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Womenize! holt Frauen in den IT-Bereich – Interview mit Ruth Lemmen

Bei Womenize!, dem Aktionstag für Frauen im Bereich Tech, Digital Business und Medien im Rahmen der INTERNATIONAL GAMES WEEK BERLIN (21.-26. April 2015), dreht sich am Donnerstag, den 23. April, anlässlich des bundesweit stattfindenden Girls’ Day alles um Recruitment und Karrierebildung von Frauen in der Digitalwirtschaft.

SHE works! hat Mit-Initiatorin und Programmdirektorin von Womenize! Ruth Lemmen ein paar Fragen zu dem Event gestellt.

Frau Lemmen, wie kam es zu der Idee, einen Womenize! Tag in die Games Week zu integrieren?

W! Womenize - LogoMichael Liebe, der Leiter der International Games Week Berlin, und ich haben schon in der Vergangenheit, als wir beide noch in anderen Arbeitskontexten standen, in verschiedenen Projekten kooperiert. In den letzten Jahren hat sich dann der Wunsch konkretisiert, einmal zusammen ein Projekt an den Start zu bringen. Gemeinsam bringen wir langjährige Berufserfahrung und ein umfassendes Netzwerk in den digitalen Medien, der Startup Szene, der Gamesbranche und aus dem IT-Bereich mit. Weil uns klar ist, dass der Fachkräftemangel ein riesiges Thema für diese Branchen ist, welches die Unternehmen schon seit geraumer Zeit umtreibt und aufgrund der demographischen Entwicklung auch zukünftig beschäftigen wird, wollen wir mit „Womenize! Tech, Digital Business and Media“ ein Veranstaltungsformat anbieten, dass eine Plattform für Rekrutierung, zum Netzwerken und zum Informationsaustausch bietet. Aus unserer beruflichen Erfahrung wissen wir nämlich auch, dass Frauen in den angesprochenen Branchen in der Regel unterrepräsentiert sind, obwohl es viele kreative und talentierte Frauen auf dem Arbeitsmarkt gibt. Talentierte Fachkräfte können sich ihrerseits die Unternehmen aussuchen, für die sie tätig werden und da sollten sich auch die Unternehmen bewegen und ihren zukünftigen Mitarbeiterinnen ein attraktives Umfeld bieten, das nachhaltige Entwicklungschancen und eine angemessene Förderung beinhaltet. Der Fachkräftemangel wird nur zu kompensieren sein, wenn zukünftig auch verstärkt Frauen angesprochen werden. Womenize! soll hier eine Brücke zwischen den Unternehmen der digitalen Branchen und den weiblichen Talenten bauen. Wir haben uns sehr gefreut, dass die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung/Projekt Zukunft das Potenzial der Veranstaltung erkannt hat und unser Projekt fördert.

In Deutschland gibt es bereits seit 15 Jahren den bundesweiten Girls’ Day, der Mädchen an technische und naturwissenschaftliche Berufe heranführen soll. Womenize! ist praktisch die Fortschreibung des Girls’ Day für eine ältere Zielgruppe: Womenize! spricht junge Frauen an, die im Studium oder am Ende ihres Studiums stehen und die eine Karriere in den digitalen Branchen starten wollen.  Genauso zählen weibliche Jungunternehmerinnen oder Frauen, die das einmal werden wollen, aber auch Quereinsteigerinnen und Frauen, die sich beispielsweise nach einer Pause beruflich neu orientieren möchten, zu unserer Zielgruppe. Männer sind dabei natürlich nicht ausgeschlossen und wir haben auch schon einige männliche Anmeldungen. Die Unternehmen der digitalen Branchen, die zukünftig verstärkt auch Frauen einstellen möchten, werden gleichermaßen mit Womenize! angesprochen.

Es geht uns primär darum, den Unternehmen aus Technologie, IT, Medien und aus der Gamesbranche eine Möglichkeit anzubieten, ihren Fachkräftemangel kompensieren zu können und ihre Unternehmenskultur so gestalten zu können, dass Frauen auch in ihren Karrieren nachhaltig befördert werden. Wir wollen jungen Frauen Job- und Karrieremöglichkeiten aufzeigen und in Workshops gezielte Informationen, Ratschläge und Coachings anbieten.

Studien haben belegt, dass die jungen Leute – und dies betrifft nicht nur die Frauen – bei ihrer Berufswahl sehr stark noch bei den traditionellen Berufsbildern verhaftet sind, obwohl es sich um die Generation der sogenannten „Digital Natives“ handelt, die selbstverständlich den ganzen Tag online sind, chatten, surfen, spielen und die sozialen Netzwerke nutzen. Die zahlreichen, kreativen und spannenden und sehr attraktiven Jobprofile, die es in Medien, IT und den digitalen Branchen gibt, hat diese Generation interessanterweise kaum auf dem Radar. Genau da soll Womenize! ansetzen – es wird aufgezeigt, welche interessanten Tätigkeitsfelder in diesen Branchen existieren.

Und noch ein Punkt ist uns wichtig: Frauen benötigen Vorbilder, um ihre Karrieren nachhaltig voranzutreiben und diese werden wir ihnen bei Womenize! vorstellen. Mehr als das: Sie können mit ihnen ins Gespräch kommen, sich vernetzen und sich beraten lassen.

Sie wollen Frauen im IT und Tech-Bereich mit weiblichen Vorbilder zusammen bringen. Können Sie schon verraten, welche das sein werden?

