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FidAR fordert mehr Ambition und weniger Pflichterfüllung bei Frauen in Führungspositionen

  • Bundesministerin Barley: „Die Quote wirkt. Wir setzen auf weiteres Engagement der Unternehmen.“
  • FidAR-Präsidentin Schulz-Strelow: „Umsetzung der Quote ist ein erster Etappensieg. Zielgröße „Null“ ist aber kein Fortschritt.“
  • Aktuelle WoB-Indizes machen teils schleppende Entwicklung transparent.

Berlin, 29.06.2017: Die Zahl der Frauen in Aufsichtsräten deutscher Unternehmen der Privatwirtschaft und der Öffentlichen Hand ist auf ein Rekordhoch gestiegen. In den 185 führenden Unternehmen der Privatwirtschaft sind mittlerweile 25,9 Prozent Frauen in den Kontrollgremien präsent, in den öffentlichen Unternehmen 29,7 Prozent. Die zur Bilanzkonferenz am FidAR Forum IX in Berlin veröffentlichten aktuellen Zahlen des Women-on-Board-Index von FidAR mit Stand 31.03.2017 zeigen: Die im Mai 2015 in Kraft getretene Quote von mindestens 30 Prozent Frauen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat börsennotierter und voll mitbestimmter Unternehmen wurde erfolgreich umgesetzt. Handlungsbedarf besteht aber weiterhin dort, wo der Gesetzgeber bislang auf die Selbstbestimmung der Unternehmen gesetzt hat.

Bundesministerin Barley weist auf Wirkung der Quote hin

„Es gibt keine Zweifel: Die Quote wirkt. Wir haben den Kulturwandel in der Wirtschaft in Gang gebracht. Mit dem Gesetz haben wir die richtigen Weichen gestellt und den Druck erhöht. Es gibt ausreichend qualifizierte Kandidatinnen für Spitzenämter in den Unternehmen – das gilt für die öffentlichen Beteiligungen genauso wie für die Privatwirtschaft. Es gibt aber noch viel zu tun! Auf der Vorstandsebene ist die Entwicklung nicht zufriedenstellend. Wir werden weiter gemeinsam daran arbeiten, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen“, erklärt Bundesministerin Dr. Katarina Barley.

„Die Bilanz für die Aufsichtsratsbesetzung ist gut, aber nur wenige Unternehmen haben sich Fleißpunkte verdient. Dass die Unternehmen die gesetzliche Quote umgesetzt haben, ist ein wichtiger Etappensieg. Das freiwillige Angebot an die über 3.500 börsennotierten oder mitbestimmten Unternehmen wurde aber nur in Ausnahmefällen als Chance genutzt, strategische Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in Vorständen, Aufsichtsräten und den zwei obersten Managementebenen einzuleiten. Das muss sich dringend ändern“, betont FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. „Die Wirtschaft hat bei der gleichberechtigten Teilhabe eine Vorbildfunktion. Das gilt ganz besonders für die Unternehmen der Öffentlichen Hand. Zur guten Unternehmensführung gehören gemischte Teams. Das wird generell nicht mehr angezweifelt. Doch bedeutet es noch nicht, dass entsprechend gehandelt wird. Wenn sich die teils zögerliche Haltung nicht ändert, sollte der Radius der gesetzlichen Regelungen ausgeweitet werden.“

WoB-Index 185 zeigt: Die Quote macht den Unterschied!

Erstmals hat FidAR die 185 im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX sowie die im Regulierten Markt notierten, voll mitbestimmten Unternehmen im WoB-Index 185 gemeinsam untersucht. Dies ermöglicht den direkten Vergleich der aktuell 105 Unternehmen, die unter die feste Quote fallen, mit den 80 DAX-Unternehmen, die lediglich Zielgrößen definieren und veröffentlichen müssen. Mit Stand 31.03.2017 liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 185 Unternehmen bei 25,9 Prozent (2015: 19,9 %). Die aktuell 105 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen erreichen bereits 28,1 Prozent (2015: 21,3 %), die 80 nicht der Quote unterliegenden DAX-Unternehmen nur 19,2 Prozent. Der Frauenanteil in den Vorständen der 185 Unternehmen beträgt 6,8 Prozent (2015: 5 %). Bei den 105 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen liegt der Wert mit 7,1 Prozent Frauen im Vorstand (2015: 4,9 %) nur unwesentlich höher, während bei den Nicht-Quoten-Unternehmen nur 6,3 Prozent erreicht werden.

