Unternehmerinnenporträts

Vom Bühnenlicht zur inneren Arbeit

Stefanie Pfennigs Weg zur Heilmeditation

Aus der Redaktion

Stefanie Pfennig gehört zu den Frauen, deren beruflicher Weg sich nicht aus Karriereplänen, sondern aus Lebensbrüchen heraus entwickelt hat. Zwölf Jahre lang stand sie unter dem Künstlernamen Stefanie Monee als Sängerin auf der Bühne und veröffentlichte Alben, bevor sie sich bewusst von der Schlagerwelt löste. Nicht aus Trotz, sondern aus der Erkenntnis, dass äußere Erfolge innere Verletzungen nicht überdecken. Die Musik bot ihr Bühne und Publikum, doch sie verdeckte zugleich Themen, die lange unbearbeitet geblieben waren. Erst als sie sich diesen inneren Konflikten stellte, entstand Raum für eine berufliche Neuorientierung, die nicht auf äußeren Erwartungen beruhte, sondern auf innerer Notwendigkeit.

Statt weiter in einer Rolle zu funktionieren, die sie zunehmend erschöpfte, entschied sie sich für einen Weg, der ihr erlaubte, ihren bisherigen Lebensweg in eine sinnstiftende Tätigkeit zu übersetzen. Die bewusste Abkehr von der Bühne war damit kein Verlust, sondern ein Schritt hin zu einer Arbeit, die ihr Stabilität gab und anderen Orientierung bietet. Aus der Krise wurde ein Wendepunkt – und aus dem Wendepunkt ein beruflicher Neubeginn.

Karrierewechsel als Schritt in die Klarheit

Heute arbeitet Stefanie als Heilmeditationstrainerin, examinierte Tagespflegeperson und Musikcoach. Unter dem Namen Heilmeditation Pfennig begleitet sie Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf dem Weg zu mehr Bewusstsein, emotionaler Stabilität und Selbstvertrauen. Wenn man sich mit Stefanie unterhält, merkt man innerhalb weniger Minuten: Hier sitzt eine Frau, die viel zu sagen hat – nicht, weil sie laut auftritt, sondern weil ihre Worte aus gelebter Erfahrung kommen.

Sie spricht mit einer Ruhe, die nur Menschen entwickeln, die das Leben in all seinen Facetten kennengelernt haben: Erfolg und Überforderung, Nähe und Verrat, Aufbruch und Verlust. Ihre Methoden entstehen daher auch nicht aus Lehrbüchern, sondern aus eigener Erfahrung: Aus alten Wunden formte sie ein berufliches Fundament, das authentisch, lebensnah und unmittelbar wirksam ist.

Musikalische Förderung als Schlüssel zu emotionaler Stabilität

Stefanie arbeitete in Kindergärten und Grundschulen, leitete Kurse und begleitete Familien im Alltag. Diese Tätigkeit gab ihr einen tiefen Einblick in kindliche Bedürfnisse, familiäre Dynamiken und die Bedeutung früher Prägungen. Gleichzeitig lernte sie, wie stark Kinder auf emotionale Resonanz reagieren – ein Wissen, das später zum Kern ihrer Arbeit wurde.

Musik ist für Stefanie kein abgeschlossenes Kapitel, sondern ein Werkzeug, das sie heute bewusst einsetzt. Als Songwriterin verbindet sie musikalische Elemente mit Meditation, um besonders Kindern und Jugendlichen einen emotionalen Zugang zu sich selbst zu ermöglichen. Viele ihrer jungen Klient*innen sind Trennungskinder oder stehen unter hohem Druck; für sie schafft Musik einen Raum, in dem Gefühle sichtbar werden dürfen.

Vor der Pandemie betreute sie ein Jahr lang Autist*innen in der musikalischen Förderung. Parallel absolvierte sie eine Ausbildung zur Entspannungstrainerin in der Heilmeditation sowie eine Weiterbildung zur Seminarleitung. Stefanie versteht den Menschen als individuelle Lernaufgabe und entwickelt ihre Methoden aus dem Moment heraus. Zentral dabei: die Begegnung mit dem inneren Kind.

Körper, Gefühl, Erinnerung: Ganzheitliche Arbeit am inneren Kind

Die Arbeit mit dem inneren Kind ist ein psychologisches Werkzeug, das in mehreren etablierten Therapierichtungen verankert ist. Die Wurzeln reichen zurück zu Carl Jung, der das innere Kind als archetypischen Anteil beschrieb, der frühe Erfahrungen, Verletzlichkeit und Entwicklungsschritte repräsentiert. In ihren Sitzungen führt Stefanie Klient*innen behutsam in Kontakt mit diesen jüngeren inneren Anteilen. Der Einstieg erfolgt meist über eine geführte Meditation, in der die Aufmerksamkeit vom äußeren Geschehen nach innen gelenkt wird. Stefanie nutzt dabei Atemarbeit, Klangschalen oder sanfte musikalische Impulse.

Sobald ein innerer Anteil sichtbar wird – etwa ein ängstliches, überfordertes oder zurückgezogenes Kind –, begleitet Stefanie ihre Klient*innen dabei, eine Beziehung zu diesem Anteil aufzubauen. Dieser Prozess ähnelt dem psychologischen „Reparenting“ – dem Nachholen dessen, was früher gefehlt hat: Schutz, Verständnis, Orientierung.

Dabei geht es auch immer wieder um die Ablösung von belastenden Familienthemen. Stefanie arbeitet mit ihren Klient*innen mithilfe von Visualisierungen und körperorientierten Techniken daran, übernommene Gefühle zu erkennen und einzuordnen – etwa Schuld, Verantwortungsdruck oder das Bedürfnis, familiäre Rollen weiterzuführen, die längst nicht mehr passen. Vergebung spielt dabei eine wichtige Rolle – nicht als moralischer Anspruch, sondern als innerer Prozess, der Entlastung ermöglicht.

Blockaden lösen, mutiger handeln: innere Kindarbeit im Business-Kontext

Für Stefanie steht außer Frage: Die Arbeit mit dem inneren Kind ist auch für Frauen, die gründen, führen oder sich beruflich neu ausrichten, ein strategisches Werkzeug, das hilft, Blockaden zu erkennen, die im Berufsalltag oft wirken: der Drang, es allen recht zu machen, die Angst, Fehler könnten zu Ablehnung führen, oder die Tendenz, sich selbst zurückzustellen. Diese Muster beeinflussen Preisgestaltung, Sichtbarkeit, Teamführung und Entscheidungsfreude, ohne dass sie bewusst wahrgenommen werden.

Wenn Frauen verstehen, welche inneren Anteile in Stresssituationen reagieren, gewinnen sie Handlungsspielraum. Entscheidungen werden klarer, Grenzen stabiler, Kommunikation direkter. Gründerinnen lösen Konflikte souveräner und verwechseln berufliche Risiken nicht mehr mit persönlicher Bedrohung. Die innere Kindarbeit schafft damit eine Grundlage, auf der unternehmerisches Denken und emotionales Gleichgewicht zusammenfinden. Und dass dieser Weg funktioniert, zeigt niemand deutlicher als Stefanie Pfennig selbst.

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