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Bessere soziale Absicherung für Solopreneure – Vorschläge gesucht

Wie kann für die Gruppe der Soloselbstständigen eine zukunftsfähige soziale Absicherung erreicht werden? Damit setzt sich das zweite Dialogpapier der Projektgruppe #NeueZeiten der SPD-Bundestagsfraktion auseinander.
Der Digitale Wandel und der Wandel der Arbeitswelt bringen auch einschneidende Veränderungen bei den verschiedenen Formen der Erwerbstätigkeit mit sich. In den letzten zwanzig Jahren ist die Zahl der Solopreneure stark angestiegen. Insgesamt 2,35 Millionen Einzelunternehmer ohne weitere Mitarbeiter wurden 2014 in Deutschland verzeichnet. Im Vergleich dazu gab es nur 1,9 Millionen Selbstständige mit Angestellten.

Frauenanteil überdurchschnittlich gestiegen

Seit der Wiedervereinigung läßt sich der Anstieg der Soloselbstständigkeit nachweisen. Treibende Faktoren waren dabei auch der Wegfall des Meisterzwangs für einige Berufe (2004) und die Förderung von Ich-AGs (2005 und 2006). Auffällig ist die Struktur dieser Gruppe: Solopreneure haben ein überdurchschnittliches Qualifikationsniveau, sind häufig in Teilzeit tätig und sind zu einem größeren Anteil Frauen. Das wiederum zeigt, dass auch die unzureichende Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine treibende Kraft ist.

Fast 50% des Anstiegs der Zahl der Soloselbstständigen seit 2000 wurde von Frauen getragen. Der Frauenanteil stieg in dieser Zeit von 33 Prozent auf 37 Prozent . Bei Unternehmern mit Mitarbeitern haben Frauen nur einen Anteil von 24%. Eine weitere Erklärung für den höheren Frauenanteil liegt auch in den Tätigkeitsbereichen: Soloselbstständigkeit findet sich besonders häufig u.a. bei Lehrpersonen/Dozent(inn)en, Dolmetscher(inn)en, Psycholog(inn)en, pflegerischen Berufen, Kosmetiker(inne)n. Und auch hier liegt die Teilzeitquote von Frauen deutlich über derjenigen der Männer.

Verdienstniveau teilweise unter Mindestlohn

Die ökonomische Situation von Solopreneuren ist sehr unterschiedlich. Das Verdienstniveau klafft in keiner anderen Gruppe (abhängig Beschäftigte, Unternehmer mit Angestellten) soweit auseinander. Die Hälfte der “Einzelkämpfer” erreicht höchsten 12,70 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde. Dieser Medianwert bleibt damit unter dem Wert von Selbständigen mit Beschäftigten (17,86 Euro) und sogar noch unter dem Wert der Arbeitnehmer (13,86 Euro). Aber es geht noch drastischer: mehr als ein Viertel aller Soloselbstständigen erzielt weniger als den inzwischen geltenden Mindestlohn für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von brutto 8,50 Euro pro Stunde.

Soziale Absicherung für Solopreneure reine Privatsache

Solopreneure sind wie alle Selbstständigen für die Absicherung der Lebensrisiken selbst verantwortlich. Sie wirtschaften aber vielfach ohne bzw. nur mit sehr geringen eigenen Vermögenswerten auf einem viel eher dem Arbeitnehmerbereich vergleichbaren Einkommensniveau. Ihnen ist ihre mangelnde Absicherung vor allem gegen Altersarmut, in Einzelfällen auch gegen Krankheit, durchaus bewusst. Sie sehen sich aber – selbst angesichts der bereits bestehenden Möglichkeiten, sich freiwillig im gesetzlichen System zu versichern – finanziell überfordert.

Pflichtversicherung im sozialen Gefüge als Lösung?

Macht es Sinn Solopreneure zu verpflichten, in die GKV, die Arbeitslosenvresicherung und die Gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen? Wie regelt man die Beitragsbemessung bei stark schwankenden Einkommen und minimalen Einkommen?  Es gibt hier bereits einige – sicher auch streitbare – Vorschläge, die man hier nachlesen kann.

Mitgestaltung ist gefragt

Doch was die wenigsten wissen: Hier ist Mitbestimmung gefragt. Noch bis zum 24. März 2016 kann man der Arbeitsgruppe Vorschläge und Hinweise,  wie für die in den letzten zwei Jahrzehnten spürbar angewachsene Gruppe der (Solo-)Selbständigen in Deutschland eine zukunftsfähige soziale Absicherung erreicht werden kann, unterbreitet werden. Bringen Sie Ihre Stellungnahmen zu den hier beschriebenen konkreten Lösungs- und Reformoptionen für die verschiedenen Handlungsfelder mit in die Diskussion ein. Im Rahmen eines Dialogforums im Frühsommer 2016 werden dann ausgewählte Fragen und Aspekte noch einmal vertieft diskutiert.

Wer der Projektgruppe Anregungen und Ideen zu einer besseren sozialen Absicherung von Soloselbständigen geben möchte, kann bis zum 24. März 2016 eine E-Mail an den Projektreferenten senden  oder die eigenen Vorschläge auf der Ideenplattform des Projekts einreichen.

 

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