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Führungsstil: Wertorientiert führen – typisch weiblich?

Authentizität, Respekt und Vertrauen – diese Werte prägen den Führungsstil von Unternehmerinnen in Deutschland, wie eine aktuelle Studie belegt (siehe Verband deutscher Unternehmerinnen: Unternehmerinnenumfrage 2017). Doch wie sieht das in der Praxis aus? Wann kollidiert der partnerschaftliche Führungsstil mit dem unternehmerischen Gewinnstreben? Und: Führen Frauen wirklich anders als Männer? Vier Mitglieder des Unternehmerinnenverbandes „Schöne Aussichten“ geben Antworten auf diese Fragen.

Welche Werte sind Ihnen als Unternehmerinnen wichtig?

Anette Handt: Für mich sind der respektvolle Umgang miteinander und die unbedingte Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit das A und O. Gemeinsam und auf Augenhöhe gleichzeitig vorankommen, das ist mir wichtig. So funktioniert für mich Partnerschaft. Das geht aber nur, wenn der Umgang miteinander ehrlich und offen ist, Projekte lösungsorientiert und in die Zukunft gerichtet geführt werden.

Marlene Seifert: Ich möchte als Unternehmerin glaubwürdig und transparent wahrgenommen werden. Ich möchte, dass man mich aufgrund meiner Qualifikationen und Erfahrungen einsetzt und nicht, weil ich so toll davon erzählen kann. Souveränität im Business sorgt dafür, dass Unternehmerinnen nicht nur Dienstleisterinnen sind, sondern auch als Kooperationspartnerinnen wahrgenommen werden, die eine Meinung haben und bei schwierigen Fragen zu Rate gezogen werden.

Florence Petithuguenin: Als Inhaberin von „La Maison de Florence“, dem Ladenlokal und Onlineshop für Feines aus Frankreich, lege ich größten Wert auf nachhaltige, ökologisch, sozial und gesellschaftlich faire Produkte. So gibt es bei mir von Anfang an nur Papiertragetaschen und im Winter heize ich mein Ladenlokal mit Ökostrom. Außerdem unterstütze ich Familien- und Biobetriebe: Außerdem unterstütze ich Familien- und Biobetriebe: Bei der Auswahl von französischen Herstellern setze ich darauf meinen Fokus. Die Suche vor Ort in Frankreich ist sorgfältig und aufwändig, aber die Qualität der Produkte bekräftigt mich darin, dies auch weiterhin so zu handhaben.

Christine Wrede: Mir ist der vertrauensvolle Umgang mit meinen Mitarbeitern und meinen Kunden wichtig. Ich arbeite im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung, die in der Öffentlichkeit einen schweren Stand hat. Gerade deshalb finde ich es so wichtig, dass sowohl meine internen Mitarbeiter als auch unsere beim Kunden extern eingesetzten Mitarbeiter in mir eine verlässliche Ansprechpartnerin haben. Sie können mich in jeder Angelegenheit kontaktieren – auch nach der Arbeit. Bei meinen Kunden achte ich darauf, transparent zu arbeiten. Sie bekommen von mir alle Informationen, die sie benötigen. So wissen beide Seiten woran sie sind und können vertrauensvoll miteinander umgehen.

Wie passen Ihre Werte zusammen mit dem für Unternehmen überlebenswichtigen Gewinnstreben?

Anette Handt: Gewinnstreben ist absolut nötig, sonst kann ein Business nicht überleben – geschweige denn wachsen – für mich besteht hier kein Widerspruch.

Florence Petithuguenin: Ich denke schon, dass es hier auch zu Zielkonflikten kommen kann – Nehmen wir etwa das Beispiel foie gras (Gänsestopf- bzw. Entenstopfleber). Mit dieser stark nachgefragten, hochpreisigen Delikatesse könnte ich meinen Umsatz durchaus steigern. Aber: Es ist und bleibt Tierquälerei. Das möchte ich bewusst nicht fördern. Daher nehme ich dieses Produkt nicht in mein Sortiment auf und bleibe meinen Werten treu.

