Unternehmerinnenwissen

Größenwahn statt Selbstzweifel – Setz‘ Dich ins Licht

Schon seit geraumer Zeit diskutiert die Netzgemeinde online wie auch offline darüber, wie mehr Frauen auf die Bühnen kommen oder geleitet werden können. Redenstrafferin Katja Kerschgens und  Respektspezialistin Bettina Schöbitz haben die Blogparade “Setz’ Dich ins Licht” gestartet und interessante Fragen aufgeworfen.

Was können wir von männlichen Kollegen und erfolgreichen Kolleginnen lernen?

Die Schriftstellerin Irmtraut Morgner stellte treffend fest: Der schlimmste Fehler der Frauen ist ihr Mangel an Größenwahn. Und man muss ihr Recht geben, denn egal in welchen Bereichen man sich umschaut, Männer zweifeln nicht an sich. Sie haben die richtige Portion “Größenwahn” anscheinend im Blut. Und sie stellen sich nicht die Frage: “Was denken die anderen über mich?”. Es ist ihnen egal ob der Schlips schief hängt oder sie permanent Fremdwörter benutzen, die sie nicht aussprechen können. Kann es auch, denn Männer lästern nicht (oder nur wenig) übereinander. Und sie lassen persönliche Aversionen nicht heraushängen.

Was hält uns (noch) davon ab, ins Licht zu treten?

Der größte Feind der Frau sind ihre angeborenen oder auch anerzogenen Selbstzweifel. Auch bei sehr selbstbewussten Frauen. Der Lippenstift passt nicht zum Schuh? Das kann durchaus zu Unsicherheiten führen. Hilfreich ist dann ein(e) Fürsprecher(in), die uns wieder auf den rechten Weg schubst. Frauen brauchen, wie Männer, Anerkennung von außen. Doch Männer tun sich schwer, Frauen die nötige Anerkennung zu zollen und Frauen untereinander stehen oft in Konkurrenz.

Was können wir vielleicht sogar noch besser als unsere Rednerkollegen?

Es geht nicht immer um besser, schneller, weiter. Es geht um Kompetenz und Rhetorik. Ein Aspekt, der von Männern und Frauen oft unter- bzw. überschätzt wird. Der Wettbewerbscharakter einer solchen Präsentation führt bei Frauen erneut zu altbekannten Selbstzweifeln. Wichtig ist, und das wird oft nicht erkannt, die Akzeptanz untereinander und der entsprechende Respekt voreinander.

Wer „von uns“ hat es schon geschafft – und welchen Weg ist sie gegangen?

Ganz viele Frauen haben es schon geschafft. Frauen, die in Elterngremien von Kindergarten und Schule das Wort ergreifen. Frauen, die Touristengruppen durch Orte und Museen führen. Frauen, die leider noch viel zu oft in den unteren politischen Ebenen von Städten und Gemeinden kämpfen. Sie alle lassen sich nicht beirren und gehen ihren Weg. Namentlich genannt werden allerdings leider immer die gleichen. Und das trägt zu einer sehr eingeschränkten Außenwirkung bei. Stilleren Frauen oder Rednerinnen wird leider noch viel zu wenig Anerkennung und Aufmerksamkeit geschenkt.

Wie können wir – am liebsten gemeinsam mit den männlichen Kollegen – die Bühnen und Podien lebendiger „bespielen“?

Frauen müssen lernen, direkt bei einer Anfrage mit einem lauten „JA“ dabei zu sein, nicht erst überlegen, ob man das vielleicht doch gar nicht kann. Gibt es eine Terminüberschneidung, sollte jede Frau ein oder zwei adäquate Vertreterinnen nennen können. Dazu muss natürlich das Konkurrenzdenken hinten angestellt werden. Gegenseitige Unterstützung ist gefragt.

Wie können wir uns noch besser vernetzen und so gemeinsam mehr „Sichtbarkeit“ schaffen? Welchen Nutzen bieten uns typische Rednernetzwerke wie GSA, SheNoteSpeaker, Women Speaker Foundation, Speakerinnen.org & Co?

