Unternehmerinnenwissen

Verband Schöne Aussichten: Mehr Präsenz in Wirtschaft und Gesellschaft

Seit 1991 gibt es  Schöne Aussichten e.V.. Der Verband vertritt als bundesweites Netzwerk vor allem die Interessen von Freiberuflerinnen, Einzelunternehmerinnen und von Frauen geführter Betriebe. Der im Rheinland gegründete Verband ist heute mit ca. 400 Mitgliedern in sechs Regionalverbänden bzw. -gruppen bundesweit organisiert. SHE works! sprach mit Gisela Lehmeier von Schöne Aussichten.

Seit 25 Jahren gibt es den Verband Schöne Aussichten, welche Aufgaben erfüllt er?

Wir wollen, dass Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen in Wirtschaft und Gesellschaft mehr Präsenz erlangen. Weiter setzen wir uns dafür ein, Frauen dazu ermutigen, laut zu sagen, was sie können und welche Qualitäten sie haben. Wir wollen unserer Stimme mehr Gewicht verleihen und mehr Projekte für Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fördern. Daher verstärken wir die Gremienarbeit und die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden.

Was war der Grund, das Netzwerk damals zu gründen?

Im Rheinland fanden sich Unternehmerinnen zusammen, die Unterstützung in der Selbstständigkeit suchten. Ziel war es, eine wirtschaftliche Lobby für ökonomisch unabhängige Frauen zu gründen. Von dieser Keimzelle aus entstanden bundesweit Regionalgruppen und -verbände. Von Anfang an ging es um existenzielle Fragen: Wie setze ich angemessene Preise durch? Welche Altersvorsorge brauche ich? Wie erreiche ich neue Kunden? Neben Themenabenden, Fachvorträgen, Netzwerktreffen entwickelten wir die sehr erfolgreichen Branchenbücher, ein nach Branchen sortiertes Verzeichnis von Unternehmen in Frauenhand.

25 Jahre ist eine gute Zeitspanne, die vielleicht ermöglicht einmal ein Fazit zu ziehen, wie sich die Situation für Frauen in der Wirtschaft verändert hat. Wie stehen Frauen denn heute in der Wirtschaft da?

Die Wirtschaft ist weiblicher geworden – auch in den Chefetagen. Selbst in den MINT-Berufen gehören Frauen nicht mehr zu den Raritäten. Ein Drittel aller Selbstständigen sind weiblich, die Zahl der Frauengründungen macht heute nahezu die Hälfte der Gründungen aus. Das sind alles gute Zeichen. Dennoch klafft die Schere nach wie vor weit auseinander. Das Gender Pay Gap in Deutschland ist groß. Nach einer Studie von 2010 verdienen selbstständige Frauen nur halb so viel wie ihre männlichen Kollegen. Nur 13% der Gründerinnen sind in den innovationsgetriebenen und schnell wachsenden Start-ups zu finden. In der Wirtschaft erhöht die informelle Verflechtung zwischen Interessensverbänden, Bürokratie und privaten Akteuren den Einfluss von Männerbünden. Unser Ausweg aus diesen Strukturen besteht darin, sich in Frauennetzwerken zu bewegen und mit Mentorinnen zu umgeben.

Lobbyarbeit oder die Interessensvertretung für Frauen ist Ihr Einsatzgebiet. Wie sieht das denn im Alltag aus?

Bundesweit präsentieren wir uns auf Wirtschaftsmessen, bei den jeweiligen Kammern und in Businessnetzwerken.

Zu unseren Klassikern in den regionalen Veranstaltungskalendern zählen Vorträge, Workshops, Themenabende und die Zirkel. Dabei setzt sich ein kleiner Kreis von Unternehmerinnen mit Fragen einer Teilnehmerin intensiv auseinander und entwickelt individuelle Lösungskonzepte. Es gibt Gesundheits-, Bau-, Medien- oder Akquisezirkel. Wir bieten die Lunching Ladies an, eine lockere Mittagsrunde mit kurzer Vorstellung und Gelegenheit zum netzwerken. Beim SpeedDating lernen wir, uns und unser Unternehmer schnell und effizient darzustellen, Seit diesem Jahr haben wir einen Schöne Aussichten Blog für Mitfrauen. Einmal monatlich präsentiert die Autorin ein Thema ihres Fachgebietes, das für alle interessant und informativ ist. So profitieren alle von der Professionalität und Diversität des Verbandes. Ebenfalls einmal im Monat findet Work&Lunch statt. Bei einem Arbeitsessen hält eine Referentin einen kurzen Vortrag zu einem Thema von allgemeinem Interesse.  Dies kann die Unternehmenskommunikation betreffen, moderne Website-Gestaltung oder Tipps zu Versicherungen und Sparplänen.

Welchen Vorteil haben Unternehmerinnen, die Mitglied bei Ihnen sind?

Da lassen wir am besten unsere Mitglieder selbst zu Wort kommen:

„Ich suchte Unterstützung und Anregung für meine Selbstständigkeit. Nach jedem Treffen fühle ich mich inspiriert und ermutigt.“ Sabine Gläsel.

„Ich bin überzeugt, dass Unternehmerinnen – oft wie ich  Einzelkämpferinnen – immer wieder mal jemanden brauchen, mit dem sie sich austauschen. Ganz ohne Zickenkrieg und Neid.“ Claudia Thiel. „Ein Verband ohne Chanel-Kostüm – herrlich!“ Nicola Föhring.

„Hier treffe ich kompetente und entspannte Frauen“. Christina Scharf.

„Bei Schöne Aussichten habe ich Vorbilder gesucht und gefunden.“ Tina Petry.

„Ich habe hier Unternehmerinnen aus verschiedenen Branchen kennengelernt. Die Vielfalt begeistert mich bis heute.“ Elisabeth Krischik.

„Der Zugang zu Plattformen, Verlinkungen, Blogs, durch die ich mein Unternehmen vorstellen und bekannt machen kann, sind für mich interessante Aspekte des Verbandes.“ Christin Dallmann.

Wer darf denn überhaupt Mitglied werden?

Voraussetzung für eine Mitgliedschaft ist, dass Sie selbstständig sind und dies nachweisen können.

Sie haben eine ganze Reihe interessanter Veranstaltungen mit unterschiedlichen thematischen Ausrichtungen. Sind diese nur für Mitglieder?

Die große Mehrheit der Veranstaltungen ist offen für Gäste und interessierte Frauen. Wir wollen ja unsere Kreise erweitern und in größerem Rahmen Anregungen geben und empfangen. Davon profitieren alle. Zwei, drei unserer Veranstaltungen sind nur für Mitglieder, zum Beispiel die Weihnachtsfeier.

Sie haben bereits in vielen deutschen Städten Ableger sitzen. Was, wenn es in meiner Region keine Schönen Aussichten gibt?

Gründen Sie selbst eine Regionalgruppe! Der Bundesverband unterstützt Sie gerne beim Aufbau Ihrer Gruppe, mit Tipps, mit Informationsmaterial oder bei der Erstellung eines regionalen Flyers, so dass Sie etwas in der Hand haben, mit dem Sie neue Kontakte knüpfen und alte aktivieren können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Nähere Informationen unter www.schoene-aussichten.de

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