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Frauennetzwerk Renaissance: Neues Netzwerk für Frauen

Berlin hat etwas Neues, das Frauennetzwerk Renaissance. Janine Michael und Panja Acksel sind die Gründerinnen. SHE works! hat sich das Konzept von Janine Michael vorstellen lassen.

Frau Michael, Sie haben das Netzwerk Renaissance gegründet. Das erste was auffällt ist der Name einer historischen Epoche. Warum gerade Renaissance?

Es gibt mehrere Gründe, weshalb meine Mitgründerin Panja Acksel und ich uns für diesen Namen entschieden haben.

Die „Renaissance“ war eine europäische Kulturepoche, in der nicht nur die Architektur der Antike wiederbelebt wurde, sondern aus der auch grandiose Persönlichkeiten hervorgegangen sind. Leonardo da Vinci, Desiderius, Erasmus von Rotterdam oder William Shakespeare sind bis heute auf unterschiedliche Weise Teil unserer Gesellschaft, wenn auch nicht mehr persönlich.

Zudem liebe ich die französische Sprache. Ihr Klang ist wie Musik in meinen Ohren. Und „Renaissance“ bedeutet ins Deutsche übersetzt „Wiedergeburt“. Auf dieses Frauennetzwerk projiziert, können Frauen sich als Teil dessen insbesondere wieder neu entdecken, sich für sich alleine oder in einer Gruppe Gleichgesinnter selbstreflektieren oder einfach mal wieder sie selbst sein. Auch ihre Tätigkeiten können sie unter einem ganz anderen Licht betrachten, nämlich dem, der sich gerade aufbauenden branchenvielfältigen Gemeinschaft. Wieder öfter über den sogenannten Tellerrand zu schauen birgt viel Potential für Weiterentwicklung und persönliches sowie berufliches Vorankommen. Und vor allem können sie sich sichtbarer machen, offline und online. All das kann einer „Wiedergeburt“ durchaus gleichkommen. Wir verbinden damit also sehr viel Positives.

Ziel Ihres Netzwerks ist, Frauen auf dem Weg in oder auf ihrem Weg der Selbstständigkeit zu begleiten. Was bieten Sie den Frauen an, die sich an Sie wenden?

Wir bieten den Frauen in erster Linie Authentizität und eine rein weibliche Gemeinschaft Gleichgesinnter an, von jung bis älter, von Existenzgründerin bis erfolgreiche Unternehmerin. Zudem sehen wir uns als eine zusätzliche, wirkungsvolle und im Vergleich zu anderen Maßnahmen kostengünstige Marketing-Säule an, die jeder Frau das eigene Fundament ihrer Selbständigkeit stabilisieren oder verbreitern kann, je nach Bedarf und persönlichem Ziel. Wir bieten eine Plattform zur Offline- und Online Unterstützung und zur Eigenwerbung. Die Offline-Unterstützung dient der Erweiterung des eigenen Netzwerks; darüber hinaus dem Aufbau von Beziehungen, und vor allem auch der Vertiefung von Kontakten. ‚Business-Kennenlerntreffen und ‚Business-Stammtische’ – bei denen übrigens nicht das Kaffeetrinken, sondern effektives Netzwerken und Arbeiten für die eigene Selbständigkeit im Vordergrund stehen –, und zwar am Bedarf der Frauen ausgerichtet, sind die Schwerpunkte offline. Wir fragen unsere Mitgliederinnen also auch ganz direkt, was braucht ihr denn? Welche Themen wollen/sollen wir gemeinsam angehen?

RenaissanceMit einer Vergrößerung der Sichtbarkeit und Reichweite im Netz und in den sozialen Medien, vor allem auch durch unseren Multi-BLOG, an dem jedes Mitglied zum Beispiel zur charmanten Eigenwerbung partizipieren kann, ist das Online-Leistungsspektrum vielfältig. Auch Frauen ohne eigene Webseite können Teil dieses Netzwerks werden und über uns eine erste eigene, kleine Webpräsenz in Form einer Business-Seite von uns erhalten. Und insbesondere die ersten Mitgliederinnen können die Ausrichtung dieses reinen Frauennetzwerks real mitgestalten. Egal, ob sie gerade noch am Anfang stehen oder bereits erfolgreiche Unternehmerin sind. Der Rahmen dieses Netzwerks steht. Die Feinjustierung machen wir gemeinsam: Von Frauen, mit Frauen, für Frauen.

Öffnet man Ihre Webseite springt einem in schönstem Königsblau das Augenpaar einer Frau entgegen, umrandet mit der Weltkarte. Ist es einfach nur ein schönes Bild oder wollen Sie damit eine Aussage tätigen?

