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Firma und Familie: Berufstätige Frauen im Spagat

Von Annette Brünn

„Wege entstehen dadurch, dass man Sie geht“, heißt es in einem Zitat von Franz Kafka. Und genau das mag auch für den persönlichen Karriereweg gelten. Doch auf den verschiedenen Etappen warten mitunter Herausforderungen, die nicht jeder alleine bewältigen kann und möchte. Unterstützung bei individuellen Veränderungs- und Wachstumsprozessen bietet der Heidelberger Führungskräfte- und Unternehmer-Coach Thomas Wendel. In seiner Praxis für Systemische Hypnotherapie und Coaching berät er eine Vielzahl an Frauen, die mit unterschiedlichen Anliegen an ihn herantreten und nach Lösungsimpulsen für ihre individuelle Situation suchen. Neben Selbstzweifeln, beruflichen Druck- und Konfliktsituationen begegnet ihm besonders ein Fall immer wieder. „Es kommen häufig Frauen in meine Praxis, die fest im Leben stehen, Unternehmen gegründet, übernommen haben oder sich auf eine Nachfolge vorbereiten, in Führungspositionen arbeiten und sich in den vergangenen Jahren ihres Lebens entweder so sehr auf die berufliche Karriere konzentriert haben, dass sie das Gefühl haben, die Zeit rennt ihnen davon, oder sie fragen sich, wie sie den täglichen Spagat zwischen Familie und Karriere weiterhin schaffen sollen. Die Gemeinsamkeit liegt bei beiden Fragestellungen in dem Gefühl, selbst auf der Strecke zu bleiben und der Überzeugung, dass man alles unter einen Hut bekommen muss: ein erfolgreiches Unternehmen, Kinder, die eigenen Eltern, Partner, soziale Kontakte. Das baut enormen Druck auf“, berichtet Thomas Wendel.

Aus dem Berufsleben aussteigen – längst überholter Lebensentwurf

Familie gründen und dann zugunsten der Kindererziehung aus dem Berufsleben aussteigen oder zumindest das berufliche Engagement deutlich reduzieren  – dieser Lebensentwurf ist für viele Frauen in Zeiten der Gleichberechtigung längst überholt, gerade dann, wenn ein langjähriges Studium endlich abgeschlossen ist. Laut einer Studie von Wissenschaftlern des Essener RWI-Instituts für Wirtschaftsforschung bekommen Akademikerinnen seltener Kinder als Frauen ohne Hochschulabschluss. Wer Ende zwanzig in den Beruf einsteigt, fokussiert sich in der Regel erst einmal auf den beruflichen Aufstieg. Das Bedürfnis nach finanzieller Unabhängigkeit ist für viele Frauen ausschlaggebend, wenn es um die eigene Karriere geht. Gleichzeitig verschiebt sich der Kinderwunsch immer weiter nach hinten, manchmal sogar zu weit und der Zeitpunkt ist verpasst, an dem Familienplanung noch möglich wäre. Hinzu kommt die Sorge, nach der Elternzeit nicht mehr an die Karriere anknüpfen zu können, weshalb der Rückzug aus dem Berufsleben vielen schwerfällt.

Frauen mit Familien stehen wiederum vor anderen Herausforderungen. Kollegin, Führungskraft, Mutter, Partnerin, Tochter – zusammen fordern all diese Rollen meist mehr, als für eine Person machbar ist. Der persönliche Anspruch, allem und jedem gerecht werden zu wollen, resultiert in einem ständigen Zwiespalt zwischen Karriere und Familie, der viele Frauen beschäftigt. Bleibe ich heute länger im Büro, kommt die Familie zu kurz. Widme ich mich Kind und Partner, bleibt weniger Zeit für ein laufendes Projekt. Einen guten Weg zu finden, ist mühsam, nicht zuletzt, wenn ein beruflicher Aufstieg ansteht. „Ob Frauen mit Familie oder jene, die sich eine Familie wünschen, beide werden zwar mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert, befinden sich allerdings in einer ähnlichen Situation. Sie kommen an einen Punkt, an dem sie fühlen, dass etwas nicht stimmt und sie gerne etwas ändern möchten“, kommentiert Thomas Wendel.