Christine Wrede: Ich glaube nicht, dass ich mit meinen Werten das unternehmerische Geschick bremse. Es ist allerdings auch nicht mein Ziel, ein Imperium aufzubauen. Für mich ist es wichtig, ein normales Leben zu führen und ausreichend zu verdienen, um mir den einen oder anderen Wunsch zu erfüllen bzw. im Alter eine Absicherung zu haben. Sicher gibt es skrupellose Unternehmer/innen, die hauptsächlich schnell und vor allem viel Geld verdienen wollen. In diesem Umfeld gäbe es mit meinen Wertvorstellungen sicher Probleme. Aber meine Mitarbeiter und meine Kunden spiegeln mir zurück, dass es richtig ist, was ich tue. Und irgendwie zieht man sich auch gegenseitig so an, dass man immer auf die Personen trifft, die ähnliche Wertevorstellungen haben. Und dann passt es doch prima zusammen.

Marlene Seifert: Das sehe ich ähnlich, meine Werte kann ich mit dem Streben nach Gewinn vereinbaren, weil ich keine Unsummen verdiene und auch keinen Fahrplan für die erste Million habe. Mir sind die Qualität und Dauer der Zusammenarbeit wichtiger als maximaler Gewinn in kurzer Zeit. Große menschliche Nähe kann allerdings auch dazu führen, dass man sich unter Wert verkauft. Da muss man schon aufpassen.

Hand aufs Herz: Führen Frauen ein Unternehmen anders als Männer? Unterscheiden sich die Wertvorstellungen voneinander?

Anette Handt: Pauschalaussagen finde ich immer schwierig – dazu sind die Menschen einfach zu unterschiedlich. Was für den einen Unternehmer gilt, gilt noch lange nicht für den anderen, egal ob Mann oder Frau. Toll ist es, wenn man das Glück hat, auf Gleichgesinnte zu treffen – daraus kann großartige Zusammenarbeit erwachsen.

Florence Petithuguenin: Also, ich denke schon, dass manche Männer anders mit Ihren Wertvorstellungen umgehen als Frauen. Männer würden vermutlich zu Gunsten des Umsatzes ihre Wertvorstellungen „aufweichen“ bzw. Ausnahmen machen.

Marlene Seifert: Nach meinen Erfahrungen führen Frauen Unternehmen definitiv anders. Sie sind offener, flexibler und zugänglicher. Aber manchmal müssen Probleme auch von zu vielen Mitrednern von zu vielen Seiten beleuchtet werden, um Sicherheit und Bestätigung zu erlangen. „Einfach machen“ geht meistens nicht. bzw. nur mit Absprache. Das wiederum ist aber auch oft ein Vorteil, weil erst gedacht und dann gehandelt wird. Was meistens und zum Glück wegfällt, ist das lange Herumtrommeln auf eigenen Erfolgen und anstrengendes Wettbewerbsgehabe – meist geht es schneller um Inhalte. Vielleicht etwas platt, aber durchaus eine Erfahrung: Männer müssen meist besser sein, Frauen agieren oft unauffälliger und effizienter.

Christine Wrede: Ich denke nicht, dass sich die Wertvorstellungen von Männern und Frauen grundsätzlich unterscheiden. Ich arbeite zum Beispiel täglich mit meinem männlichen Geschäftspartner zusammen. Wir führen das Unternehmen gemeinsam unter Beachtung der gleichen Wertvorstellungen. Allerdings gibt es schon eine unterschiedliche Art der Führung. Während ich ein feinfühligeres Gespür für unsere Mitarbeiter habe und vielleicht früher registriere, wenn etwas nicht stimmt, hat mein Kollege eher eine andere Wahrnehmung. Meiner Meinung nach hinterfragen oder reflektieren Männer auch nicht in dem Umfang, wie es Frauen tun. Wenn Entscheidungen anstehen, treffen sie diese – häufig mit großer Überzeugung und ohne lange zu überlegen. Frauen sind dagegen partnerschaftlicher orientiert und suchen in Gesprächen nach verschiedenen Möglichkeiten oder Lösungen.

