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Geld und wo ich es herbekomme: Finanzierungsmodelle für Gründerinnen

Von Dagmar Schulz, Gründerin von 1a-STARTUP

Die gute Nachricht direkt vorneweg: Seit über zehn Jahren steigt laut KfW-Gründungsmonitor* die Beteiligung von Frauen an Voll- und Nebenerwerbsgründungen stetig an. In den Jahren 2014 und 2013 bleibt die Gründungsbeteiligung von Frauen mit 43 % weiterhin top – dabei stieg der Anteil von Frauen an Vollerwerbsgründungen deutlich von 33 auf 41 Prozent. Soweit die Theorie. Und was macht die Existenzgründerinnen jetzt so erfolgreich? Und – ganz wichtig – wie finanzieren Sie eigentlich ihre Erfolgsmodelle?

Eins ist ganz klar zu beobachten: Frauen gründen und planen anders. Häufig sind es die weiblichen Gründerinnen, die einerseits risikobewusster und zudem häufig mit weniger Kapitalbedarf an den Start gehen. Die eigene Gründungsidee zu finanzieren kann, muss aber nicht schwer sein. Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei, direkt am Anfang den richtigen Weg einzuschlagen:

Finanzierungsmodelle für Gründerinnen: Eine gründliche Information ist alles!

Wichtig ist es, sich im Vorfeld genau über mögliche Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren, denn nicht jede Bank bietet Finanzierungen für Existenzgründungen an. Gehen Sie selbstbewusst an die Bank heran und fragen nach, ob und wenn ja welche Förderkredite die jeweilige Bank für Existenzgründer anbieten kann.

Bedenken Sie immer:

Die Aufnahme eines Gründerkredits und das damit verbundene Bankengespräch stellt ein ganz normales Bankgeschäft dar, auf das sich die Antragstellerin umfassend und selbstbewusst vorbereiten sollte. Für die Beantragung von Gründungsfinanzierungen gibt es mittlerweile separate Abteilungen, die sich den ganzen Tag nur mit diesen Themen und der Start-up-Szene beschäftigen. Fragen Sie am besten bei der Bank direkt nach dieser speziellen Abteilung, damit Sie direkt an die richtigen Ansprechpartner geraten.

Für die Beantragung eines Förderkredites sollten Sie ausreichend Zeit einplanen. Von der Einreichung der Unterlagen bis zum Bankgespräch und der Auszahlung des Kredits werden einige Wochen vergehen – das müssen Sie für Ihre gesamte Planung berücksichtigen

Wichtig:

Wie anfangs bereits angedeutet, planen Frauen häufig risikobewusster, aber mit weniger Kapitaleinsatz. Oft denken Frauen anfangs etwas bescheidener: es muss nicht immer sofort der Firmenwagen oder der neue Computer sein – stattdessen fängt „frau“ häufig mit den vorhanden Betriebsmitteln an. Deshalb sind die (von vielen weiblichen Gründerinnen bevorzugten) „kleineren“ Förderkredite für die Banken eher unattraktiv, da sie einen hohen Verwaltungsaufwand und damit verbundene Kosten für die Bank darstellen – mit wenig Zinsertrag und Ausfallrisiko. Eine wichtige Hintergrundinformation, die Sie für Ihr Bankgespräch immer im Hinterkopf haben sollten.

Und welche Kredite gibt es genau?

Es gibt wirklich eine Vielzahl von Programmen zur Förderung der Existenzgründung.
Damit Sie sich im „Fördermittel-Dschungel“ schnell zurechtfinden, ist eine gute Information im Vorfeld alles:

