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Vier Jahre Gleichstellungsgesetz: Die Quote für die Aufsichtsräte wirkt

Vor vier Jahren trat am Tag der Arbeit, dem 1. Mai 2015, das Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG) in Kraft. Seitdem hat sich in den Führungsetagen der aktuell 104 Unternehmen, die unter die seit 1. Januar 2016 geltende Frauenquote fallen, viel bewegt: Der durchschnittliche Frauenanteil in den Aufsichtsräten stieg von 22,1 auf aktuell über 33 Prozent. Der Frauenanteil in den Vorständen hat sich von 4,8 auf 9,5 Prozent fast verdoppelt (vorläufige Zahlen des Women-on-Board-Index von FidAR, Stand Frühjahr 2019).

„Wir sehen bei der gleichberechtigten Teilhabe eine Entwicklung mit zwei Geschwindigkeiten. Der Druck der gesetzlichen Quote wirkt. Bei den 104 betroffenen Unternehmen ist der Fortschritt auf der Aufsichtsratsebene deutlich, aber die freiwillige Zielgrößenvorgabe für den Vorstand und die 1. und 2. Managementebene hat bislang noch nicht zu dem erwarteten Ergebnis geführt. Wenn wir mehr Chancengleichheit in den Führungsetagen wollen, müssen wir die Quote ausweiten“, erklärt FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow.

Freiwillige Veränderungen nur in wenigen Unternehmen

Dass das im März 2015 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe am Tag der Arbeit in Kraft trat, sieht Schulz-Strelow als Verpflichtung. „Die voll mitbestimmten und börsennotierten Unternehmen haben die 30-Prozent-Quote bereits erfüllt, obwohl hierfür noch teils Zeit bis 2021 besteht. Aktuelles Beispiel ist die Schaeffler AG. Das Unternehmen hat am 24. April mit Microsoft-Deutschlandchefin Sabine Bendiek und Sabrina Soussan, Leiterin der Bahntechnik-Sparte von Siemens, zwei weitere Frauen auf der Anteilseignerseite in den Aufsichtsrat gewählt.“

Aber das Gesetz geht weit über die 30-Prozent-Vorgabe für Frauen im Aufsichtsrat hinaus. „Wir sehen nur bei wenigen Unternehmen den Willen, strukturell auf allen Führungsebenen für mehr gleichberechtigte Teilhabe zu sorgen. Wer Veränderungsbereitschaft dokumentieren will, besetzt die Ausschüsse der Aufsichtsräte mit mehr Frauen und entwickelt ehrgeizige Zielgrößen für den Vorstand und die 1. und 2. Managementebene. Hier zeigt sich, wie ernst die Unternehmen Chancengleichheit als aktive Unternehmensentwicklung nehmen. Zielgröße Null eröffnet keine Chancen, weder für die Unternehmen noch für die Frauen“, so Schulz-Strelow.

FidAR erarbeitet derzeit detaillierte Untersuchungen zum Frauenanteil in den Führungspositionen der 185 DAX-Unternehmen (WoB-Index 185) sowie der größten öffentlichen Unternehmen (Public WoB-Index).

Über FidAR:
FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e. V. ist eine überparteiliche und überregionale Initiative, die 2006 von Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ins Leben gerufen wurde. FidAR strebt eine nachhaltige Erhöhung des Frauenanteils in den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen und die Verbesserung der Unternehmenskontrolle an. Ziel der Initiative ist die paritätische Besetzung aller Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft. FidAR verfolgt diese Ziele im engen Austausch mit Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und in Kooperation mit den relevanten Wirtschafts- und Frauenverbänden. FidAR ist aktives Mitglied im europäischen Netzwerk EWoB – European Women on Board (www.ewob-network.eu).
Mehr Informationen zu FidAR im Internet unter www.fidar.de.

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