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Feelgood Management: Wohlfühlen – auch im Job

Schneller, höher, weiter: Arbeit wird immer vielseitiger und anspruchsvoller. Jeden Tag gibt es neue Entwicklungen, die massive Veränderungen in der Berufswelt mit sich bringen. Da ist es wichtig, dass das Arbeitsklima in den Unternehmen stimmt und sich die Arbeitnehmer mit ihrem Job identifizieren können. Eine neuer Beruf versucht hier Hilfestellung zu geben: Die Feelgood ManagerIn.

Frau Große-Stöwe, Sie sind eine Feelgood Managerin. Was genau machen Sie?

Als Feelgood ManagerIn berate ich Unternehmen, wie sie optimale Rahmenbedingungen für ein gutes Arbeitsklima innerhalb des Betriebes schaffen.
Dabei geht es um mehr als nur um Bespaßung oder Gesundheitsvorsorge, es geht um eine ganzheitliche, wertschätzende Unternehmenskultur für Mitarbeiter. Mit dem Aufstellen eines Kickers ist es da nicht getan.

Sie haben mit Ihrem Unternehmensberatung MoodUp ein Unternehmen gegründet, das sich mit dem Feelgood Management befasst. Wie sind Sie darauf gekommen, sich damit selbstständig zu machen?

Ich habe einige Jahre als PersonalerIn und BeraterIn Mitarbeiter für Unternehmen rekrutiert. Bei manchen Projekten habe ich mich schwer getan, denn es gab auch Unternehmen unter meinen Kunden, die mir ein schlechtes Bauchgefühl gemacht haben. Insofern das die Unternehmensleitung keine kompetente Führung vorleben konnte und die Arbeitsatmosphäre schlecht war. Es gab beispielsweise in diesen Fällen keine gute Kommunikation, keine Fairness, kein Teamwork bzw. vertrauensvolle Zusammenarbeit der Mitarbeiter untereinander und einiges mehr. Da wollte ich niemanden hin vermitteln. Dann habe ich einen Fachartikel über Feelgood Management gelesen und so meine Profession gefunden. Das war wie eine Initialzündung und der Auslöser für meine Weiterbildung zur Feelgood ManagerIn.
Welcher Voraussetzungen bedarf es von Ihrer Seite, um eine Änderung in den Betrieben und Unternehmen zu bewirken?
Es muss eine Bereitschaft der Unternehmen zur Veränderung gegeben sein, die Leitung muss wirklich 100% hinter dem Vorhaben stehen und auch den Wunsch haben, Veränderungen vorzunehmen. Dazu gehört, dass die Unternehmensführung die Feelgood Manager vertrauensvoll ihre Arbeit machen lassen, denn nur so kann man auch wirklich etwas an der Unternehmenskultur ändern.

Wenn man von Feelgood spricht, ist damit ja nicht die betriebliche Wellness-Oase gemeint, was sind die Verbesserungen, die Sie anstreben?

Es geht bei meiner Arbeit um die Schaffung eines Wohlfühl-Arbeitsplatzes, um die Arbeitskultur innerhalb eines Betriebes, um Fairness, Teamwork und vor allem um Offenheit unter den Mitarbeitern und der Chefetage. Der Feelgood Manager ist ebenso Coach und Vertrauensperson. Ist im Übrigen auch gut nachzulesen auf meiner Webseite www.mood-up.eu.

Wie geht man in die Unternehmen hinein, um eine Veränderung zu bewirken?

Offen, ehrlich, authentisch. Das ist ganz wichtig. Ich beginne immer mit einem standardisierten Fragebogen, wo ich zunächst die Geschäftsführung befrage warum und was geändert werden soll. Danach wird eine Online Mitarbeiterbefragung bezüglich der Zufriedenheit gemacht. Es ist wichtig alle Mitarbeiter mit ins Boot zu nehmen. Ich gehe durch die Abteilungen, rede mit den Leuten und bekomme so ein Gefühl was die Leute bewegt und was wichtig ist.

