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Enny Van de Velden: Auf die Beziehungen kommt es an!

Enny Van de Velden, Chair of the Board of Directors und CCO der CCV Group in Arnheim über ihre Mutter, Female Leader und Vertrauen.

Frau van de Velden, Sie sind erfolgreiche Unternehmerin und Vorstandsvorsitzende sowie CCO der CCV Group und möchten Ihre Leidenschaft für Ihren Job auch an jüngere Frauen weitergeben. Warum?

Als ich angefangen habe, war die Payment-Branche und auch unser Unternehmen noch ziemlich männlich geprägt und ich wusste, wenn ich mich hier durchsetzen und Chefin werden will, muss ich dieses gewisse Maß an männlicher Führungsstärke auch ausstrahlen. Also habe ich von Anfang signalisiert: Hier bin ich der Boss! Das musste für den Anfang erst einmal so sein, um in der neuen Position anzukommen. Mit meinem persönlichen Führungsstil hat das allerdings wenig zu tun. Tatsächlich bevorzuge ich als Person mehr die Rolle als Coach. Ich genieße es, Mitarbeitern zu helfen, ihren Platz zu finden und sich weiterzuentwickeln.  Doch zunächst musste ich lernen, mir selbst zu vertrauen. Es hat mich ein paar Jahre gekostet, bis ich das nötige Selbstvertrauen entwickelt hatte. Ich habe mich auch nie gefürchtet, um Hilfe zu bitten und mir einen Coach zu suchen. Gleich bei meinem ersten Job hatte ich eine Mentorin, die zugleich auch mein Vorbild war. Über die Jahre habe ich Glück gehabt, immer jemanden zu finden, der mich in meiner Entwicklung unterstützt hat. Diese Erfahrungen möchte ich weitergeben und junge Frauen ermutigen, sich selbst etwas zuzutrauen.

Sie haben den Bep van de Velden Award gegründet, zu Ehren Ihrer Mutter. Ist diese auch eine leidenschaftliche Unternehmerin?

Ich bin die Tochter von zwei starken Führungspersönlichkeiten, die 1958 auf dem Dachboden begonnen haben, das aufzubauen, was heute als Marktführer in der Bezahlbranche bekannt ist: die CCV Gruppe. Diese über 60 Jahre lange Erfolgsgeschichte hat mich natürlich sehr geprägt. Meine Mutter war im Unternehmen für das Miteinander und den Teamgeist verantwortlich und mein Vater agierte als der Stratege. Ich habe von beiden viel gelernt und glaube, dass ein Führungsstil, der weibliche und männliche Züge verbindet – wie von meinen Eltern praktiziert – für jede Organisation wichtig und richtig ist. Gerade jetzt zu dieser Zeit, wo wir eine Balance brauchen zwischen Effizienz, Rationalisierung und Leistungsorientierung einerseits und einer mehr emotionalen Ebene andererseits, die für ein Gefühl der Verbundenheit unter den Menschen sorgt und für Identifikation. Meine Mutter war in diesem Sinn ein Rollenvorbild für mich – und für viele andere Geschäftsfrauen auch und das wollen wir auch nach ihrem Tod im Jahr 2018 mit dem Bep van de Velden Award in die Zukunft tragen. Unsere Mission ist weibliches Unternehmertum zu fördern.

Wer darf sich um den Award bewerben?

Junge Frauen mit guten Ideen und unternehmerischen Ambitionen. Sehen Sie sich die erfolgreichen Bewerberinnen an! Da ist zum Beispiel Rosanne Verbeek, die Gründerin von FemAlert – einer Organisation, die Frauen fröhliches Ausgehen bei gleichzeitiger persönlicher Sicherheit ermöglicht. Oder Dana Dijkgraaf, die Gründerin eines Designstudios, das die coolsten Klienten anzieht. Oder Laura Melenhorst, der Kopf hinter dem Self-Love Summit … und noch viele andere mehr.

Warum sind Ihnen Themen wie „female Leadership“ und „weibliche Gründermentalität“ wichtig?

