Aktuelles

FidAR WoB-Index: Frauenquote wirkt nur bedingt

Vier Jahre nach Inkrafttreten der Frauenquote ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten der DAX-Konzerne erstmals über die 30-Prozent-Marke gestiegen. Der Anteil der Frauen in den Kontrollgremien der 185 im DAX, MDAX und SDAX sowie der im Regulierten Markt notierten, voll mitbestimmten Unternehmen stieg seit 2015 um 11 Prozentpunkte auf 30,9 Prozent – Dank der aktuell 105 der Quote unterliegenden Unternehmen, die mit 33,9 Prozent Frauen (+12,5) einen Höchststand erreichen. Die 80 nicht von der Quote betroffenen DAX-Unternehmen verharren seit 2015 mit einem nur schwachen Anstieg bei 21,6 Prozent (+7,9). In den Vorständen verteidigt die Männerquote weiterhin die 90-Prozent-Marke: Der Frauenanteil stieg seit 2015 nur um 4,2 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent – bei den Quotenunternehmen liegt der Anteil bei 9,6 Prozent (+4,8), bei den Nicht-Quotenunternehmen bei 8,5 Prozent (+3,3). Das zeigt der aktuelle Women-on-Board-Index von FidAR mit Stand 30.04.2019. Der WoB-Index misst seit 2010 den Fortschritt beim Frauenanteil in den Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft.

Sanktionen bei fehlender Frauenquote geplant

„Unser Gesetz wirkt. Den starken Anstieg des Frauenanteils in Deutschlands Aufsichtsräten hätten wir ohne den gesetzlichen Druck nie erreicht. In den Vorständen zeigt sich dagegen, dass wir mit unverbindlichen Empfehlungen allein nicht weiterkommen“, betont Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey. „Wir haben den Unternehmen viel Zeit für freiwillige Fortschritte gelassen, jetzt werden wir den Druck erhöhen. Wer weiterhin die Zielgröße „null“ meldet und dies nicht plausibel begründet, muss mit Sanktionen rechnen. Gemeinsam mit dem Bundesjustizministerium werden wir dazu in Kürze einen Gesetzesentwurf vorlegen. Ich bin mir hier mit der Bundeskanzlerin einig: Die zähe Entwicklung in den Vorständen grenzt an eine Verweigerungshaltung. Da müssen spürbare Veränderungen her.“

Die Zielgrößen für den Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und den zwei obersten Managementebenen, die alle börsennotierten oder mitbestimmten Unternehmen im Jahr 2017 zum zweiten Mal definieren und veröffentlichen mussten, sind bei den unter die Quote fallenden Unternehmen etwas ambitionierter. Etwa 35,7 Prozent der Quoten-Unternehmen planen einen Zuwachs des Frauenanteils im Vorstand von über 10 Prozentpunkten. Von den Nicht-Quotenunternehmen sehen nur 19 Prozent einen solchen Anstieg vor. Noch immer haben 122 der 185 untersuchten Unternehmen keine Frau im Vorstand. Das sind 65,9 Prozent. Von diesen planen 69 Unternehmen weiterhin mit Zielgröße Null bis maximal 2022. Die Null steht für von Ablehnung.

Mehr Chancengleichheit in den Führungsetagen

„Der WoB-Index zeigt deutlich, dass leider nur gesetzlicher Druck zu messbaren Veränderungen führt. Die wenigen, der festen Quote unterliegenden 105 Unternehmen, liefern dafür den zahlenmäßigen Beweis. Nicht nur im Aufsichtsrat, auch in den Vorständen oder in den Ausschüssen der Aufsichtsräte liegt der Frauenanteil höher als bei den Nicht-Quotenunternehmen. Außerdem planen diese Unternehmen teils ambitioniertere Zuwächse bei den 2017 festgelegten Zielgrößen für den Vorstand und die 1. und 2. Managementebene“, erklärt FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. „Aber weiterhin fehlt die Ausstrahlung der Quotenregelung auf die Führungsebenen. Zu viele Unternehmen scheinen die Zielgrößen weiterhin nicht ernst zu nehmen und planen keine oder nur geringe Erhöhungen.