KfW Gründerkredit

Der sogenannte KfW Gründerkredit (bis max. 100.000 €) ist in vielen Fällen wohl der relevanteste aller Kredite. Je nach Laufzeit (5 oder 10 Jahre) steht Ihnen dieser Kredit der KfW Bankengruppe im ersten oder zweiten Jahr (je nach Laufzeit) tilgungsfrei zur Verfügung. Das bedeutet: nur die Zinsen werden in dieser Zeit gezahlt.
Ein kleiner Tipp an dieser Stelle: Vereinbaren Sie monatliche anstatt vierteljährliche Zahlungen, um den besseren Überblick zu behalten. Diese Förderkredite der KfW Bankengruppe werden mit günstigen Konditionen und Bedingungen nach dem sog. Hausbankprinzip für unterschiedliche Situationen vergeben z. B. für die Anschaffung von Anlagen, Gebäude, Fahrzeuge, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Betriebsmittelkosten. Einen Teil der Kredit-Haftung trägt auch die eigene Hausbank.

Mikrokredit

Gerade wenn es um kleinere Finanzierungssummen geht, stellt der Mikrokredit eine gute Möglichkeit dar. Dieser Kredit ist zwar deutlich teurer, zeichnet sich aber auch durch kurze Laufzeiten aus. Ins Leben gerufen wurde der Mikrokreditfonds Deutschland von der Bundesregierung.

Crowdfunding

Crowdfunding ist ein Finanzierungsmodell, bei dem Projekte, Produkte oder Unternehmen nicht durch eigenes Kapital, sondern durch Fremdkapital finanziert werden. Das Besondere: Hier erhalte ich das Geld nicht von einigen exklusiven Investoren, sondern von vielen kleinen „Unterstützern”. Für Existenzgründer ist Crowdfunding somit eine Alternative zur Finanzierung über eine Bank, denn die Prüfung der Geschäftsidee und der eigenen Person/en durch die Bank entfallen.

Business Angel

Ein Business Angel (auf Deutsch Unternehmensengel) ist jemand, der sich einerseits finanziell an Unternehmen beteiligt und anderseits die Existenzgründer auch mit Know-how und Kontakten in der sehr frühen Gründungsphase unterstützt. Nicht selten handelt es sich bei einem Business Angel um einen erfolgreichen Gründer, der nach dem Verkauf oder Börsengang seines ehemaligen Unternehmens Kapital und Know-how in junge Unternehmen weitergeben möchte. Es können aber auch erfahrene Unternehmer oder leitende Angestellte sein, die ihre vielseitigen Management-Erfahrungen gerne weitergeben wollen.

Wichtig für jede Art der Finanzierung: Bereiten Sie einen gut ausgearbeiteten Businessplan vor, der verständlich ist und der nachvollziehbare Planzahlen und Kalkulationen des zu finanzierenden Vorhabens liefert. So sind Sie für jede Form der Verhandlung bestens vorbereitet.

https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Gr%C3%BCndungsmonitor/Gr%C3%BCndungsmonitor-2015.pdf

Dagmar Schulz   Dagmar Schulz, 1a-Startup

ist gelernte Bankkauffrau, Betriebswirtin, IHK Social Media Manager und ILP® Business Coach. Dazu Herzens-Düsseldorferin, 45 Jahre jung und in einer festen Partnerschaft als Patchwork Familie lebend. Vor meiner Selbstständigkeit habe ich in verschiedenen Funktionen und Positionen in der Bankenwelt gearbeitet. Als dort das Berufsbild mehr vom Berater zum Verkäufer tendierte, habe ich mich im Herbst 2008 entschieden dort auszusteigen und gekündigt ohne zu wissen, was ich zukünftig machen werde weil ich so nicht weiter arbeiten wollte. Angefangen hat es mit einem Zettel „was will ich in keinem Fall mehr in meinem Leben“ – bis zum Ergebnis, was kann ich gut und wofür schlägt mein Herz. So ist Anfang 2009 die 1a-STARTUP entstanden. Nach einem Vortrag für Frauen und dem Feedback danach ist mir schnell klar geworden, dass ich für diese besonderen Bedürfnisse eigene Seminare und Beratung entwickeln möchte. Zum Glück habe ich die Gradwanderung geschafft und werde nicht in eine Schublade gesteckt, so dass die Hälfte meiner Mandanten männlich ist.

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