Unternehmerinnenwissen

Tina Breit: Ich entscheide, was ich fühle

Das Gespräch führte Carolin Schäufele

Tina Breit ist Expertin für Leistungsträger. Als Diplomkulturwirtin war sie über 10 Jahre als Führungskraft in der freien Wirtschaft tätig, unter anderem für Sony Pictures, Walt Disney und Amazon. Seit 2014 ist sie selbstständig, hat eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie, eine Spezialisierung zur Trauma-Therapeutin und zum Mindsetcoaching absolviert und sich nach körperlichen und mentalen Krisen 2018 komplett neu auf Leistungsmuster ausgerichtet und damit ein erfolgreiches sechsstelliges, aber vor allem entspanntes Onlinebusiness aufgebaut. Seither begleitet sie Menschen genau dabei: Weg von Arbeitspriorisierung, aka 60- bis 100-Stundenwochen – hin zu Lebenspriorisierung, also in ein entspanntes wie finanziell erfolgreiches (Arbeits-)Leben. Ihre Vision: eine Arbeitswelt ohne Leistungsdruck, sondern pro „Ressource Mensch“.

Frau Breit, sie haben sich zum Ziel gesetzt, Persönlichkeiten zu entwickeln und Menschen zu helfen ihre Blockaden und Ängste zu bewältigen, wie machen Sie das?

Den meisten Leistungsträgern, mit denen ich arbeite oder die erfolgreich sind, ist oft nicht bewusst, was Ängste überhaupt alles umfassen, da darf ich im ersten Schritt ein Bewusstsein schaffen, was überhaupt alles unter den Begriff „Ängste“ fällt. Zum Beispiel geht es um Sicherheitsdenken versus Risikobereitschaft, jegliche Form von Zweifel im Leben oder Misstrauen. All das sind Formen von Angst. Ängste jeder Art sind im Prinzip ein Energiezustand, der eine Limitierung unserer Potenziale bedeutet. Der erste Schritt ist es, ganz individuell aufzudecken, was wir Ängste, Blockaden oder auch Konditionierungen nennen. Dann kann man daran arbeiten, die darunter liegenden Potenziale zu entwickeln. Auf der anderen Seite der Angst wohnen nämlich unsere großen Träume. Kleiner Selbsttest: Schreiben Sie mal auf, was sie tun würden in ihrem Leben, wenn sie keine Angst hätten. Durch die Antworten erhalten sie ein mega Navigationsmittel zu ihrem Potenzial und zu maximaler Lebensfreude. Mein Job ist es dann, ihnen zu zeigen, wie sie die angstvollen Gefühle und Zweifel auf dem Weg in kraftvolle Energie wandeln – sozusagen, die Angstenergie in Schubkraft drehen.

Ihr Mentoring-Programm Sovereign & Feminine „Erfolg in weiblich leben“ setzt auf Nachhaltigkeit und ein feminines Wertesystem. Was kann man darunter verstehen, was ist anders als bei den vielen anderen Coaching-Programmen, die es auf dem Markt gibt?

Der Tiefgang wäre für mich ein Aspekt, den meine Arbeit kennzeichnet, das heißt das Einbeziehen prägender Einflüsse aus der Vergangenheit genauso wie Werte und konkrete Ziele für die Zukunft. Das eine geht für mich nicht ohne das andere. Ich kann nicht sagen: Ich kreiere meine Zukunft unter Ausschluss meiner Vergangenheit. Das wäre so, als sei alles, was bisher war, nichtig. Dabei beraube ich mich wichtiger Ressourcen aus Erfahrungen meiner Vergangenheit und nutze zudem nicht die Schlagkraft meiner DNA.
Wer hoch hinaus will, braucht kraftvolle Wurzeln. Diese schaffen wir durch die Arbeit an Leistungsmustern, dem Aufdecken solcher und ihrer Überführung in Potenz. Wir drehen einfach ein wenig die Rädchen im System, ohne das System infrage zu stellen, wenn Sie so wollen. Der Mensch bleibt in seiner Einzigartigkeit der Fokus der Arbeit.
Souverän sein, heißt für mich, salopp gesagt, das Leben selbst in die Hand nehmen, sowohl finanziell als auch emotional und physisch; also bewusst den Körper, die Gesundheit und das Wohlbefinden neben dem Mindset einzubeziehen.
Das wiederum impliziert eine klare Werteausrichtung und Zielsetzungen, die nachhaltig sind. Nachhaltigkeit in Bezug auf unsere Ressourcen – beginnend mit der Ressource Mensch.