Beides. Wir sind zunächst völlig unperfekt gestartet mit einem selbst gestalteten Hintergrund getreu dem Motto: „Besser unperfekt als nie.“. Und während der ersten Wochen nach unserem Start im Juli 2015 haben wir begonnen, unsere Corporate Identity zu entwickeln. In Anbetracht der politischen Lage in Deutschland, Europa und darüber hinaus entschieden wir uns, mit dieser auch direkt und unmissverständlich Position zu beziehen. Wir sind kein politisches Netzwerk. Trotzdem war und es uns wichtig, Gesicht zu zeigen. Denn unsere Zielgruppe sind zwar ausschließlich Frauen (Unternehmerinnen, Selbständige oder freiberuflich Selbständige bzw. jene, die es noch werden wollen). Doch in jedem Fall sind es Frauen im Alter von 18 bis X verschiedenster Branchen sowie Frauen mit unterschiedlichsten Lebensgeschichten, unterschiedlicher Herkunft, Nationalität, Kultur und Religion. Wir sind also offen für Integration und möchten ein echtes Miteinander kreieren. Und je „bunter“ sich dieses Netzwerk über die nächsten Monate und Jahre entwickelt, umso wertvoller kann es für die einzelne Frau als Teil des Ganzen sein.

Die Vernetzung von Frauen im beruflichen Kontext ist momentan ein großes Thema. Überall stößt man auf neue Netzwerke und Zusammenschlüsse. Gibt es bereits genug oder sollten es noch viel mehr sein?

Diese Frage ist für mich nicht leicht zu beantworten, da ich zwar viele, doch ganz sicher nicht alle Netzwerke kenne.

Ja absolut, es ist ein großes, und vor allem wichtiges Thema. Ich würde mir in diesem Zusammenhang in jedem Fall wünschen, dass künftig wieder mehr gemeinsam und weniger gegeneinander agiert wird. Und das beziehe ich nicht nur auf die verschiedenen Netzwerke, sondern auch auf den ganz banalen netzwerkunabhängigen Alltag, auf Menschen im Allgemeinen und ihre Geber-­‐ und Nehmerqualitäten.

Jedes Netzwerk für sich hat – neben einigen oder vielen Parallelen – ein bestimmtes Angebot für berufstätige Frauen. Und darin steckt nicht nur ein breit gefächertes Angebot für jede Einzelne, sondern auch viel Potential. Und ich bin gespannt, wo wir unseren Platz finden, und welche netzwerkübergreifenden Verbindungen noch mit und für unsere Mitgliederinnen entstehen werden. Denn für uns steht die jeweilige Frau und ihre Tätigkeit definitiv im Vordergrund.

Was hat Ihnen bei den bestehenden Netzwerken gefehlt, dass Sie ein Eigenes gegründet haben?

Puh, meine Antwort wird sich auf Messers’ Schneide bewegen und die Gemüter spalten.

Echtes Interesse füreinander, eine persönlichere Ebene ohne Maske , eine Vision und eine echte Kommunikation mit Veranstaltern, Inhabern, Gründern sind wohl die ausschlaggebendsten Dinge gewesen, die mir persönlich häufig einzeln und beinahe immer in Kombination gefehlt haben.

Ich war auf unzähligen Netzwerkveranstaltungen. Meist kam ich nach Hause und fühlte mich so richtig erschlagen von mir zugesteckten Visitenkarten und/oder Flyern sowie dem Selbstdarstellungscocktail, der mir verabreicht wurde. Oder ich fühlte mich sogar bedrängt, gleich etwas unterschreiben zu sollen. Nach meinen ersten Treffen rief ich noch die meisten Menschen an, deren Visitenkarte ich bekommen habe – aus reiner Neugierde auch jene, mit deren Angebot ich eigentlich nichts anfangen konnte. Doch mir wurde schnell klar, dass es häufig nicht darum ging, eine echte Beziehung aufzubauen, sondern vielmehr darum, möglichst schnell etwas an die Frau – an mich – zu bringen. Ich vermisste immer häufiger echte Geberqualitäten und ehrlichere Gespräche mit den eigentlich Gleichgesinnten. Viele Menschen tragen eine Maske und nahezu alle präsentieren sich als „ach-so-erfolgreich“. Also wenn dem so wäre, weshalb stocken dann knapp 50% der Selbständigen in Deutschland mit Hartz IV auf? Schein und Sein driften offenbar mehr und mehr auseinander. Das ist meiner Meinung nach eine gefährliche Entwicklung, der wir unbedingt mutig und geschlossen entgegentreten sollten. Ja, ich weiß. Niemand möchte gerne den Spiegel vorgehalten bekommen. Doch ich bin ein direkter Mensch und bevorzuge das Handeln und nicht das Schönreden. Das mag man oder nicht (Frau natürlich auch ;)). Und wären viele von uns mal ehrlicher zu sich selbst, würden sie feststellen, dass es jene gibt, denen es stets gut zu gehen scheint und jene, denen es sowieso immer schlecht geht, wenn sie gefragt werden. Dazwischen ist oft ein Vakuum. Und genau da sehe ich mich; nicht in einem Vakuum natürlich, sondern zwischen „stets gut“ und „immer schlecht“ – authentisch eben und einfach Frau. Und ich wünsche mir, dass wieder mehr Frauen zu sich selbst stehen und sich nicht verstecken oder verstellen müssen.