„Die Quote hat den Unterschied gemacht. Im direkten Vergleich zeigt sich, dass der gesetzliche Druck nötig war, um den Veränderungsprozess zu beschleunigen“, so Schulz-Strelow. „Auch die Zuwachsrate in den Vorständen ist bei den aktuell 105 Quoten-Unternehmen höher – insgesamt bleibt es aber auf der Vorstandsetage bei homöopathischen Zuwächsen. Diese Bilanz ist weiterhin kein Ruhmesblatt!“

FidAR liefert umfassende Befragung

Im Rahmen der Studie zum WoB-Index 185 hat FidAR eine umfassende Befragung zu den Zielgrößen für den Frauenanteil im Aufsichtsrat, Vorstand und in den zwei obersten Managementebenen durchgeführt. 39,9 Prozent der 185 Unternehmen planen danach eine Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsräten, jedoch sehen nur 16,1 Prozent eine konkrete Erhöhung für die Vorstände vor. 105 der Unternehmen haben aktuell keine Frau im Vorstand und geben als Zielgröße „Null“ an (65,2 %). Im Rahmen der Befragung gaben die Unternehmen an, dass sich die Vorstände stärker zur Förderung von Frauen in Führungspositionen bekennen. Nur wenige Unternehmen setzen sich jedoch ehrgeizige Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils.

„Die selbst gesetzten Zielgrößen sind insbesondere für die Vorstandsebene enttäuschend. Zwar war die Frist der ersten Phase bis 30.06.2017 sehr kurz. Aber wenn auch in der nun zu definierenden fünfjährigen zweiten Phase wieder ein Übergewicht bei Zielgröße „Null“ steht, werden wir für eine Ausweitung der verbindlichen Vorgaben eintreten“, erklärt Schulz-Strelow. „Zielgröße „Null“ ist kein Fortschritt!“

Öffentliche Unternehmen bewegen sich schneller – Bundesbeteiligungen liegen vorne

Bei den 415 größten öffentlichen Unternehmen ist der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien auf nunmehr 29,7 Prozent gestiegen. Der Frauenanteil in den Top-Managementorganen liegt mit 17,3 Prozent mehr als doppelt so hoch als in den DAX-Konzernen. Dies zeigt der aktuelle, seit 2014 zum vierten Mal publizierte Public Women-on-Board-Index von FidAR. Vergleichbare Werte erzielen die 98 Bundesbeteiligungen, die gesondert untersucht wurden. Dort liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien bei 29,8 Prozent, in den Managementorganen bei 15,3 Prozent.

Fazit

Der Public WoB-Index, der von FidAR unter wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr. Ulf Papenfuß von der Zeppelin Universität in Friedrichshafen erstellt wird, untersucht einen repräsentativen Querschnitt der Unternehmen der Öffentlichen Hand auf allen föderalen Ebenen, also Bund, Ländern und Kommunen. Die Quote von 30 Prozent Frauen in Aufsichtsräten wird im Durchschnitt erreicht – insbesondere von den insgesamt 118 untersuchten öffentlichen Unternehmen, die börsennotiert oder mitbestimmt sind, und entsprechend auch Zielgrößen für den Frauenanteil in Top-Managementorganen, Aufsichtsgremien und den zwei obersten Managementebenen veröffentlichen müssen.

„Die öffentlichen Unternehmen stehen wie die Privatwirtschaft in der Pflicht. Sie nehmen die Verantwortung immer stärker an“, erklärt Schulz-Strelow. „Schaut man genauer hin, besteht aber weiterhin Handelsbedarf. Das gilt insbesondere für die Unternehmen, die nach dem Bundesgremien­besetzungsgesetz eine paritätische Zusammensetzung der Gremien anstreben sollten.“

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