Netzwerke leben davon, dass sie wachsen und Diversität zeigen. Elitäre Kreise können ein Indiz für hohe  Kompetenz der Speakerinnen sein, doch nicht jede Expertin kann es sich finanziell leisten, sich in genau solche Kreise `einzukaufen`. Somit schränken teure Netzwerke ihr Wachstum von selbst ein. Eine rein weibliche Unterstützung wird hier oft vergeblich gesucht.

Es hat den Anschein, dass man durch hohe Preise ungeliebte Konkurrenz außen hält. Der falsche Weg, wenn das Problem gemeinsam angegangen werden soll. SheNoteSpeaker kann man im engen Sinne auch nicht als Netzwerk gelten lassen, geht es hier eher um eine Vermarktungsplattform für eine kleine Gruppe von fünf Frauen. Der Ansatz von Speakerinnen.org zielt da eher in die richtige Richtung. Auf dem Portal kann man sich als Expertin ganz einfach registrieren. Aber selbst hier sitzt Frau schon mit einer gewissen Hemmschwelle vor dem Bildschirm. Am Ende siegen häufig die Selbstzweifel. “Kann ich das wirklich?” “Nachher blamiere ich mich zwischen den Männern.” Dabei zeigt die Unterseite https://50prozent.speakerinnen.org/ , dass es wirklich wichtig ist, dass Frau endlich auf die Bühne geht. Unglaublich viele Konferenzen haben noch eine 100% Männerbesetzung im Rednerbereich.

Es gibt weitaus mehr Netzwerke, die sich im Kern zwar um andere Themen drehen, als Frauen auf die Bühne zu bekommen, die jedoch ein großes Potential an Expertinnen beinhalten. Diese Netzwerke müssen offen füreinander sein und Empfehlungen aussprechen.

Und ganz wichtig: Frauen müssen ihren Auftritt feiern! Pressemitteilungen, Soziale Medien, Interviews. “Schaut, was ich gemacht habe!” – Männergehabe? Ja, aber bei denen funktioniert es auch. Bescheidenheit ist fehl am Platz.

Welcher Weg führt für uns endlich durch die sprichwörtliche „Gläserne Decke“?

Gegenfrage: Ist es sinnvoll diese “Gläserne Decke” immer wieder zu thematisieren? Psychologisch betrachtet, suggerieren wir uns damit, dass es einen Punkt gibt, an dem es nicht weitergeht. Kein Mann würde jemals auf die Idee kommen, eine imaginäre Grenze aufzubauen, um darüber zu sinnieren, wie er sie überwinden kann. Frauen müssen einfach weitergehen, bis zu dem Punkt, an dem sie für sich das Gefühl haben, angekommen zu sein oder eine Pause zu brauchen, um später weiterzugehen. Wer nicht darauf wartet, an eine Grenze zu stoßen, wird auch keine finden!

Vorheriger Beitrag

Frauennetzwerk-FOODSERVICE: Miteinander füreinander - mehr Frauen in Führungspositionen

Nächster Beitrag

Whisky und Frauen - Cornelia Bohn, Destillateurin

2 Kommentare

  1. 18. April 2016 at 16:13

    Der schlimmste Fehler der Frauen ist nicht der mangelnde Größenwahn. Dieser ist bei Männern und Frauen gleichermaßen nervend. Auch Frauen, die sich „permanent selbst inszenieren“ können eher abstossend wirken.
    Stattdessen sollten Frauen lieber Sicherheit im eigenen Tun bekommen. Wer (echte) Selbstsicherheit und Souveränität ausstrahlt, ist erfolgreich und zieht andere Menschen an. Und notwendige rhetorische Techniken und körpersprachliche Präsenz sind schließlich erlernbar.
    Gut individuell und persönlich vernetzt zu sein ist unbezahlbar! Welche leicht Kontakte machen kann und diese auf pflegen und halten kann, ist die Gewinnerin des persönlichen Marketings. Freude und Spaß im Umgang mit Menschen ist natürlich vorausgesetzt.
    Ich glaube nicht, dass die teuren Profinetzwerke mit hohen Mitgliederbeiträgen vorrangig die Konkurrenz fernhalten wollen. Es geht denen wohl eher um ein profitables Geschäft in einem lukrativen Speaker-Markt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.