Unternehmerinnenwissen

PIN. – Ein Ort, an den man immer zurückkehren kann

In der Pinakothek der Moderne ist, wie der Name schon verrät, Moderne Kunst zu sehen. Hinter dem Museum steht ein engagierter Verein, der seit 1965 das Ziel verfolgt zeitgenössische Kunst zeitnah zu entdecken und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Seinen knapp 900 Mitgliedern bietet der Verein 70 Veranstaltungen im Jahr, bestehend aus Führungen, Previews, Atelierbesuchen, Künstlergesprächen, Vorträgen und Reisen. Und einer Online-Benefiz-Auktion!

Über die Vereinsarbeit haben Dorothée Wahl (DW), Katharina Freifrau von Perfall (KvP), Dr. Sophie-Kathrin Kirchner (SKK) und Stephanie Rechenberg (SR) vom Vorstand mit SHE works! gesprochen.

Können Sie unseren Leser*innen kurz zusammenfassen, was PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne ist?

Dorothée Wahl Vorsitzende Foto Hannes Rohrer

Katharina Freifrau v. Perfall, stellvertr. Vorsitzende Foto Markus Burke

Dr. Sophie-Kathrin Kirchner Vorstand Foto Hannes Rohrer

Stephanie Rechenberg Vorstand Foto privat

 

 

KvP: Bei PIN. steht der Mensch im Vordergrund. PIN. ist ein starker, dynamischer Verein mit über 900 Mitgliedern. Sie ermöglichen uns, in die Stadt und die Gesellschaft hineinzuwirken und der Pinakothek der Moderne und dem Museum Brandhorst, die wir fördern, indem wir Ausstellungen, Vermittlungsprojekte und Ankäufe unterstützen, zu noch größerer Strahlkraft zu verhelfen. Wir bieten unseren Mitgliedern mindestens ein Kunst-Event in der Woche, aber auch ein großes und lebendiges Netzwerk, Feste und soziale Kontakte. Um unsere Ziele erfüllen zu können, werben wir auf unterschiedlichsten Wegen Gelder ein.
Unser wichtigstes Fundraising-Tool ist die große PIN. Benefizauktion, die wir in diesem Jahr zum 19. Mal im November veranstalten. Etwa 85 Werke junger und arrivierter Künstler mit einem Gesamtwert von 2.5 Millionen kommen dort an einem spannenden, unterhaltsamen Abend unter den Hammer. Es ist eine aufregende Veranstaltung, die dank großer medialer Wahrnehmung weit über München hinaus Käufer anspricht. Wir sind erfolgreich und müssen es auch sein. Denn sonst könnten „unsere“ Museen viele ihrer Projekte nicht realisieren.

Was bedeutet die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst für Sie alle?

KvP: Nähe zu den brennenden Fragen der Gegenwart, Inspiration, Kontakt zu zukunftsorientierten, interessanten Menschen.
SKK: Zeitgenössische Kunst bedeutet für mich, ständig am Puls der Zeit zu sein – thematisch, gesellschaftlich sowie in der Materialität (oder Immaterialität) der Werke. Wenn man sich mit zeitgenössischer Kunst befasst, kann man nie stehen bleiben, sondern darf sich ständig mit neuen Einflüssen, Innovation, Progression und Inspiration auseinandersetzen.
SR: Für mich bedeutet sie die Suche nach einem Moment der Überraschung, visuell oder gedanklich. Als Kunsthistorikerin stelle ich mir die Frage: Gab’s das schon? Wird hier Bestehendes weiterentwickelt? Es interessiert mich, wie die zunehmende globale Verflechtung multikultureller Einflüsse mit ihren jeweiligen Traditionen und Perspektiven neue Impulse bringt.

Die Vorstandsmitglieder kommen größtenteils aus Bereichen, die nicht unbedingt etwas mit Kunst zu tun haben. Sie, Frau Wahl, leiten das eigene Unternehmen im Bereich hochwertiger Damen­oberbekleidung. Was waren Ihre Beweggründe, sich für den Vorstand von PIN. zu interessieren?

DW: Mein Beruf hat neben vielen betriebswirtschaftlichen Themen auch mit Material, Form, Farbe und Design zu tun. Die hierfür notwendige Sensibilität hat mich immer wieder zur Kunst geführt und mir viele Anregungen gegeben.
Als meine 3 Kinder die Schulzeit beendet hatten, habe ich begonnen mich stärker im Verein zu engagieren, dabei war es mir als Münchner Unternehmerin immer wichtig, andere Unternehmen dieser Stadt mit ins Boot zu holen und ihnen zu verdeutlichen, wie wichtig ein solches gesellschaftliches Engagement ist, wenn man auch von den Standortvorteilen Münchens mit seinen herausragenden Kulturinstitutionen profitiert. Mir macht es großen Spaß, Menschen und Projekte sinnvoll zusammen zu bringen.

Frau von Perfall, Sie hatten sechs Jahre den Vorstandsvorsitz inne. Heute sind Sie stellvertretende Vorsitzende. Warum dieser Schritt?

KvP: Ich habe diesen Schritt selbst eingeleitet. Ich komme aus der Kunst, Frau Wahl kommt aus der Wirtschaft. Wir haben auch schon in meiner Zeit als Vorstandsvorsitzende eng zusammengearbeitet und dann die Rollen getauscht. Was der immer größer und umsatzstärker werdende Verein heute braucht, ist vor allem auch unternehmerische Kompetenz. Ich stehe für das kunsthistorische Know-how. Daneben haben wir eine Juristin, eine Steuerberaterin und einen IT-Spezialisten im Vorstand. Die Aufgaben, die wir alle mit großem Zeiteinsatz ehrenamtlich erfüllen, sind immer vielfältiger geworden.