Was haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu leisten, um eine bessere Atmosphäre nachhaltig zu schaffen?

In erster Linie, wie schon erwähnt, muss die Bereitschaft, etwas ändern zu wollen, da sein, der Wille, Regeln und alte Strukturen aufbrechen zu wollen. Das geht nicht ohne Offenheit, Ehrlichkeit, Respekt, Achtung, Gleichwertigkeit und Wertschätzung. Sind die Softskills nicht gegeben, ist keine Feelgood Arbeit möglich. Für die Unternehmensleitung ist es wichtig zu wissen, dass sich meine Arbeit auch in Zahlen niederschlägt: Die Mitarbeiterzufriedenheit ist auch beim Kunden spürbar.

Begegnet Ihnen viel Skepsis, wenn Sie in einem Unternehmen anfangen zu arbeiten?

Bei ersten Gesprächen mit der Unternehmensleitung ist oft Skepsis zu spüren. Ich berate aber intensiv, erkläre und zeige auf was ich mache. Erzähle ich dann noch, dass sich auch die Unternehmens Kennzahlen verbessern, dann schlägt die Stimmung meistens um. Die Mitarbeiter finden eine Umstrukturierung und Veränderung oft sehr gut. Zurzeit ist im Mittelstand viel Druck und Belastung der Mitarbeiter zu spüren. Fachkräfte fehlen, es mangelt an Nachwuchs durch den demographischen Wandel. Da ist es wichtig eine Arbeitgebermarke zu schaffen. Mit Feelgood Management geht man schon einen Schritt in die richtige Richtung!

Wie wird diese Entwicklung angenommen, sowohl von Arbeitgeber- als auch von Arbeitnehmerseite?

Meine Arbeit wird gut angenommen. Die Mitarbeiter finden es interessant und sind begeistert was man alles machen kann. Zum Beispiel ist ein Onboarding Konzept für neue Mitarbeiter notwendig. Sehr wichtig ist immer wieder die Kommunikation untereinander. Es sollten daher regelmäßige wöchentliche Treffen implementiert werden, um sich auszutauschen, innerhalb der Abteilung und auch mit dem Vorgesetzten. Ich halte auch eine Umstellung auf agiles Arbeiten wie z.B. mit der Scrum Methode für sehr sinnvoll. Das ist nicht nur zukunftsorientiert sondern stärkt das Team, die Kommunikation, das Selbstbewusstsein der Mitarbeiter und vieles mehr.

Wie lange dauert ein solcher Prozess, wenn er gestartet ist?

Das ist ganz unterschiedlich. Meist dauert eine Umstrukturierung nach dem Feelgood Vorgehen zwischen vier bis sechs Monate, manchmal auch länger. Es hängt ganz davon ab, was das jeweilige Unternehmen will.

Wie nachhaltig ist die Umstrukturierung? Muss nachgebessert werden?

Nein, nicht unbedingt. Feelgood Management entwickelt eine Eigendynamik. Das ist auch von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Sind die Menschen im Unternehmen erst mal in dem Prozess kommt es automatisch zu Nachbesserungen bzw. neuen Ideen und Vorschlägen. Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig, selbstverständlich gibt es immer wieder Feedback Gespräche. Durch ein gutes Evaluationssystem habe ich die Möglichkeit die Mitarbeiterbefragungen auszuwerten und einen Qualitätsstandard zu setzen.

  Susanne Große-Stöwe

ist Personalfachkauffrau, Personalmanagement-Ökonom & Business Coach. Seit 1993 im Bereich Human Ressource Management tätig. Zunächst in der Personalabteilung eines deutschen Stahlkonzerns, danach als BeraterIn in verschiedenen Personalberatungen mit dem Schwerpunkt Personalmarketing, -rekruiting und -entwicklung. Weiterbildung zum Business Coach und zur Feelgood ManagerIn.

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