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Frauen und Banken – Finanzierungswünsche weiblich gelöst

Frauen und Banken – diese Konstellation scheint noch mit sehr alten Rollenbildern behaftet zu sein. So wundert es nicht, dass Gründerinnen oder Unternehmerinnen, wenn sie den klassischen Gang zur Bank antreten, das sehr häufig mit gemischten Gefühlen tun. Auch wenn sie für ihre Idee brennen oder von der neuen Investition überzeugt sind, bleiben Zweifel, ob der Mann bei der Bank davon zu überzeugen ist. Denn in 90% der Fälle sitzt da als Entscheider immer noch ein Mann. Weibliche Bankberater sind im Geschäftskundensegment noch eine Seltenheit.

Finanzierungswünsche weiblich lösen – ohne Beraterinnen ein schweres Unterfangen

Unter der Überschrift „Finanzierungswünsche weiblich gelöst“ lud die IHK Stade Unternehmerinnen und Gründerinnen aus ihrem Netzwerk zu einer offenen Diskussion ein. Knapp 30 Frauen nahmen die Einladung an. Als

Stephanie Thomforde und Petra Staude

Stephanie Thomforde und Petra Staude – Foto: IHK Stade

Bankenvertreterinnen standen Stephanie Thomforde und Petra Staude von der Deutschen Bank Rede und Antwort. Beide Frauen gehören zu den wenigen Frauen in Führungspositionen im Bankenbereich. Auch wenn im Schnitt 57% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Bankensektor Frauen sind, sucht man weibliche Führungskräfte meist vergebens. Das belegt eine Studie des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin DIW. Hier mangelt es immer noch an innerbetrieblichen Aufstiegschancen und einer branchenspezifischen Frauenförderung.

Petra Staude, Leiterin der Spezialfinanzierung CoC, Firmenkunden und Baufinanzierung Deutschland Nord, stellte an den Anfang gleich die Frage an die Anwesenden: „Würden Sie sich denn lieber von einer Frau beraten lassen beim Kreditgespräch?“. Als Antwort gab es dann von fast allen Frauen: „Ja, wenn wir die Wahl hätten.“ Und ja, Frauen (aber auch Männer) haben die Wahl. Sie müssen das nur klar kommunizieren und schon bei der Terminvereinbarung darum bitten. Auch wenn das in vielen Banken noch Verwirrung auslösen mag, so ist in diesem Falle die Kundin Königin.

Beratung auf Augenhöhe

Doch warum sprechen Frauen lieber mit Frauen?  Die Frage nach einem Kredit ist vielen Frauen unangenehm, denn Verschuldung ist in unserer Gesellschaft immer noch negativ behaftet. Kreditverhandlungen haben auch immer etwas mit Vertrauen zu tun und die Kundin muss auch einiges von sich preis geben. Ein Gespräch von Frau zu Frau ist dann auch ein Gespräch auf Augenhöhe. Eine der Teilnehmerinnen berichtete aus eigener Erfahrung: durch das Ausscheiden ihres langjährigen Beraters aus dem Berufsleben bekam sie plötzlich und eher zufällig eine Beraterin zugeteilt. Auch wenn es mit dem Berater keine eklatanten Probleme gab, die Gespräche und Verhandlungen mit einer Frau, sind durchaus angenehmer und finden nicht nur auf kalkulatorischer sondern auch auf emotionaler Ebene statt und das ist für Frauen ein nicht zu unterschätzender Aspekt.

Think big! oder: Keine Angst vor großen Zahlen

Ein weiterer Punkt, den Bankerinnen und Teilnehmerinnnen bestätigen: Frauen denken eher klein, sind eher zurückhaltend, genügsam. Frauen sollten mehr Mut haben, ihren Traum groß zu leben. Natürlich muss die Kalkulation stimmen und trotzdem gilt, lieber am Anfang mehr Geld fordern als später kleckerweise kleine Summen nachfinanzieren müssen. Für die Banken ist der Aufwand zur Kreditentscheidung bei fast allen Summen gleich, ob nun 100.000 Euro oder 1 Million. Frauen sollten daher aus Bankensicht ihre Angst vor Schulden ganz weit nach hinten schieben. So der Wunsch der Banken. Hier fehlt es jedoch an Entgegenkommen, den Unternehmerinnen und Gründerinnen gegenüber. Viele Einzelgründerinnen sind schlicht überfordert mit solchen Summen, wenn der Bedarf für eine Anschubfinanzierung nur gering ist. Einige Bundesländer bieten hier mittlerweile Mikrofinanzierungen an, die speziell auf die Zielgruppe zugeschnitten sind. Aber es fehlt hier an Entgegenkommen durch die Banken.

Fällt Geschlechtergleichstellung der Subjektivität zum Opfer?

Die Beurteilung der Kreditwürdigkeit erfolgt in den Banken nach streng objektiven Richtlinien und macht keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Kunden. Warum haben aber Frauen das (subjektive) Empfinden, anders behandelt zu werden. Ist es wirklich die fehlende Augenhöhe bei Gesprächen zwischen Mann und Frau?
Nachweislich werden Finanzierungsanfragen für Gründungen häufiger von Männern als von Frauen gestellt. Erstens gründen mehr Männer als Frauen, zweitens gründen Frauen häufiger ohne Fremdkapital. Frauen sprechen zudem auch eher über eine Niederlage, also über die nicht gewährte Finanzierung. Gewährt die Bank den Kredit, sprechen sie eher nicht darüber. Schließlich müßten sie dann zugeben, dass sie nun  „verschuldet“ sind. Männer prahlen gern mit Erfolgen. Mißerfolge werden gern verschwiegen.

Damit läßt sich zwar subjektives Empfinden erklären, aber die Entkräftung des Empfindens durch harte Fakten fehlt. Die Suche nach öffentlichen Statistiken, wie hoch der Anteil von Kreditabsagen getrennt nach Gründerinnen und Gründern ist, bleibt bislang erfolglos. Das ist anscheinend nichts, womit sich Banken gern schmücken.

Aus dem Publikum gab es die Frage:

Frauen müssen bei Kreditanfragen immer wieder die Gehaltssituation ihres Mannes mit darlegen (sofern verheiratet) – da kann der Businessplan noch so ausgefeilt sein.
Männer müssen das im Umkehrschluss eher selten. Wann ändert sich da mal was im Rollendenken?

„Bei der Deutschen Bank ist das nicht der Fall.“ Zumindest war das die Aussage der Referentinnen. Bleibt die Frage nach dem Rollendenken. Solange Frauen in Banken nur im unteren Segment beschäftigt werden oder als Werbeträger herhalten dürfen ist hier noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Fazit

„Weibliche“ Lösungen sind von den Banken in kurzer Zeit nicht zu erwarten. Auch wenn die traditionellen Finanzdienstleister mittlerweile erkannt haben, dass ihnen durch alternative Finanzierungsformen wie Crowdfunding, Crowdinvest und Venture Capital immer mehr Konkurrenzprodukte und -anbieter der Markt streitig gemacht wird, sind sie in ihrer Reaktion darauf einfach zu langsam. Es fehlt die „Bank der Frauen vertrauen“.
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