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Medizinische Versorgungssicherheit: mehr Frauen in ärztliche Führungspositionen

Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater sieht die medizinische Versorgung in Deutschland mittelfristig gefährdet, wenn nicht mit geeigneten Maßnahmen gegengesteuert wird. Denn: Parallel zur mangelhaften Pflegesituation im deutschen Gesundheitswesen droht sich auch die Personalsituation bei Ärzten im stationären und ambulanten Einsatz zuzuspitzen.

Bereits heute sind in Deutschland mehr als 10.000 Arztstellen im stationären und ambulanten Bereich unbesetzt.  Vor diesem Hintergrund macht sich der Consultingverband dafür stark, besonders das große Potenzial von Frauen stärker und gezielter zu nutzen. Dieses Fazit ziehen die Autoren des aktuellen Thinktank-Themendossiers „Mehr Frauen in ärztlichen Führungspositionen dringend benötigt“ des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). Um den Anteil von Frauen in Führungspositionen im Arztberuf zu erhöhen, ist nach Ansicht der BDU-Experten aber ein deutliches Umdenken notwendig. Vor allem müssen die beruflichen Rahmenbedingungen umgehend attraktiver und auf die heutigen Bedürfnisse hin angepasst werden.

Medizinische Versorgungssicherheit trotz geänderter Ansprüche an den Beruf

Denn die nachrückenden jungen Ärztinnen – aber auch Ärzte – haben eine andere Einstellung zu ihrem Beruf. Sie legen zum Beispiel mehr Wert auf Freizeit und berechenbare Arbeitszeiten. Sie stehen traditionellen Hierarchien kritisch, Teamarztmodellen aber aufgeschlossen gegenüber.

Ein modernes, innovatives Klinikmanagement muss dem mit flexibleren Organisations-, Arbeits- und Weiterbildungsformen mit einer Reihe von Maßnahmen Rechnung tragen, wie zum Beispiel:

  • Vereinbarungen über klinische Facharztausbildungen, auch als Weiterbildung zum Facharzt in Teilzeit
  • Aufbau und Pflege von Kontakten zu Medizinstudierenden inkl. finanzieller Unterstützung und Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Ausbau von Kooperationsformen ambulanter und stationärer Medizin, die neue Möglichkeiten für
    flexiblere Arbeitsbedingungen bieten. Hier arbeiten die Ärzte in der Niederlassung und betreuen ihre Patienten auch im stationären Umfeld.
  • Angebot von integrierten Kindertagesstätten in größeren Kliniken, Ferienbetreuung sowie Vermittlung von Tagesmüttern mit täglicher Hotlinefunktion
  • Einführung von Doppelspitzen-Modellen, fachärztlichen Aufgaben mit Leitungsfunktionen, intelligenten Teilzeitmodellen sowie von Kollegial-Systemen
  • Gehaltsstrukturen und Dienstpläne gehören auf den Prüfstand mit dem Ziel: Berechenbare Arbeitszeiten und adäquate Entlohnung, auch in Form von außertariflichen Verträgen.
  • Unterstützung beim Aufbau von weiblichen Netzwerken im Arztberuf
  • Gezielte Angebote für Führungsaufgaben von Ärztinnen

Generelles Umdenken nötig

Aber ohne generelles Umdenken in den Führungsetagen der Gesundheitsdienstleister werden verbesserte Karrieremöglichkeiten von Frauen in medizinischen Führungspositionen alleine die prekäre Situation im ambulanten und stationären Umfeld nicht verhindern können. Nach Einschätzung der BDU-Thinktank-Experten müssen daher die Rahmenbedingungen, wie das Personalmanagement, die Arbeitszeitmodelle oder das Gesundheitsmanagement auf den Prüfstand. Weiterhin müssen Wertekulturen etabliert werden, die unter anderem bisheriges Führungsverhalten in Frage stellen und moderne Formen der Mitarbeiterführung stärken. Parallel entwickelte kooperative Modelle unterstützen dabei, altes, berufsständisches Denken durch interdisziplinäre und teamorientierte Zusammenarbeit zu ersetzen.

Download Thinktank-Themendossier unter: http://bit.ly/2xrThYy

 

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