Unternehmerinnenwissen

Das richtige Storytelling: Verkanntes Marketing-Instrument und mehr

Frau Vogels, was ist für Sie ein spannendes oder interessantes Gespräch?

Ein Gespräch, an das ich mich nachher noch erinnere. Über das ich nachdenke, das nachwirkt, über die Dauer des Gesprächs hinaus.

Sie befassen sich mit Storytelling. Was genau versteht man darunter?

Storytelling ist die Kunst Geschichten zu erzählen. Dabei geht es aber nicht darum, Geschichten zu erfinden und es geht auch nicht darum, sich selbst zu vermarkten. Wenn ich meine Geschichte mit einer anderen Person teile, geht es vor allem um eines: um Connection. Es geht darum, eine Verbindung zu einer anderen Person oder einer Gruppe herzustellen. Das lässt sich im Privaten, aber auch im Beruflichen anwenden und das kann jeder lernen!

Der Begriff Storytelling hat in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung gewonnen. Ist es ein reines Buzzword oder mehr?

Storytelling ist viel mehr als

Rebecca Vogels

Rebecca Vogels / © Daniel Willinger | dwphoto.at

ein Buzzword! Der Begriff kommt nicht aus dem Marketing, auch wenn er inzwischen damit verknüpft ist. Interessant ist aber, dass auch wir hier in Europa einen englischen Begriff verwenden und das ist kein Zufall: In den USA gibt es eine lange Tradition des Creative Writings und von Schulen und Institutionen, in denen jeder Schreiben lernen kann. Storytelling ist etwas, das wir alle sowieso schon machen: Wir erzählen unsere Story, die Dinge, die wir erleben, unserer Familie, Freunde, Kolleg*innen. Aber auch unseren Kund*innen, Geschäftspartner*innen etc. Beim Storytelling geht es um die Frage: Wie können wir das besser machen!

Sie selbst sehen Storytelling nicht nur als eine Form des möglichst interessanten Auftretens in der Öffentlichkeit, sondern als eine Möglichkeit, sich selbst besser zu verstehen. Können Sie uns das erklären?

Als ich 23 war, bin ich ohne jemanden zu kennen, nach New York gezogen. Ich habe dort erlebt, dass jeder mir dort seine Geschichte erzählen konnte. Ich habe gemerkt: Immer wenn wir unsere Geschichte erzählen, erzählen wir diese auch uns selbst. Und wie wir unsere Story erzählen, kann uns Aufschluss geben, was wir wollen, was unsere Ziele sind, wohin wir wollen.

Welche Tipps geben Sie, um aus einem Smalltalk ein Gespräch zu machen?

Ich habe viele Jahre in den USA gelebt und dort gelernt, wie schon Kinder im Kindergarten lernen, ihre Geschichte zu erzählen. Storytelling ist in den USA fester Bestandteil der Ausbildung, das habe ich immer wieder erlebt. Wir haben da noch Nachholbedarf: Wenn ich Pre-Corona auf Networking-Events war, ging es immer um Fragen wie: „Was mache ich? Was hab ich davor gemacht? Was habe ich studiert?“. Kurz: Man bleibt bei einer Art „LinkedIn-Gespräch“ hängen, das meistens eher langweilig ist. Spannend wird es dann, wenn ich über meine Motivation rede, als „Warum mache ich das, was ich mache“. Das bleibt auch oft im Nachhinein in Erinnerung.

Kommen wir zu unserer Zielgruppe: Unternehmerinnen, Gründerinnen und Frauen in Führung. Gibt es etwas, was Sie Frauen unbedingt sagen wollen?

Ich habe 2017 in Silicon Valley gelebt und beim Salesforce Incubator gearbeitet. Dort habe ich das Motto „Story first, product second“ kennengelernt. Wenn Unternehmen ein neues Produkt entwickeln, überlegen sie zuerst: Welche Story will ich erzählen? Das können wir alle nutzen, indem wir fragen: Welche Story will ich erzählen? Mit meiner Agentur Big Picture Group haben wir genau diesen Ansatz nach Europa gebracht und arbeiten gemäß diesem Motto mit Unternehmen und Menschen. Jeder kann nach diesem Motto die eigene Geschichte oder die des eigenen Unternehmens erzählen, indem man sich fragt: Was ist die Story? Was soll hängen bleiben?

Wie gut „verkaufen“ sich Frauen im Vergleich zu Männern?

Ich finde Zuschreibungen im Sinne von „Männer sind so“, „Frauen sind so“ eher schwierig. Beim Storytelling geht es auch nicht primär um ein Verkaufen, sondern um eine Connection und ich glaube, darin besser zu werden, davon können wir alle profitieren.

Sie haben ein Buch geschrieben: Erzähl Dein Leben neu. Worum geht es?

In meinem Buch geht es darum, wie wir das Motto „Story first“, das ich damals im Silicon Valley kennengelernt habe, auf unser eigenes Leben übertragen können. Wie können wir unsere eigene Geschichte planen, leben und erzählen? Ich erzähle dabei auch meine eigene Geschichte, die mich aus dem Rheinland nach New York geführt hat und gebe viele Praxistipps, zum Thema Storytelling, aber auch Story-Living.

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