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Equal Pay oder Equal Stay – Wie viel Gleichgültigkeit verträgt die Gleichberechtigung?

Am 18. März 2017 fand die Berlin der Kongress zum 10. Equal Pay Day statt. Seit 10 Jahren machen Frauen aus Politik und Verbänden auf die Lohnlücke zwischen Männer und Frauen aufmerksam. Der Effekt: sie hat sich in diesen 10 Jahren von 23% auf 21% verringert.

Das Recht ist da, es fehlt die Umsetzung

Man soll ja auch kleine Erfolge feiern. Aber so richtig mag die Feierstimmung nicht aufkommen. Angesichts der Tatsache, dass bereits in der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 in Artikel 23 Absatz 2 eindeutig festlegt:

“Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.”

Was im Klartext bedeutet: Seit 68 Jahren gilt das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit, verstanden sowohl als einklagbares Recht wie auch als Auftrag an die Staaten, Lohndiskriminierung – etwa aufgrund des Geschlechts oder der Rasse – zu verbieten.

Und wir feiern, dass wir seit 10 Jahren darauf hinweisen.

Man kann es noch weiter auf die Spitze treiben: Bereits 1916, als die Kriegsindustrie vermehrt auf die Arbeitsleistung von Frauen zurückgreifen musste, gab es Forderungen der Gewerkschaften und der Sozialdemokraten nach gleicher Bezahlung für gleiche Leistung. Die Rufe verhallten im Kriegsgetöse.

Equal Pay oder Equal Stay?

Wir fordern also seit 111 Jahren “Equal Pay” und seit 68 Jahren haben wir ein einklagbares Recht. Und im Jahr 2017 diskutieren wir immer noch mit Arbeitgebern und politischen Lagern darüber, ob die Größe der Lücke so stehen bleiben kann oder durch Lebensumstände, unterschiedliche Sozialisierung von Mann und Frau und die genetisch veranlagte Gebärfähigkeit des weiblichen Geschlechts bereinigt werden muss.

Und wenn man dann durch die Republik reist, um Veranstaltung zu besuchen, die hierfür Lösungen finden wollen, und man immer wieder auf die gleichen bekannten Aktivistinnen trifft, dann stellt sich die Frage: Wollen wir überhaupt alle “Equal Pay” oder reicht “Equal Stay” – alles bleibt wie es ist und ich habe meine Ruhe.

Sind Frauen wirklich so unkritisch? Oder anders gefragt, sind wir Kritischen wirklich so eine geringe Masse?
Wo ist der den Frauen nachgesagte Gerechtigkeitssinn, wenn es um ihre eigenen Belange geht? Wann ist das Maß voll?

Wirtschaftliche Rollenverfestigung

Handel und Wirtschaft betreiben mit Macht einen neuen Geschlechterwahn, dass Menschen aus den 50ern glauben, sie haben eine Reise in der Zeitmaschine unternommen. Blau und Rosa dominiert die Welt. Die nachwachsende Generation besteht aus Drachentötern und Prinzessinnen statt aus Programmiererinnen und Altenpflegern – was sicher nützlicher wäre.

Ohne Frage: Es gibt weibliche und männliche Individuen – das ist in Tier und Pflanzenwelt (bis auf einige Ausnahmen) für die Fortpflanzung und das Fortbestehen der Art unabdingbar.

Aber warum gibt es bei unserer Rasse in allen Bereichen diese Zementierung auf die Geschlechter: Wir sind Menschen und der Wert der Arbeit ist geschlechtsneutral. Da interessiert es überhaupt nicht, welches Geschlecht, welche Hautfarbe, welche sexuelle Gesinnung der Mensch hat, der die Leistung erbringt. Ganz klare Sache.

Also, warum kämpfen da so wenige von uns? Mittlerweile kommen uns Männer zur Hilfe. Nämlich die, die feststellen müssen, dass in Branchen und Abteilungen mit hohem Frauenanteil das Lohnniveau auch für den Mann sinkt. Und warum? Damit die geschlechtlich bedingte Lohnlücke nicht so groß ausfällt.

Henrike von Platen möchte im Jahr 2020 den Equal Pay Day am 1. Januar feiern. Dafür müssen aber noch ein paar mehr von uns in Bewegung kommen. Eigentlich nicht nur ein paar. Am besten alle.

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