Sicher. Die offizielle Botschafterin von Womenize! ist die Moderatorin und Rallye-Fahrerin Lina van de Mars. Eröffnet wird die Veranstaltung durch die Berliner Wirtschaftsenatorin Cornelia Yzer. Dann freuen wir uns ganz besonders, die Amerikanerin Nicole DeMeo, Chief Marketing Officer bei glispa, die bereits mit Steve Jobs, Eric Schmidt und Carly Fiorina zusammen gearbeitet hat, als Keynote Sprecherin gewonnen zu haben. Sie ist seit über 20 Jahren Marketing- und Business Consultant und berät Unternehmen der Tech-Branche. Ihre Referenzen beinhalten Steve Jobs’ ehemaliges Unternehmen NeXT, das von Apple gekauft wurde und als Grundlage des Mac OS X Betriebssystems gilt, Adobe, Hewlett-Packard, Plaxo, Autodesk, Geoworks, GoLive Systems, Earlybird Venture Capital, EyeEm und viele mehr.

Ich bin außerdem sehr gespannt auf Reine Abbas, Mitgründerin der libanesischen Wixel Studios mit Sitz in Jounieh, einer Stadt nördlich von Beirut. Sie spricht in ihrer Keynote über Rolle, Chancen und Einfluss von Frauen, die in der Gamesbranche arbeiten und gründen. Die Libanesin ist seit über 12 Jahren in der Spieleindustrie erfolgreich als Gründerin, Game Designerin, Creative Director und Dozentin tätig. Ihre Credits beinhalten unter anderem „Survival Race“, das erfolgreichste Mobile Game im Mittleren Osten, „Gaza Shield“, ein Spiel, das während des Gaza-Konflikts 2008/2009 entwickelt wurde und wozu parallel eine gleichnamige und vielfach international ausgezeichnete Filmdokumentation entstand, „Douma Game“, das 2007 während einer angespannten politischen Lage veröffentlicht wurde und mehr als 3 Millionen Spieler hatte, „Little Heroes“, „Santa’s Rookie“, „Furn Al Shebbak“ und viele weitere Spiele.

Außerdem mit dabei sind die Britin Bev Hurley, CEO der YTKO Group und Gründerin von Enterprising Women, die Französin Joséphine Muller, Venture-Capital- und Private-Equity-Beraterin von Femme Business Angels, Marie-Laurence Amigues, Gründerin und CEO von der Lokalisierungsagentur Altagram und viele mehr.

 Neben dem Rekrutierungs- und Konferenzbereich wird es auch Workshops geben. Unter anderem auch zum Thema “Unternehmensgründung”. Welche Themen werden hier abgedeckt?

Wir freuen uns, dass wir eine Kooperation mit dem Europäischen Netzwerk zur Förderung von Unternehmerinnen im Webbereich „WeHubs – The first European Network for Women Web Entrepreneurs Hubs“ eingehen konnten. Es wird eine Podiumsdiskussion mit erfolgreichen weiblichen „Business Angels“ und weiblichen Gründerinnen geben, von der ich mir viele Impulse erhoffe. Hier sollen die Herausforderungen und Hürden, aber auch die Chancen genauer beleuchtet werden, die bei der Gründung und Finanzierung von Startups zu berücksichtigen sind.

 “Frauen fehlt der angeborene Größenwahn.” Stimmen Sie diesem Zitat zu, wenn Sie Unternehmensgründungen durch Frauen im IT Bereich betrachten?

Von Größenwahn würde ich nicht sprechen wollen, aber sicherlich gehört zu jeder Gründung der Mut zum Risiko und das nötige Selbstbewusstsein mit der richtigen Gründungsidee am Start zu sein. Darüber hinaus ist es sicherlich unerlässlich, den Markt zu analysieren und eine innovative und nachhaltige Businessidee zu entwickeln. Generell ist es dabei wichtig, sich Unterstützung zu holen, beraten zu lassen, sich mit anderen erfolgreichen Unternehmern und Unternehmerinnen auszutauschen, sich nicht entmutigen zu lassen, auch wenn es nicht gleich beim ersten Anlauf klappen sollte, ein breites Netzwerk zu haben und zu pflegen und mutig zu sein. Gründer und natürlich auch Gründerinnen sollten selbstbewusst auftreten, sich für ihre Ziele engagieren und am Ball bleiben. Der Wille zum Risiko ist dabei genauso unerlässlich, wie der gute Business Plan. Gründen zu wollen, heißt auch Scheitern zu können und sich von diesem Szenario nicht kleinkriegen zu lassen. Was das nötige Selbstbewusstsein und den Unternehmergeist angeht, haben Frauen, aber sicherlich auch manche Männer, noch Nachholbedarf und Womenize! wird auch hierzu einen Workshop anbieten. Ich bin aber auch der Ansicht, dass es in dem Bereich der Unternehmensgründungen durch Frauen in den letzten Jahren schon viele positive Entwicklungen zu verzeichnen gibt:

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie informiert, dass 34 Prozent der Existenzgründungen in Deutschland durch Frauen erfolgt; allerdings liegt der Frauenanteil bei Vollerwerbsgründungen lediglich bei 33%. Die gesamtheitlich positive Entwicklung ist vor allem durch den Anstieg der Nebenerwerbsgründungen bedingt. Bei Vollerwerbsgründungen durch Frauen ist folglich noch viel Gründungspotenzial vorhanden.

Welche Netzwerke kann man bei Womenize! treffen?

Wir freuen uns über die Kooperationen mit den Berlin Geekettes, „WeHubs – The first European Network for Women Web Entrepreneurs Hubs“, Hauptstadtmutti, Witas – Women in Tech and Startups, WeFound, hub:raum – Deutsche Telekom AG Incubator & Accelerator Program und den zahlreichen anderen Initiativen in Berlin und Europa, die sich für das Thema einsetzen und denen wir allen eine Bühne bieten werden.

Wir danken Ruth Lemmen für die ausführlichen Antworten.

Alle organisatorischen Fakten zu der Veranstaltung können Sie hier nachlesen

 

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