Starke Frauen im Profil

Anette Handt führt die Hamburger PR-Agentur „Handt IN Handt Kommunikation“. Die PR-Beraterin hat viel Erfahrung in den Bereichen Marketing Kommunikation, Interne Unternehmenskommunikation, Pressearbeit und Öffentlichkeitsarbeit. Von der Erarbeitung des Markenkerns über die zum Unternehmen passende Kommunikationsstrategie bis zur Umsetzung der konkreten Kommunikationsmaßnahmen begleitet Anette Handt ihre Kunden auf dem Weg zur ineinandergreifenden Kommunikation nach innen und außen.

Florence Petithuguenin ist Inhaberin von „La Maison des Florence“ in Essen. Aufgewachsen in Frankreich und seit 1985 in Deutschland lebend, fühlt sie sich in beiden Kulturen zu Hause. Mit Anfang 40 und nach über 15-jähriger Tätigkeit im internationalen Handelsmarketing hatte sie Lust „alte Küsten zu verlassen, um neue Erdteile zu entdecken“. Die Verbundenheit zu Frankreich und die Ambition, eine schöpferische Lebensaufgabe zu übernehmen, haben sie zu dem Geschäftskonzept „La Maison de Florence“ (Das Haus von Florence) geführt. Beliebt sind insbesondere die außergewöhnlichen Geschenk-Sets für Privat- und Firmenkunden. Dabei liegt der Fokus auf natürlichen Inhaltsstoffen.
Das Sortiment umfasst französische Produkte aus drei Kategorien: Feinkost, Biokosmetik sowie Wohn- und Küchenaccessoires. Dabei liegt der Fokus auf natürlichen Inhaltsstoffe.

Marlene Seifert hat sich als Berliner Einzelunternehmerin mit „Schriftgut Text & Konzeption“ auf Texte und Publikationen für die Unternehmenskommunikation spezialisiert. Ihre Ambition: komplexe Sachverhalte einfach darzustellen. Das ist auch der Ansatz für ihr zweites Betätigungsfeld: das Übersetzen von Texten in Leichte Sprache. Die Herausforderung besteht für sie darin, aus jedem noch so schwierigen Text die wirklich wichtigen Informationen herauszufiltern und einfach zu formulieren.

Christine Wrede ist geschäftsführende Gesellschafterin des Personaldienstleisters PPE in München. Umfassende Marktkenntnis, das Vertrauen der Auftraggeber und das kontinuierliche Recruiting qualifizierter Arbeitskräfte sind für sie die Grundpfeiler des Erfolgs. Zusammen mit ihrem Geschäftspartner versteht sie sich als vertrauensvoller Ansprechpartner für Bewerber in Karrierefragen ebenso wie für Unternehmen in Personalangelegenheiten.

Über Schöne Aussichten – Verband selbstständiger Frauen e. V.

Schöne Aussichten e.V. vertritt als branchenübergreifendes, bundesweites Netzwerk vor allem die Interessen von Freiberuflerinnen, Einzelunternehmerinnen und von Frauen geführter Betriebe. Der 1991 im Rheinland gegründete Verband ist heute mit ca. 400 Mitgliedern in sechs Regionalverbänden bzw. -gruppen bundesweit organisiert. Zum Bundesvorstand gehören Petra Reinholz, selbständige Projektmanagerin in der Bau- und Immobilienwirtschaft, Heike Hüpen, Interim Management – Accounting Solutions und Theresa Tarassova, Journalistin und Russlandexpertin.

Pressekontakt
Schöne Aussichten – Verband selbstständiger Frauen e.V.
Sabine Schrör
Bremerstraße 1c
45239 Essen
Tel.: 0201-4693908
Mobil: 0172-2932655
E-Mail: info@schoene-aussichten.de

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