie gemacht.

DP: Eine Partnerin zu haben und meine Freunde und Familie, die an unsere Idee glaubten.

Haben Sie Förderprogramme genutzt / beantragt?

PK: Nein, wir haben keine Förderprogramme in Anspruch genommen, was aber nicht heißen soll, dass wir nicht irgendwann nach einem Investor schauen werden.

DP: Nein, wir sind beide zu „alt“ um als junges Start Up unterstützt zu werden und Mode ist kein Thema das Investoren oder Förderprogramme anzieht.

Was würden Sie mit dem Wissen von heute anders machen?

PK: Eigentlich nichts. Wir waren uns beide von Anfang an einig, dass wir erst einmal klein anfangen, um den Markt zu testen und zu sehen wie unser Shop ankommt und dann erst in alles, was notwendig ist, investieren.

DP: Eigentlich nicht viel, denn es geht ja auch um den Lernprozess bei der Weiterentwicklung.
Nur eine Sache: die genaue Analyse unserer Webseite. Und zwar um sicher zu gehen, dass es keine Fehler gibt, für die man angeklagt werden kann. Leider waren wir am Anfang viel zu naiv. Wir hatten aus Paris einen wunderschönen schicken Bouclémantel in den Shop gestellt und ihn ganz stolz mit „Chanel Style“ betitelt.
Einen Monat später hat uns eine große Anwaltskanzlei aus Hamburg für Unsummen angeklagt, da wir unzulässige Werbung mit deren Mandanten Namen „Chanel“ treiben würden, und das für nur sechs Mäntel! Für ein kleines Start Up wie uns, war das ein schwerer Schlag. Wir hatten unser Kapital für wichtigere Sachen vorgesehen.

Welche Netzwerke nutzen Sie?

PK: Wir arbeiten mit Plussize Bloggerinnen zusammen, haben unseren eigenen Blog, versenden regelmäßig Newsletter und nutzen die sozialen Netzwerke, wie Facebook, Instagram, Google+, Pinterest und Youtube. Außerdem schalten wir Google AdWords- und Facebook – Kampagnen und haben schon ein paar tolle Veröffentlichungen in der Presse.

Ihr Tipp für Gründerinnen:

DP: Nie alleine!  Für die Moral und das Unterstützen ist eine Partnerschaft sehr wichtig.
Nie die Aussage akzeptieren: „Das können sie nicht selbst, dazu brauchen sie einen Fachmann!“
Erstmals viel darüber lesen, im Internet surfen, Stichwörter googeln , im ganzen Freundeskreis fragen, um die Thematik besser zu verstehen. Natürlich kann man nicht alles selber machen, aber alleine schon mal sich mit einem Thema auseinander zu setzen, hilft bei der Diskussion mit „Fachmännern“ und bei der Preisverhandlung.

PK: Da bin ich ganz Donjas Meinung. Es ist wichtig eine Partnerin an der Seite zu haben, mit der man sich ergänzt, mit der man alles besprechen kann. Die Vorbereitung zur Selbständigkeit ist enorm wichtig. Es ist wichtig den Markt genau zu kennen, in dem man sich selbständig machen möchte.
Anfangs muss man sich um viele Sachen kümmern, sich in Themen reinarbeiten, zu denen man vielleicht keine Lust hat und die man wahrscheinlich danach nie wieder machen wird, wie zum Beispiel Buchhaltung oder anderes. Es ist am Anfang sehr wichtig sich mit allem genau auseinander zu setzen, da man so einen besseren finanziellen Überblick behält (Ausgaben/Einnahmen).

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