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4hundred:

Gründen im Energiesektor: Ilona Ludewig hat es gemacht. Sie erzählt wie man gegen Konzerne wie Eon und RWE besteht.

Frau Ludewig, Sie vertreiben mit Ihrem Unternehmen 4hundred Ökostrom. Wenn man an Energieunternehmen denkt, kommen einem EON oder RWE in den Sinn. Wie kann man im Schatten solcher Konzerne ein Unternehmen aufziehen?

Der Energiemarkt ist hart umkämpft, das stimmt. Inspiriert vom digitalen Wandel der Finanzbranche und dem rasanten Wachstum der Fintech-Szene war uns aber klar, dass wir den Energiemarkt verändern wollen. Unser Riesenvorteil war, dass wir uns von Anfang an im Sinne des Kunden aufstellen konnten. Tarifliche Transparenz, keine Mindestlaufzeit, die vier Prozent Zinsbelohnung und unser volldigitaler Ansatz überzeugen die Leute. So haben wir trotz der komplexen Prozesse im Markt den Durchbruch geschafft und 2018 unseren Kundenstamm in weniger als einem halben Jahr auf 10.000 Kunden verfünffacht. Das war ein Jahresabschluss, der uns mächtig stolz macht und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Die Energiebranche ist keine Branche, die mit weiblichen Vorbildern dienen kann. War es schwierig, sich hier als Unternehmerin zu positionieren?

Vielleicht erlebt man in der Startup-Szene öfter Frauen als bei etablierten Unternehmen. Aber egal, ob Energie oder eine andere Branche – es braucht das richtige Geschäftsmodell und das richtige Team, um die Idee umzusetzen. Ich glaube, wenn man das hat, ist es egal, ob man Frau oder Mann ist.

4hundred ist nicht das erste Unternehmen, das Sie selbst gründen. Sie haben auch schon eine Strategieberatung, eine Bioleder-Firma und eine bilinguale Schule gegründet. War Ihnen eine normale Anstellung zu langweilig?

Ja, es stimmt, 4hundred ist mein viertes Venture. Mein Fachgebiet sind Innovationsstrategie und Digital Service Design. Ich bin das lebende Beispiel, dass die sogenannte Portfolio Career rundum bereichernd ist. Für mich, weil ich mit meinen Ideen und meiner Arbeit wirklich etwas bewegen kann. Und für andere, weil ich Innovation auch für sie vorantreiben kann. Wenn ein spannendes Projekt kommt, berate ich auch jetzt noch gern Startups und Großkonzerne in Fragen zur Zukunft – ihrer eigenen und der des Marktes. In allem, was ich tue, steht – genau wie bei 4hundred – immer der Kundennutzen absolut im Mittelpunkt.

Der klassische Weg einer Karriere ist heute immer seltener. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Ich begrüße das mit großem Beifall. Der rasante Wandel der Gesellschaft und Wirtschaft machen es vor: Die Innovationszyklen werden immer kürzer, die Erwartungen der Verbraucher immer größer. Es ist eine wohlbekannte Statistik, dass es unzählige milliardenschwere Marken vor 15 Jahren noch gar nicht gab. Eine Karriere, die sich über die gesamte berufliche Laufbahn eines Menschen zieht, ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Ohne sich selbst immer wieder zu verändern und neue Herausforderungen zu suchen, geht es einfach nicht. Ständig dazulernen und eigenes Wissen in andere Branchen zu tragen, ist für mich normal. Ich finde es toll, wenn durch vielfältige Erfahrungen Etabliertes positiv verändert werden kann. Dass sich das auch im Bereich Energie so fortsetzt, haben wir uns mit 4hundred zum Ziel gesetzt.

Was gab den Impuls 4hundred zu gründen?

Angefangen hat es mit der Idee „Simple honest energy”. Das hab ich ganz am Anfang für mich auf ein Blatt Papier geschrieben. Der digitale Wandel und das rasante Wachstum der Fintech-Szene war hier die Inspiration, und es war klar: Das wollen wir auch im Energiemarkt erreichen. Wir haben gespürt: das ist es. Und dann haben wir es einfach gemacht.

Hatten Sie Unterstützung bei der Geschäftsidee?

Ich habe unser digitales Energieunternehmen gemeinsam mit Andrew Mack 2017 ins Leben gerufen. Die Unterstützung unserer Netzwerke, beruflich und privat, hat uns dabei beflügelt. Die Investition von OVO Energy, Großbritanniens größtem unabhängigen Energieversorger, war dann im Sommer 2018 der Beweis, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mit OVO als starken Partner können wir den Energieriesen nicht nur die Stirn bieten, sondern den Wandel in der Branche so richtig vorantreiben.

Die meisten Gründungen laufen nicht unbedingt glatt und problemlos. Was waren die größten Hemmnisse bei Ihrer Gründung?

Eindeutig die Bürokratie. Ich wünsche mir für alle Gründer, dass Deutschland mal gründlich mit den völlig veralteten Strukturen aufräumt. Ich hätte da auch schon einige Beispiele und Ideen. Also wer das hier gerade liest und in der Position ist, so eine Veränderung vorantreiben kann, kann sich gerne bei mir melden. 🙂

Was hätten Sie getan, wenn Sie nicht erfolgreich gegründet hätten und 4hundred keinen Erfolg verzeichnen würde?

Dann wäre es sicher etwas anderes gewesen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich eines Tages stehen bleibe oder mir die Ideen ausgehen. Auch in Zukunft möchte ich gern anderen mit meiner Erfahrung Mut machen. Die Vielfalt der Möglichkeiten ist enorm und ich freue mich auf das, was durch Innovation und den Drive der Gründer für uns alle erreicht wird.

Ihr Tipp für andere Gründerinnen!

Eins ist klar: Gründen ist mindestens zehnmal härter, als man sich das vorstellt. So sind Menschen, die inspirieren, unterstützen und auch mal helfend hinterfragen, das Wichtigste für Gründerinnen und Gründer. Keiner kann alles. Ich sage immer: Höre auf die, die hinter dir stehen, und ignoriere Skeptiker und Neider. Gib alles und gib nicht auf!

Vielen Dank!

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