Weiblich beschreibt die Art und Weise der Umsetzung der Ziele, sowie die Werte der Kunden, vor allem auch für ihr Arbeitsleben. Einfach ausgedrückt also: ein Erfolgsmodell ohne den Einsatz von Ellenbogen, ohne Härte, sondern geprägt von innerer Klarheit sowie der Fähigkeit, das Herz zu jedem Zeitpunkt offenzulassen.
Der Weg zu einem stets offenen Herzen kann für jeden Einzelnen sehr unterschiedlich aussehen, das kann das Heilen von Kindheitsverletzungen, tradierten Zurückweisungen des „Frauseins“, vorgelebten patriarchalen Arbeitswelten, die uns in einen „Funktionsmodus“ versetzt haben, uvm. Sich diesen Aspekten in ihrer emotionalen Tiefe zuzuwenden, lässt unser Herz heilen und wir können dieses im Umkehrschluss zu jedem Zeitpunkt offenlassen. Denn unser Herz „geht zu“ – wir verschließen uns – für Argumente, Möglichkeiten, im Leben, aufgrund von Verletzungen – diese dann mit tiefgehenden Methoden zu integrieren, lässt die Menschen aufblühen und stärkt sie von innen.

Sovereign&Feminine verbindet für mich beide Welten: die Schlagkraft von Coaching/Mindset-Tools mit tiefgehenden emotionalen Tools und spirituellen Ansätzen, das heißt klare Ziele verbunden mit einer inneren Offenheit und Flexibilität (emotionale Souveränität), die wir gerade in Zeiten wie diesen, meiner Meinung nach, sehr gut gebrauchen können, um unseren Planeten in eine nachhaltige Wertschöpfung zu überführen. Beispielsweise wurden durch diese Arbeit schon langjährige Erbschaftsstreitigkeiten geklärt und Einigungen erzielt. Warum? Weil gerade Geldthemen, sehr tiefgehende Ängste berühren, Urängste, die den Beteiligten meist in der Form nicht bewusst sind – diese Strukturen einerseits bewusst zu machen, und andererseits dann auch mit ganzheitlichen Tools aufzulösen, ist Gold wert und macht den Weg frei für ganz neue Lösungen.

Das, würde ich sagen, beschreibt die Nachhaltigkeit des Ansatzes sehr gut. Auch Businessmodelle, die völlig losgelöst vom aktuellen Marktgeschehen sind, wurden daraus geboren, oder langjährige körperliche Symptome wie Migräne oder Rückenschmerzen „lösen sich auf“.

Arbeiten Sie ausschließlich mit Frauen?

Nein, ich arbeite genauso gern mit Männern. Der Programmtitel ist nicht geschlechtsspezifisch gemeint und richtet sich nicht ausschließlich an Frauen. Es geht eher um die „weibliche Energie“, die beide Geschlechter in sich tragen, um weibliche und männliche Anteile, Energien und Strukturen. Und es geht mehr darum, festzustellen, wo es da ein Ungleichgewicht gibt. Wir haben ja eine sehr patriarchalisch geprägte Arbeitskultur, das heißt, dass das männliche Prinzip „Strukturen, Analysen, Logik, Verstand“ eine sehr hohe Dominanz hat und weibliche Werte wie „Emotionen, Intuition“ leider auf dem Markt nicht so hoch gerankt werden. Das müssen wir wieder ins Gleichgewicht bringen, im Sinne der Nachhaltigkeit für unsere Wirtschaft. Weg von kurzfristiger Gewinnmaximierung hin zu Ressourcenschonung. Die Balance darf man ganzheitlich hinkriegen, physisch, emotional und mental. Ich kenne viele, die damit kämpfen, mit dauerndem Kopfkino oder Schlaflosigkeit. Das hängt auch damit zusammen, dass unsere Arbeitsgesellschaft viel über diese männlichen Werte läuft, das ist grundsätzlich nicht schlecht, man darf es eben ins Gleichgewicht bringen. Darum geht es.

