Was Unternehmen heute wirklich von Weiterbildung erwarten können
Der Weiterbildungsmarkt steht unter Druck: Unternehmen müssen schneller qualifizieren, individueller fördern und gleichzeitig mit technologischen Umbrüchen umgehen. „Führung hat nichts mit Hierarchie, sondern viel mehr mit Haltung zu tun“, sagt Teila Klemp, Head of Marketing DACH bei Berlitz, die den Traditionsanbieter gerade neu ausrichtet. Sie verbindet Markenentwicklung mit einem erweiterten Bildungsverständnis – zwischen Technologie, Arbeitsmarkt und kultureller Kompetenz. Wie viel Digitalisierung verträgt Lernen? Und wo beginnt echter Fortschritt erst im Dialog?
Teila Klemp ist Head of Marketing DACH bei Berlitz und verantwortet die strategische Weiterentwicklung des Marketings im Zuge der digitalen Transformation des Unternehmens. Ihr Fokus liegt auf einer klaren B2B-Positionierung sowie skalierbaren, datengetriebenen Marketingstrukturen. Sie führt ein remote arbeitendes, altersdiverses Team und bringt fundiertes Branchenwissen im Learning-&-Development-Bereich mit.
Frau Klemp, Sie haben bereits in jungen Jahren eine Führungsrolle bei einem internationalen Weiterbildungsanbieter übernommen. Was hat Sie auf diesem Weg besonders geprägt? Und was treibt Sie heute in Ihrer Rolle an?
Mich hat vor allem geprägt, früh Verantwortung übernehmen zu dürfen und dabei zu lernen, dass Führung nichts mit Hierarchie, sondern viel mehr mit Haltung zu tun hat. Ich habe schnell verstanden, dass es nicht darum geht, die besten Antworten zu haben, sondern die richtigen Fragen zu stellen und Menschen zu befähigen, ihr Potenzial zu entfalten.
Was mich heute antreibt, ist genau das – nämlich Entwicklung möglich zu machen. Für Teams, für Strukturen, aber auch für ein Unternehmen wie Berlitz, das eine unglaubliche Geschichte hat und gleichzeitig enormes Zukunftspotenzial. Diese Kombination aus Tradition und Transformation ist für mich extrem reizvoll und ich bin super dankbar, in meiner Rolle als Head of Marketing gemeinsam mit meinem tollen Team spannende Prozesse und Projekte vorantreiben zu dürfen.
Moderne Führung bedeutet heute oft, Teams in dynamischen und sich schnell verändernden Arbeitsumfeldern zu begleiten. Welche Prinzipien sind für Sie entscheidend, um Vertrauen, Motivation und Leistung nachhaltig zu fördern?
Für mich basiert moderne Führung auf drei zentralen Prinzipien: Vertrauen, Klarheit und echte Teilhabe. Vertrauen bedeutet dabei, Menschen Verantwortung zu geben und ihnen zuzutrauen, Entscheidungen zu treffen. Klarheit schafft Orientierung, das merke ich gerade in komplexen oder sich schnell verändernden Situationen. Und Teilhabe sorgt dafür, dass sich alle als aktiver Teil des Ganzen verstehen. Nur so kann man gemeinsam wachsen.
Gleichzeitig ist es mir wichtig, individuelle Stärken sichtbar zu machen und gezielt zu fördern. Wenn Menschen in ihren Stärken arbeiten, entsteht automatisch mehr Motivation, was sich wiederum in besseren Ergebnissen widerspiegelt. Führung heißt für mich deshalb vor allem, einen Rahmen zu schaffen, in dem andere erfolgreich sein können.
Berlitz ist eine starke Traditionsmarke. Wie gestalten Sie im Marketing aktiv mit, dass sich das Unternehmen heute zeitgemäß, innovativ und relevant positioniert?
Für mich geht es vor allem darum, das bestehende Markenfundament weiterzuentwickeln – nicht neu zu erfinden. Berlitz steht seit Jahrzehnten für Qualität, Vertrauen und Lernerfolg. Diese Werte bleiben zentral, müssen aber in die heutige Zeit übersetzt werden.
