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Der Hollywood-Faktor – US-amerikanische Serien als Berufswahlhilfe

Seit in den USA Krimiserien, in denen promovierte Chemikerinnen die Beweismittel analysieren, alle Einschaltrekorde brechen, ist der Anteil an Frauen in den sogenannten STEM-Fächern Science, Technology, Engineering, Mathematics an den Hochschulen sprunghaft gestiegen.
Berufswahl

Wenn Abby Sciuto in ihrem Labor herumwirbelt, schauen viele junge Amerikanerinnen am Fernseher gebannt und begeistert zu. Abby ist die forensische Analytikerin aus der US-Krimiserie NCIS, die eine Zeit lang die meistgesehene Fernsehserie der Welt war.

Abby gilt als Kultfigur und ist zu einem Vorbild bei der Berufswahl vieler Amerikanerinnen geworden. Die Filmfigur hat zahlreiche Studiengänge mit Auszeichnung abgeschlossen – so hat sie einen Mas­terabschluss in Kriminologie und forensischer Wissenschaft sowie einen Doktortitel in Chemie.

Tatsächlich lassen sich junge Leute bei ihrer Berufswahl stark vom Fernsehprogramm beeinflussen, wie eine Befragung des Bundesforschungsministeriums von 2.457 Jugendlichen aus dem Jahr 2010 zeigt: So gab jede vierte junge Frau an, durch Filme und Serien auf den späteren Wunschberuf aufmerksam geworden zu sein.

Damit beeinflusst der Fernsehkonsum deutlich mehr junge Frauen in puncto Berufswahl als der Schulunterricht (13 Prozent) oder die Berufsberatung (17 Prozent).

Aber welche Berufe kommen in Filmen, Serien und Soaps hierzulande überhaupt vor? Dieser Frage ist das Projekt MINTiFF – MINT in fiktionalen Formaten – nachgegangen, indem es das Programm von ARD, ZDF, RTL, SAT1 und Pro7 in den Jahren 2009 und 2011 jeweils über 14 Tage analysiert hat. Das ernüchternde Resultat: Zwar stand bei 56 Prozent der männlichen, aber nur bei 40 Prozent der weiblichen Haupt- und Nebenrollen der Beruf im Zentrum des Handelns. Lediglich 0,7 Prozent der weiblichen Figuren arbeiteten in Forschung und Naturwissenschaft und sogar nur 0,5 Prozent in einem technischen Beruf.

Das ist in amerikanischen Serien und Spielfilmen ganz anders. Seit dem Start der Krimiserie CSI im Jahr 2000 ist ein regelrechter Hype um naturwissenschaftliche Berufe entstanden. Gerade die Frauen haben sich dadurch für die STEM-Fächer begeistern lassen (Grafik):

Inzwischen legen in den USA weit mehr Frauen als Männer ihre Doktorprüfung in Pharmazie und Biologie ab, in Chemie sind schon vier von zehn Doktoranden Frauen.

Und im Berufsleben? In den USA ist der Anteil der Frauen in den STEM-Berufen von 7 Prozent im Jahr 1960 auf inzwischen 26 Prozent gestiegen. In Deutschland lag der Frauenanteil unter den 7,3 Millionen MINT-Beschäftigten 2013 nur bei 14 Prozent. Allerdings gibt es hierzulande prozentual gesehen mehr Ingenieurinnen als in den USA: Dort ist der Anteil von 3 Prozent im Jahr 1970 auf 13 Prozent im Jahr 2013 gestiegen, in Deutschland dagegen von 2 Prozent im Jahr 1975 auf mittlerweile fast 19 Prozent.

Selbst für vermeintlich dröge Disziplinen wie Mathe gibt es Begeisterungskonzepte. Als in den USA 2005 die Krimiserie NUMB3RS erfolgreich angelaufen war, sah das Unternehmen Texas Instruments (TI) die Chance, Mathematik in der Bevölkerung und vor allem bei Schülern beliebter zu machen.

In der Serie löst ein FBI-Agent mit der Unterstützung seines Bruders, einem Mathematikprofessor am California Institute of Technology, erfolgreich seine Fälle. TI entwickelte in Kooperation mit der produzierenden Fernsehgesellschaft CBS und dem amerikanischen Verband der Mathematiklehrer Unterrichtsmaterialien. Als Programm „We all use math every day“ erstellten sie die Materialien mit Bezug zu jeder einzelnen Folge der Krimiserie und gewannen später zahlreiche Preise damit. Und auch in NUMB3RS gibt es weibliche Vorbilder: zwei clevere und toughe Mathematikprofessorinnen.

Quelle:  iwd Nr. 36 vom 3. September 2015.

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