Gründerinnen-Stories

Pauline Polka revolutioniert mit „mAIdical“ die Augenheilkunde

Pauline Polka ist Gründerin von mAIdical. mAIdical hat sie zusammen mit Marvin Kreft neben dem Studium gegründet. Kreft studiert Medizin und Polka hat kürzlich ihr Zweitstudium der Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen. Vor ihrem Zweitstudium hat sie fünf Jahre als Umweltingenieurin für ein Tunnelbauprojekt gearbeitet. Kreft und Polka kennen sich durch den Founders Club Frankfurt – einer studentischen Initiative der Goethe-Universität Frankfurt.

Was ist die Gründungsidee hinter mAIdical?

mAIdical nutzt Künstliche Intelligenz zur Diagnose von Augenkrankheiten, genauer gesagt zur Erkennung von Makuladegeneration (Vorstufe, feuchte und trockene Makuladegeneration). Makuladegeneration ist die häufigste Erblindungsursache in Industrieländern. Je nachdem welche Form der Degeneration auftritt, kann eine verzögerte Therapie bereits zu Sehverlusten führen. Die Künstliche Intelligenz klassifiziert Netzhautscans aus sogenannten OCT-Geräten. Damit erreicht mAIdical bereits Genauigkeiten von 96% in der Erkennung von Makuladegeneration.

Mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz lassen sich Patientenströme lenken. Das heißt, nur noch die Patienten, denen das System eine rote Ampel zeigt, sehen im weiteren Verlauf einen Augenarzt. Augenärzte werden dadurch von gesunden Routinefällen entlastet und können sich auf die Behandlung erkrankter Patienten fokussieren. Der Augenarzt zählt in Industrieländern zu den Mangelberufen. Es werden zwar mehr Augenärzte ausgebildet, gleichzeitig steigt jedoch die Risikogruppe der über 60-jährigen doppelt so schnell, wie die Rate der zusätzlich ausgebildeten Fachärzte.

OCT-Geräte lassen sich in Zukunft auch außerhalb augenärztlicher Praxen und Kliniken einsetzen. Denkbare Einsatzorte sind Optiker, Seniorenheime und Allgemeinärzte. Dieses niedrigschwellige Angebot erhöht die Versorgungsquote und reduziert das Risiko von Sehverlust.

Was gab den Impuls sich selbstständig zu machen?

Vergangenes Jahr habe ich am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik ein Seminar besucht, bei dem wir Röntgenbilder von Lungenkrankheiten mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz klassifiziert haben. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Ich habe nach alternativen Einsatzmöglichkeiten gesucht und mit einem befreundeten Augenarzt gesprochen. So ist die Unternehmensidee entstanden.

Was waren oder sind die größten Hemmnisse bei der Gründung?

Die notwendige Verbindlichkeit von Co-Foundern ist kurzzeitig zum Problem geworden. Wir waren ursprünglich zu dritt aber inzwischen haben wir uns als Zweierteam eingespielt. Zu zweit fallen Entscheidungen auch leichter.

Eine große Herausforderung sind auch geschlossene Software Systeme von OCT-Geräten. IOT-Standards für Schnittstellen gibt es bei OCT-Geräten noch nicht. Käufer von OCT-Geräten werden jedoch in Zukunft zugängliche Schnittstellen fordern, so dass die Geräte innerhalb bestehender IT-Umgebungen (z.B. Praxissoftware, Kundenverwaltungsprogramm) funktionieren.

Hatten Sie Unterstützung bei der Umsetzung Ihrer Geschäftsidee?

Ja, definitiv. Professor Oliver Hinz und sein Doktorand, Benjamin Abdel-Karim, der Goethe-Universität Frankfurt unterstützen uns sehr. Zum einen habe ich in ihrem Seminar „Informationssysteme“ gelernt, Bilder mit Künstlicher Intelligenz zu klassifizieren. Zum anderen durfte ich bei Herrn Professor Hinz meine Abschlussarbeit über Künstliche Intelligenz in der Augenheilkunde schreiben. In der Arbeit habe ich ein Neuronales Netz mit Netzhautscans trainiert und mich mit der Anbindung dieses Netzes an OCT-Geräte beschäftigt.

Außerdem treffen wir uns zudem regelmäßig mit einem befreundeten Augenarzt, der uns nützliche Paper empfiehlt und mit dem wir fachliche Fragen besprechen. Aus meiner Zeit als Vorstandsvorsitzende des Founders Clubs Frankfurt kenne ich viele Leute, die ich bei allen möglichen Schwierigkeiten ansprechen kann. Auch unser privates Umfeld unterstützt uns sehr. Meine Schwester hat beispielsweise bei dem neuen Logo geholfen. Und wenn wir mit befreundeten Informatikern sprechen, entstehen auch oft gute Ideen.

Haben Sie Förderprogramme genutzt bzw. beantragt?

Glücklicherweise werden wir durch das Ideenstipendium gefördert. Das Programm ermöglicht mir in Vollzeit an mAIdical zu arbeiten. Außerdem bekommen wir nützliche Unterstützung durch das YBG Stipendium. Durch den Hessischen Gründerpreis (derzeit Halbfinalisten in Kategorie Hochschule) erhalten wir zusätzliche mediale Aufmerksamkeit. Wir bewerben uns demnächst außerdem für das EXIST-Stipendium, mit dem wissenschaftsnahe Gründungen unterstützt werden.

 

Hier geht es zur Homepage: www.maidical.de

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