Will die Bundesregierung sich hier durchsetzen, ist die Gesetzesvorlage zur Sanktionierung der unbegründeten Zielgröße Null jetzt zwingend erforderlich. Wir fordern aber noch weitergehende Maßnahmen. Wir sehen, dass die feste Quote für 105 Unternehmen zur deutlichen Erhöhung des Frauenanteils führt, die Zielgrößen aber nur sehr bedingt Wirkung zeigen. Wer mehr Chancengleichheit in den Führungsetagen will, muss als erstes die Quote auf die Aufsichtsräte der börsennotierten und mitbestimmten Unternehmen ausweiten, um eine Breitenwirkung zu erzielen. Die zentrale Frage aber lautet: Was muss passieren, damit Unternehmen aus eigenem Interesse eine diverse Unternehmensführung anstreben?“

Der WoB-Index 185 im Überblick

Im WoB-Index 185 werden die 160 im DAX, MDAX und SDAX sowie die 25 im Regulierten Markt notierten, voll mitbestimmten Unternehmen untersucht. Im Mittelpunkt der Studie zum WoB-Index steht der Vergleich der aktuell 105 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen, die der festen Quote unterliegen, mit den 80 nicht voll mitbestimmten DAX-Unternehmen, nicht unter die Quote fallen.

Mit Stand 30.04.2019 liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der insgesamt 185 Unternehmen bei 30,9 Prozent (2018: 28,1 %/2015: 19,9 %). Die 105 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen erreichen 33,9 Prozent (2018: 30,9 %/2015: 21,9 %), die 80 nicht der Quote unterliegenden DAX-Unternehmen nur 21,6 Prozent (2018: 19,6 %/2015: 13,7 %). Der Frauenanteil in den Vorständen der 185 Unternehmen beträgt 9,2 Prozent (2018: 7,3 %/2015: 5 %). Bei den 105 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen liegt der Wert mit 9,6 Prozent Frauen im Vorstand (2018: 8,2 %/2015: 4,9 %) nur unwesentlich höher, während bei den 80 Nicht-Quoten-Unternehmen nur 8,5 Prozent erreicht werden (2018: 5,8 %/2015: 4,9 %). 17 der 185 Unternehmen (9,2 %/2018: 19/10,2 %) haben immer noch frauenfreie Führungsetagen und weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand eine Frau. Alle aktuell 105 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen haben mindestens eine Frau im Aufsichtsrat, 66 Unternehmen haben allerdings keine Frau im Vorstand (2018: 71).

In der Studie zum WoB-Index werden die individuellen Zielgrößen für den Frauenanteil im Aufsichtsrat, Vorstand und in den zwei obersten Managementebenen ausführlich analysiert, die die börsennotierten oder mitbestimmten Unternehmen im Jahr 2017 zum zweiten Mal festlegen mussten und die spätestens bis zum 30. Juni 2022 zu erreichen sind. Zudem werden die ab 2017 definierten Zielgrößen mit den in der ersten Phase 2015 festgelegten Werten verglichen. Zwar fallen die Ziele insgesamt ambitionierter aus, als 2015. Aber nur 19 Unternehmen (12,3 %) haben den Zielwert für den Aufsichtsrat erhöht, bei drei Viertel der Unternehmen (115 / 74,7 %) liegt die Zielgröße auf der Höhe von 2015. Bei den Zielgrößen für die Vorstandsebene sind nur 44 (27,3 %) der Unternehmen ambitionierter als noch vor vier Jahren. Ein positiveres Bild ergibt sich lediglich bei den Zielgrößen für die Managementebenen. Die Mehrheit der Unternehmen (87 / 52,1 %) hat die Zielgrößen für die 1. Managementebene hochgesetzt, für die 2. Managementebene planen knapp die Hälfte (70 / 47 %) mit höheren Zahlen.

Der WoB-Index wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die ausführliche Studie zum WoB-Index 185 kann unter www.wob-index.de eingesehen werden.

Vorheriger Beitrag

Fünf Alternativen zur Gehaltserhöhung

Nächster Beitrag

„Gute-KiTa-Vertrag“ unterzeichnet: 165 Millionen Euro für Brandenburg

kein Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.