Beruf vs. Privatleben: Mutti macht das schon, oder?

Gerade in Führungspositionen lässt ein Fulltime-Job oftmals wenig Freiraum für das Privatleben. „Viele meiner Klientinnen erzählen, dass sie feststellen, dass sich die Ansprüche, die sie an sich selbst in Bezug auf die Familie und das Berufsleben haben, gar nicht erfüllen lassen. Oft kommt das Gefühl auf, einfach nicht gut genug zu sein, um allen Anforderungen zu genügen“, so Thomas Wendel. Zukunftsängste entstehen besonderes dann, wenn Frauen sich mit der Entscheidung konfrontiert sehen, die nächste Stufe auf der Karriereleiter zu nehmen, oder mehr Zeit in Partnerschaft und Familie zu investieren. Was, wenn es die falsche Entscheidung war, beruflich zurückzutreten? Gelingt es mir, nach der Elternzeit wieder in meinen Beruf zurückzukehren? Wie reagiert mein Partner, wenn ich aufgrund einer neuen Position weniger Zeit habe? „Entscheidungen zu treffen wird, in Zeiten zunehmender Geschwindigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Uneindeutigkeit, immer schwieriger. Dazu kommt häufig die Angst davor, sich falsch zu entscheiden oder zu scheitern. Wichtig ist daher, die Wechselwirkungen und Konsequenzen der Entscheidungen zu beleuchten und zu lernen, diese Ängste loszulassen. Eine Entscheidung für etwas bedeutet gleichzeitig immer auch eine Entscheidung gegen etwas anderes. Diese Wahl gilt es, bewusst zu treffen“, berichtet der Coach. Die Angst kann sich in einer solchen Situation zu einem echten Teufelskreis entwickeln, wenn Entscheidungen und Veränderungen immer wieder aufgeschoben werden und der Druck durch Berufs- und Privatleben gleichzeitig steigt.

Doch wie geht es an dem Punkt weiter, an dem die Frauen merken, dass es so nicht weitergehen kann, dass eine Entscheidung getroffen werden muss und sie alleine nicht in der Lage sind, ihre Ängste und Sorgen zu bewältigen? „Meinen Klientinnen ist auf der mentalen Ebene klar, dass es keine richtigen und falschen Entscheidungen gibt, trotzdem gibt es oftmals emotionale, meist unbewusste Faktoren, die Entscheidungen verhindern. Wir suchen in den Sitzungen nicht nach Fehlern. Mein Coaching soll dabei helfen, Klarheit zu bekommen, Komplexität zu reduzieren, sich von Ängsten und Schuldgefühlen zu befreien und ein stabiles Selbstwertgefühl zu entwickeln und letztendlich auch bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Was will die Person, die ich coache, wirklich in ihrem Leben erreichen? Wo liegen Blockaden, die es zu lösen gilt, um mit neuer Kraft, neue Ziele anzugehen?“, so der Coach. Im Rahmen eines Coachings oder eines psychotherapeutischen Prozesses arbeitet Thomas Wendel mit seinen Klientinnen an ihren individuellen Anliegen und begleitet sie bei privaten und beruflichen Veränderungs- und Wachstumsprozessen.

Über Thomas Wendel

Thomas Wendel ist seit 2009 freiberuflicher Coach und Berater und blickt auf mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Unternehmens- und Organisationsberatung. In seiner Praxis für Systemische Hypnotherapie und Coaching begleitet er seit 2010 Menschen und Unternehmen bei ihren Veränderungs- und Wachstumsprozessen. Rund 15 Jahre war er zudem als Projektmanager, Management- und Strategieberater, Senior Coach für Führungskräfteentwicklung und Agile Leadership Coach für SAP tätig. Seine Erfahrungen als Business Coach gibt er heute nicht nur als Ausbilder an angehende Coaches weiter, sondern auch als Dozent an verschiedenen Hochschulen und Business Schools. Seine Klienten profitieren nicht nur von seinen Erfahrungen aus der Wirtschaft, sondern auch von den Erkenntnissen und Kompetenzen aus der therapeutischen Arbeit.

Mehr Infos zu Thomas Wendel und seinem Coaching- und Therapieangebot finden Sie unter: https://wendel.coach/

 

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