Ein großes Thema ist gesellschaftlicher Leistungsdruck, im Privaten wie im Beruf. Wie kann man dem entgegentreten?

Gesellschaftlicher Leistungsdruck impliziert bereits im Wort die Vorannahme, dass die Gesellschaft mir erzählen könnte, wie ich mich zu fühlen habe oder was ich zu tun habe. Wie eine Art kollektives Bewusstsein: Die Gesellschaft bestimmt darüber, dass Leistung ein definierter Wert ist. Der logische Schluss daraus wäre, dass ich mich von einer Gesellschaft fremdbestimmen lasse, und das macht mich wiederum zum Opfer.
Diese subtil versteckte Opferhaltung aufzudecken, sich aus dem kollektiven Bewusstsein mal rauszuschälen, ist enorm wichtig. Denn erst, wenn wir diese unbewusste Triebfeder erkennen, können wir es eben auch verändern. Dafür setze ich gezielt den Körper als Tool ein. Warum? In ihm entstehen unsere Gefühle. Wir fühlen MIT DEM KÖRPER. Folgerichtig können wir auch über den Körper steuern lernen was wir fühlen – also ein: „Ich entscheide, was ich fühle“, ist ein Gamechanger für die Souveränität von Menschen und hilft auch enorm mit dem Thema Leistung im Alltag anders umzugehen.

Ein Beispiel: Mir haben Geschäftsführer schon gesagt, wenn ihre Vorgesetzten 24/7 erreichbar sind: „Dann müssen Sie das auch sein.“ Und ich sage: Nur weil es alle um mich herum so machen, muss ich das nicht auch so handhaben. Da kommen dann aber Ängste hoch: Wenn ich das nicht mache, was passiert dann? Verliere ich meinen Job?

An diesem Punkt kann man erkennen, wie wichtig es ist, mit Ängsten bewusst umzugehen, diese Gefühle „nicht übernehmen zu lassen“, sondern die eigenen Gefühle selbst regulieren zu können, für sich selbst einzustehen, unabhängig vom gesellschaftlichen Druck. Und das ist ein Megaschritt, aus dem folgt selbst bestimmen zu können, wie ich arbeite, wie viele Stunden, wie viele Pausen und so weiter. Ein wichtiger Schlüssel auf dem Weg in ein souveränes, ein selbstbestimmtes, Leben ist also, dass nur ich darüber entscheide, wie ich mich fühle. Ich kann lernen das zu lenken, unabhängig vom Außen. Das ist für alle meine Kunden wie ein Befreiungsschlag.

Sie haben einen weiten Fokus in ihrem Ansatz- und greifen auf Traumatherapie-Tools sowie spirituelle Aspekte zurück. Der Mix klingt zumindest ungewöhnlich …

Der Mix macht für mich die Schlagkraft aus. Während die klassische Psychotherapie den Fokus auf das Aufarbeiten der Vergangenheit legt und das Coaching den Fokus auf die Zukunft setzt, verbinde ich beide Welten. Ich habe erkannt, dass Menschen mit einer vermeintlich „schweren Kindheit“ sehr großes Potenzial in sich tragen, das in der Therapie aber oft als „tragisch“ klassifiziert ist. In meiner Arbeit schauen wir uns die Potenzen dieser „Erfahrungen“ an. Daraus lässt sich dann oft ein „tieferer Lebensplan“, eine Sinnhaftigkeit, erkennen, für das, was wir erlebt haben. Das ist der spirituelle Aspekt, das, was wir auf den ersten Blick oft nicht sehen können. The deeper purpose of our suffering.
Daraus lassen sich dann oft ganz neue Lebenswege und Berufswege entwickeln, die fernab von klassischen Karrieretools den Menschen das Gefühl von Erfüllung schenken. Dafür setze ich dann Coachingtools ein, als Begleitung für die mutige Umsetzung dieser Wege.

