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Ins elterliche Unternehmen einsteigen, darüber habe ich nie nachgedacht

Angelika Vermeulen ist Vorbild-Unternehmerin. Sie steht dem Betrieb vor, den schon ihr Großvater geleitet hat, den Bedachungsgroßhandel Vermeulen. Die Dachdeckerei, eine reine Männerdomäne, aber auch ein Beruf, den die studierte BWLerin gern selbst übernommen hätte.

Frau Vermeulen, Sie arbeiten in einer männerdominierten Branche. War das ein Vor- oder eher ein Nachteil?

Angelika Vermeulen

Angelika Vermeulen

Weder noch. Für mich ist dieser Beruf normal, da ich damit aufgewachsen bin.

Ihr Unternehmen ist seit vier Generationen in Familienbesitz. Wann war Ihnen klar, dass Sie in den elterlichen Betrieb einsteigen wollen?

Ja, das ist schwierig zu beantworten. Eigentlich war es mir und meinen Eltern immer schon klar, dass ich in den Betrieb einsteige. Ich habe nie darüber nachgedacht. Wir haben über dem Betrieb gewohnt und ich habe dort auch viel gespielt. Und so bin ich dort hineingewachsen.

Ich selbst wäre furchtbar gern Dachdeckerin geworden. Aber zu der Zeit war das kein Beruf für Mädchen. Und so bin ich nach der Ausbildung in den Betrieb eingestiegen. Ich habe es aber auch nie bereit!

Sie hatten den eigentlichen Berufswunsch Dachdeckerin. War das zu der Zeit nicht möglich?

Vielleicht wäre es möglich gewesen, aber ich habe mich dann auch nicht wirklich darum bemüht. Es war zu exotisch. Heute können Mädchen Dachdeckerin werden. Aber es ist auch heute noch schwierig einen Betrieb zu finden, der Mädchen ausbildet. Denn die Gesetzgebung verlangt beispielsweise ein eigenes WC für Frauen. Das können sich manche Betriebe mit drei oder vier Angestellten dann einfach nicht leisten.

Der Beruf ist natürlich auch körperlich anstrengend und deshalb meiner Meinung nach eher was für Jungs.

Aber hätten sich meine Eltern damals vor 40 Jahren richtig dahintergeklemmt, wäre es vielleicht auch für mich möglich gewesen.

Sie arbeiten schon einige Zeit als Unternehmerinnen. Ist es immer noch spannend?

Tagtäglich von Neuem. Mein Beruf bringt jeden Tag neue Herausforderungen, sodass kein Tag dem anderen gleicht und sich auch kein Alltag einschleifen kann.

Sie wurden zur Vorbild-Unternehmerin gewählt. Was macht für Sie eine Vorbild-Unternehmerin aus?

Zum einen die Erfahrung des Unternehmerseins. Und zum anderen muss ich für meine Sache brennen. Ich persönlich als Vorbild-Unternehmerin will meine Erfahrung weitertragen und andere Menschen ermutigen, die Ideen, die sie im Kopf haben, zu verwirklichen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Aber man muss von seiner Idee überzeugt sein!

Welches konkrete Ziel wird Ihrer Meinung mit dem Netzwerk der Vorbild-Unternehmerinnen verfolgt?

Das Ziel ist, dass sich Menschen mit einem Gründungsgedanken auch trauen zu gründen und sich selbstständig machen. Genau das hat Bundeswirtschaftsminister Gabriel bei der Eröffnungsveranstaltung der Vorbild-Unternehmerinnen auch klar als Ziel angegeben.

Für die Wirtschaft ist es ganz wichtig, dass Frauen nach der Familienpause mit Ideen ins Berufsleben zurückkehren.

Ich bin bei der Käthe Ahlmann Stiftung und dem kfd, der katholischen Frauengemeinschaft Deutschland, als Mentorin gelistet, um Jungunternehmerinnen und Frauen nach der Familienpause beim Wiedereinstieg ins Berufsleben zur Seite zu stehen. Kommt ein Mentoring zustande, begleite ich die Frauen ein halbes bis ein Jahr. Einmal im Monat treffen wir uns oder telefonieren. Je nach Bedarf.

Gibt es einen Austausch mit anderen Vorbild-Unternehmerinnen?

Ja, den gibt es. Es sind in diesem Jahr viele Veranstaltungen geplant, die auch einen intensiven Austausch beinhalten, wer was macht und anbietet. Hier am Niederrhein haben wir uns zu viert zusammengetan und 2015 einiges versucht zu bewegen. Bei der IHK gab es einen Vortrag über Selbstständigkeit und Karrierechancen, dann gab es Gründertage und ich war in der Internationalen Schule in Neuss. Das war sehr spannend, da ich sowohl auf Schüler und Schülerinnen als auch auf Jungunternehmerinnen und Frauen, die wieder in den Beruf einsteigen wollen, getroffen bin. Was mich dabei sehr beeindruckt hat, war das sehr fortschrittliche Denken und die wirklich interessanten Fragen, die gestellt wurden.

Reicht ein solches Projekt eigentlich aus, um auf das weibliche Unternehmertum aufmerksam zu machen?

Nein, das reicht nicht aus. Das kann nur eine Initialzündung sein, die immer wieder in den Vordergrund gestellt werden muss.

Viele Themen, die speziell Gründerinnen und Unternehmerinnen ansprechen sollen, sind viel zu gering in der Öffentlichkeit vertreten. Was wäre Ihrer Meinung nach wichtig, um hier mehr Sichtbarkeit zu erzeugen.

Wir müssen immer wieder auf das Thema aufmerksam machen und es nach vorn stellen. Frauen sind mutig, nur bei der Planung oft zu vorsichtig. Sie trauen sich häufig nicht genug zu, sie sind zu zurückhaltend.

Da müssen wir schon bei den Mädchen in der Schule anfangen und ihnen so lange erzählen was möglich ist, bis es sich in den Köpfen festgesetzt hat.

Vielen Dank für das Gespräch!

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