Frauen – in egal welcher Position – verdienen die gleichen Chancen, Rechte und Einkommen wie ihre männlichen Kollegen. Das gilt es durchzusetzen. Denn Diversity ist nicht nur gut für alle persönlich, sie ist auch gut fürs Geschäft – das zeigen viele Studien und Erfahrungen. Auch will ich zeigen, dass Frauen mit ihrer Persönlichkeit und ihren Ideen nicht hinter dem Berg halten müssen – kein eigenwilliger Charakter verdient es, hinter einem schwarzen Rolli oder einem Business-Kostüm verschwinden zu müssen. Starke Frauen mit bunten Ideen, die für ihr eigenes „Fempire“ kämpfen? Immer her damit!

Sie bringen hervorragende Kenntnisse aus den Bereichen Branding, Change-Management sowie erlebnisorientiertem Marketing in Ihren Job mit. Wie passt das alles zusammen bei CCV?

Die verbindende Unternehmenskultur bei CCV hat sich über die Jahre als sehr wertvoll erwiesen und wirkte zum Beispiel bei Übernahmen wie ein Klebstoff, der alles zusammenhält. Es geht darum, dass die Mitarbeiter wissen, dass sie Teil des großen Ganzen sind und nicht jeden Morgen antreten müssen, um mit allen anderen in Wettbewerb zu treten. Wir arbeiten als Team zusammen, als Gruppe – so erzielen wir die besten Ergebnisse. Bei CCV ist Mitarbeiterzufriedenheit sehr wichtig. Kundenzufriedenheit ist ebenfalls von enormer Bedeutung. Und natürlich Innovation – die liegt uns allen am Herzen.

Ist das nur für große Unternehmen oder auch für kleine und junge Unternehmen umsetzbar?

Viele meiner Prinzipien wirken im Großen wie im Kleinen. Neben einem integrativen Führungsstil und dem stetigen Streben nach Innovation sind Partnerschaften wichtig. Als ich vor rund zehn Jahren bei CCV das Ruder übernommen habe, wollte ich das Unternehmen deutlich internationaler machen. Ich war der Meinung: Das geht am besten mit guten Partnern vor Ort. Natürlich könnten wir unsere Niederlassungen in den USA, in China oder auch in Saudi-Arabien neu gründen. Oder wir können uns Unterstützung suchen bei lokalen oder regionalen Partnern, die ihre Länder und ihre Kunden kennen. Mir geht es darum, gemeinsam mit meinen Partnern und Teams eine Win-win-Situation zu schaffen – und das geht nur mit den richtigen Antworten auf die Frage, was ein spezifischer Markt wirklich braucht. Auch hier gilt: Es geht immer um den persönlichen Touch, wie übrigens in jeder Beziehung. CCV ist im Wesen nach ein Familienunternehmen und ich glaube, dass eine Geschäftsbeziehung aufzubauen ganz ähnlich funktioniert wie der Aufbau von Beziehungen in einer Familie.

Wie wichtig ist Marketing in der heutigen Zeit?

Es geht um die Beziehung! Wir bei CCV arbeiten ständig daran, die Rolle zu verdeutlichen, die Bezahltechnologie in Handel und generell in der Wirtschaft haben kann. Unser Ziel ist, alle Kontaktpunkte zu verknüpfen, die ein Kunde zu einem Händler hat – sei es online im E-Commerce oder über sämtliche physische Verkaufspunkte hinweg. Die Beziehung, die so entsteht, erlaubt es dem Händler, wirklich in der Tiefe zu verstehen, was Kunden wollen und wie sie agieren.  Darauf baut jede Interaktion mit den Kunden auf, auch im Marketing.

Welche Trends sind momentan aktuell?

Heutzutage haben die Händler und deren Geschäftspartner viele Möglichkeiten, neue, kreative Lösungen und Marketing-Ansätze auszuprobieren. Wir bei CCV machen die Erfahrung, dass es dem Endverbraucher zunehmend um Bequemlichkeit geht – also um schnelleren, günstigeren Service. Gefragt sind nahtlose verzahnte, problemlose Dienstleistungen. Wir nennen das „applied innovation“, also angewandte Innovation. Dass etwas neu ist, reicht nicht, es muss am Ende für den Verbraucher Mehrwert schaffen.

Vielen Dank!

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