Wie sind Sie zu dem Schritt gekommen, dieses Mentoring-Programm zu starten?

Es war ein Stück weit meine eigene Reise der Persönlichkeitsentwicklung, die irgendwann eine Sinnreise wurde. Auf diesem Weg bin ich immer wieder an Grenzen gestoßen und hatte das Gefühl, da komme ich nicht weiter – sowohl bei mir selbst als auch bei Kunden. Zum Beispiel habe ich mit den Menschen als Trauma-Therapeutin in Einzelsitzungen gearbeitet. Dabei habe ich festgestellt, dass die Therapie häufig dann abgebrochen wird, wenn es eigentlich spannend wird, wenn wir an tiefe Themen kommen, wenn die Statik berührt wird, wenn es also anfängt weh zu tun, weil Veränderungen anstehen.

Aus dieser Erfahrung habe ich für mich entschieden, Prozessarbeiten anzubieten. Ich arbeite in Containern, die auf Entwicklung angelegt sind, am liebsten ab drei Monaten. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand transformiert, in der Tiefe was verändert, ist einfach eher gegeben, wenn man eine bestimmte Zeit an seinen Themen arbeitet.

Ein zweiter Aspekt ist die Mindset-Arbeit, ein starkes Tool, um die Gedanken lenken zu können. Das funktioniert aus meiner Erfahrung so lange gut, bis man an die tieferen Ängste, die tieferen Schichten, kommt. Da riegelt der Körper ab – es ist ein Schutzmechanismus, der da einsetzt. Das zeigt sich dann als eine Art gläserne Decke, ein Punkt, an dem ich scheinbar nicht weiterkomme. Das hängt eben stark mit Emotionen zusammen. Die sollte man unbedingt ins Boot holen.

Und natürlich die dritte Ebene, der Körper. Ich brauche einen entspannten Körper für große Ziele. Und das Nächste ist diese spirituelle Ebene mit Aspekten vor allem aus dem Osten. Diese Tiefe, dass es etwas jenseits von dem, was wir sehen können, gibt. Es ist ein Rückbesinnen auf das Vertrauen ins Leben.

Haben Sie selbst solche Erfahrungen gemacht?

Absolut. All die oben genannten Aspekte waren Erfahrungen meiner eigenen Reise und wurden Inspirationen für Aus- und Weiterbildungen. Das ist auch ein Grund, warum Menschen sich mir in der Tiefe öffnen können: Ich lehre, was ich selbst erfahren habe, nicht etwas, was ich in einem Buch gelesen habe und ihnen dann erzähle. Das steht für mich für Embodiment – Wissen, das auf Körperebene angekommen ist, selbst erlebt und mit Fachkompetenz angereichert. Das fühlt das Gegenüber. Und ist für mich ein wichtiger Aspekt von Erfolg „in weiblich“. Das Mentoring ist dann erfolgreich, wenn wir nicht nur intellektuell verstehen, dass es gut wäre, beispielsweise weniger zu arbeiten, sondern wenn wir, No matter what, das auch fühlen und folgerichtig umsetzen. Das erzeugt eine innere Stärke, die größer ist als jede Meinung, ein Ratschlag oder eine Erkenntnis im Außen.

Wie fordernd ist das für Sie selbst, sich immer wieder auf neue Menschen mit unterschiedlichsten Anforderungen einzustellen?

Es sind tatsächlich die großen Herausforderungen, die ich liebe. Wobei ich es weniger als klassische Herausforderung bezeichnen würde, denn als Neugier auf den Menschen, der da gerade vor mir sitzt. Wer ist das, was sind seine verborgenen Schätze? Wie kann ich dieses Leben noch mehr verstehen, etwas von ihm lernen?
Jeder Mensch ist einzigartig. Es ist nicht so, dass ich da einfach meine Tools abarbeite, es ist bei jedem Menschen so individuell wie spannend herauszufinden, was er gerade braucht und wohin die Reise geht. Deswegen freue ich mich so, weil mein Business durch den Ansatz kreativ offen ist. Es ist wunderschön, diese Abwechslung zu erleben, Menschsein zu erfahren, ich liebe das sehr.

Vielen Dank für das Gespräch!

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