Frau von Perfall, Sie kommen aus dem Bereich Kunst und Kunstgeschichte und haben die Umsetzung architekturbezogener Kunstwerke von Gerhard Richter, Dan Flavin, Juan Munoz, Daniel Buren oder Robert Barry betreut. Was hat Ihnen an dieser Arbeit am meisten gefallen?

KvP: Vor allem hat mich fasziniert, im Moment des Entstehens einer Idee dabei zu sein und diese im Zusammenspiel mit Künstlern, Auftraggebern und Architekten so umzusetzen, dass möglichst wenig Abstriche nötig wurden.

Frau Dr. Kirchner und Frau Rechenberg, Sie sitzen beide erst seit kurzem im Vorstand von PIN., was bedeutet dieses Engagement für Sie?

SKK: Ich bin hauptberuflich und in Vollzeit als Ärztin tätig. Insofern ist mein Engagement bei PIN. für die Kunst ein reines Ehrenamt. Für mich ist es spannend, neben dem Klinikalltag eine solche verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Ich versuche dabei nicht meine eigenen Interessen durchzusetzen, sondern immer wieder den Blick der Museumsbesucher und- besucherinnen zu übernehmen. Denn letztlich bin ich auch als Museumsbesucherin zu PIN. gekommen.
SR: Ich bin Rechtsanwältin und Kunsthistorikerin, habe aber auch zwei kleine Kinder. PIN. ermöglicht es mir, meine Kenntnisse in dem Bereich einzubringen, der mich begeistert, und gleichzeitig sinnstiftend aber zeitlich flexibel tätig zu sein. Eine besondere Rolle spielt dabei für mich, jungen Menschen das Museum als Ort der Inspiration, an den man immer wieder zurückkehren kann, näherzubringen.

Wo werden Sie Ihre Schwerpunkte bei der Vorstandsarbeit bei PIN. legen?

SKK: Als Leitung des PIN. Young Circles empfinde ich es als besonders wichtig, die aktuellen Themen zu diskutieren. Wohin bewegt sich die Gesellschaft? Wie soll das Museum reagieren oder auch selbst den Fortschritt gestalten? Es gibt so viele Themen, die meine Generation bewegen und in der Kunst ihren Niederschlag finden.
SR: Zum einen bin ich für die rechtlichen Angelegenheiten des Vereins zuständig, wodurch ich in zahlreichen Bereichen miteingebunden bin. Seit Anfang des Jahres leiten Sophie Kirchner und ich gemeinsam den PIN. Young Circle. Ein weiterer Schwerpunkt meiner Tätigkeit liegt bei der Förderung von Kunstvermittlungsprojekten.

Jeff Koons Balloon Dog (Orange), 2015 Porzellan Signiert und nummeriert auf der Rückseite LOS 35 – LIVE AUKTION © Jeff Koons

   Wie wichtig ist es, auch junge Generationen für Kunst zu interessieren?

SKK: Sonntags tummeln sich besonders viele junge Menschen in den Ausstellungsräumen. Das ist wunderbar, denn gerade in zeitgenössischen Museen können wir live miterleben, wie unsere Generation unsere Kultur und unsere Geschichte mitgestaltet.
SR: PIN. vergibt Patenschaften für junge Kunstinteressierte, die sich eine Vereinsmitgliedschaft nicht leisten können. Und damit die Generation nachwächst, die sonntags ins Museum geht, fördert PIN. verstärkt Vermittlungsprojekte für Kinder und Jugendliche.

Die zeitliche Spanne Ihrer Tätigkeit für PIN. liegt zwischen einigen Monaten bis zu 23 Jahren. Klappt die Zusammenarbeit?

KvP: Die Geschichte unseres Vereins, der 55 Jahre alt ist, ist unsere DNA. Was wir wann und warum gefördert haben und was sich daraus für die Zukunft ableiten lässt, ist ein Wissen, das die Älteren an die Jüngeren weitergeben. Umgekehrt bedeutet die Sicht der Jüngeren frischen Wind für den Verein. Es ist ein Austausch, den alle genießen und als fruchtbar empfinden.

Kathryn Andrews Hollywood Dahlia, 2020 Aluminium, Glas, Tinte und Papier LOS 03 – LIVE AUKTION Eingeliefert von Kathryn Andrews Photo Ahrum Hong; Courtesy the artist and David Kordansky Gallery, Los Angeles

Ihr Anliegen ist es Menschen für die Kunst zu interessieren und so weitere Unterstützung für PIN. zu erhalten. Wie schaffen Sie das?

DW: Mit Begeisterung, Verlässlichkeit und der genauen Analyse, welche Partner zu den jeweiligen Projekten passen. Mit dem Angebot zu interessanten Einblicken, Fragestellungen und dem Austausch mit Direktoren, Kuratoren und ungewöhnlichen Gesprächspartnern. Die Pinakothek der Moderne und das Museum Brandhorst sind für München ein Leuchtturm mit hohem Imagefaktor, das nehmen sowohl die Unternehmen als auch die Münchner Bürger, sowie die Touristen entsprechend wahr.
SKK: Das schafft man am besten, indem man sich selbst für die Kunst begeistert. Das springt dann einfach auf das Umfeld über.

Vielen Dank!

Vorheriger Beitrag

DIVERSITY 2021: Allyship – gemeinsam für Vielfalt

Nächster Beitrag

Google kündigt den Startup Day 2021 mit Manuel Neuer an

kein Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.