Und wenn ich eine neue Begegnung frage: „Wie läuft dein Geschäft?“, ist die Antwort zu 99%: „Ja super.“. Lerne ich die Person aber besser kennen und stelle öfter die gleiche Frage, bekomme ich irgendwann auch mal eine ehrlichere Antwort. Und häufig läuft es gar nicht so prickelnd, wie anfangs erzählt. Wäre es daher nicht wunderbar, wenn Schein und Sein miteinander verschmelzen würden und jeder für sich mit erhobenem Haupt nicht hinterher „nach unten korrigieren“ müsste?!

Ich habe schlichtweg für mich festgestellt, dass ich offenbar ein „anderes“ Verständnis vom Netzwerken und von einem Miteinander habe – ja, vielleicht sogar ein realitätsfernes?! Das wird sich zeigen. Doch ich bin voller Hoffnung, dass sich die Mehrheit noch mal besinnt auf Werte, die uns offensichtlich zunehmend abhandenkommen. Und letztlich möchten – und das unterstelle ich mal – die meisten Selbständigen mit dem, was sie tun, auch auf ihre Weise erfolgreich damit werden oder es bleiben, sofern sie es bereits sind. Wobei hier jeder den Begriff „Erfolg“ vermutlich unterschiedlich definiert – absolut legitim.

Denn in einer Gesellschaft, in der viele alles umsonst haben möchte, in der Ellenbogen und Künstliches an der Tagesordnung sind, und fehlendes „Vitamin B“ oftmals gute Ideen im Keim ersticken lässt – und in dieser Gesellschaft leben wir heutzutage –, gehen so unglaublich viele tolle Talente, Eigenschaften, Möglichkeiten, und vor allem Persönlichkeiten verloren.

Vor allem die Frauen, die sich bislang alles erkämpfen mussten, haben noch lange nicht das Ansehen im Geschäftsleben erreicht, das ihnen zustehen mag. Das möchten wir ändern. Ich habe eine Vision, die unter anderem dahin abzielt, in dieser entstehenden Gemeinschaft keine Masken mehr zu benötigen, also mehr Sein als Schein und zwar möglichst ohne Neid und Missgunst; Ängste zu überwinden; innere Stärken zu stärken; auch wieder öfter geben als nur zu nehmen.

Denn – und das ist doch logisch (für Panja und mich zumindest) –, gibst du als Einzelperson etwas der Gemeinschaft Tut dies jede Person aus dieser Gruppe, so bekommst du als Einzelperson weitaus mehr zurück als du gegeben hast. Das nenne ich Netzwerken, sich gegenseitig unterstützen, sich gegenseitig stärken sowie mit- und aneinander wachsen. Ein Traum, der Wirklichkeit wird? Ich arbeite hart dafür und bin bis dahin gerne bereit, auf Vieles zu verzichten.

Kommen wir zu ganz profanen Dingen. Wie kann man Mitglied werden und was kostet es?

Da wir ein Netzwerk möglichst positiv-eingestellter Frauen aufbauen wollen, die auch bereit sind, tatsächlich etwas (mehr) für ihre Wünsche und Ziele zu tun, kann sich niemand einfach so online anmelden. Zudem mögen wir es gerne etwas persönlicher, denn nur so können wir herausfinden, ob wir tatsächlich hilfreich sein können.

Wir wollen nämlich keine Beiträge einsammeln, sondern Frauen und ihre Geschichten kennenlernen, und sie in dem, was sie lieben und begeistert, effektiv unterstützen. Am einfachsten ist es, mit uns per E-Mail oder Telefon Kontakt aufzunehmen. Alles Weitere wird dann miteinander besprochen. Die Schritte sind: Persönliche Kontaktaufnahme mit oder ohne anschließendem Treffen, Mitgliedsantrag stellen, Mitgliedsbeitrag entrichten, alles Notwendige zur Verfügung stellen (für den Online-Auftritt), und los geht’s – also recht unkompliziert.

Die Beiträge haben wir zunächst bewusst gering gehalten, damit nicht das Geld zur größten Hürde wird, obgleich das schon der Fall war. Es geht los bei 25,- – 45,- EUR für ein halbes Jahr Basis-Mitgliedschaft (außerhalb oder innerhalb von Berlin/Brandenburg). Richtig interessant vom Leistungsumfang her sind natürlich die jährlichen Premium-Mitgliedschaften, die für’s erste Jahr bei 115,- – 145,- EUR liegen. Die Aufnahmegebühr liegt pauschal bei 25,- EUR. Alle Beiträge und dazugehörigen Leistungen sind ganz offen auf unserer Webseite hinterlegt. Dort ist auch erläutert, weshalb wir zwischen den Bundesländern Unterschiede machen, was eine Mitgliedschaft anbelangt. Zudem bieten wir – zumindest für die ersten je 25 Frauen – noch Zusatzleistungen als „Bonbons“ an.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Michael!

Das Frauennetzwerk Renaissance finden Sie unter http://frauennetzwerk-renaissance.de/ oder unter

 

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