Wir arbeiten stark daran, die Marke breiter zu erzählen. Genau gesagt weg von der reinen Sprachschule, hin zu einem ganzheitlichen Bildungsanbieter. Das bedeutet auch, neue Themen sichtbarer zu machen, wie etwa Weiterbildung im Unternehmenskontext, interkulturelle Kompetenz oder die Rolle von Technologie im Lernen.
Gleichzeitig setzen wir bewusst auf neue Formate und Perspektiven, um relevanter zu werden, sowohl in der Ansprache als auch in den Inhalten. Es geht darum, Berlitz als das zu zeigen, was es heute ist: Ein modernes Bildungsunternehmen mit klarer Zukunftsvision.
Berlitz entwickelt sich zunehmend zu einer ganzheitlichen Educational Platform – mit Angeboten weit über Sprache hinaus. Was bedeutet diese Neupositionierung konkret für Kund:innen und Unternehmen?
Für Kund:innen bedeutet das vor allem deutlich mehr Relevanz im Alltag. Sprache ist nach wie vor ein zentraler Bestandteil, aber eben nur ein Teil des Ganzen. Unternehmen stehen heute vor ganz anderen Herausforderungen und müssen sich ihnen anpassen. Die bekanntesten sind dabei Fachkräftemangel, Internationalisierung und eben die digitale Transformation. Werden diese Faktoren vernachlässigt, ist es schwer im umtriebigen Marktumfeld zu bestehen, unabhängig von der Unternehmensgröße.
Wir verstehen uns deshalb zunehmend als Partner für diese Entwicklungen. Wir kombinieren Sprachtraining mit interkulturellen Trainings, fachlicher Weiterbildung und zunehmend auch technologischen Lösungen. Unser Ziel ist es dabei, Lernen nicht isoliert zu denken, sondern als Teil von Karriereentwicklung und Unternehmenserfolg. Genau darin liegt der Mehrwert einer solchen Plattform.
Künstliche Intelligenz verändert Lernen und Kommunikation massiv. Welche Rolle spielt KI heute bereits bei Berlitz? Wo sehen Sie die größten Chancen, aber auch Grenzen?
KI spielt bei uns eine immer wichtigere Rolle – vor allem als Ergänzung, nicht als Ersatz. Sie ermöglicht personalisiertes Lernen, schnelleres Feedback und flexiblere Zugänge zu Bildungsangeboten. Das sind enorme Chancen. Gerade wenn es darum geht, Lernen stärker in den Alltag zu integrieren.
Gleichzeitig sehen wir aber auch ganz klar die Grenzen. Lernen, insbesondere Sprache und Kommunikation, ist immer auch etwas sehr Menschliches. Und das bleibt es auch. Schließlich geht es um Kontext, um Emotionen, um kulturelles Verständnis. Das kann KI unterstützen, aber nicht ersetzen.
Deshalb setzen wir bewusst auf eine Kombination aus technologischen Lösungen und menschlicher Interaktion. Genau in dieser Verbindung entsteht aus unserer Sicht nachhaltiger Lernerfolg.
Gerade im Kontext von KI wird viel über Effizienz gesprochen. Berlitz betont gleichzeitig die Bedeutung von menschlicher Interaktion und kulturellem Verständnis. Wie gelingt diese Balance in der Praxis?
Die Balance entsteht, wenn man Technologie als Werkzeug versteht und nicht als Lösung für alles. KI kann Prozesse effizienter machen, Inhalte strukturieren oder individuelles Lernen unterstützen. Aber echte Verbindung entsteht immer noch zwischen Menschen.
Gerade bei Themen wie Kommunikation oder interkultureller Zusammenarbeit ist das entscheidend. Es geht nicht nur darum, etwas sprachlich korrekt zu sagen, sondern auch darum, im richtigen Kontext verstanden zu werden. In der Praxis bedeutet das für uns, dass wir digitale Angebote mit persönlichem Austausch kombinieren. So nutzen wir die Vorteile beider Welten, ohne das Wesentliche zu verlieren.
Weiterbildung wird zunehmend individueller, flexibler und stärker am konkreten Job ausgerichtet. Welche Entwicklungen sehen Sie aktuell im Markt und wie müssen sich Unternehmen darauf einstellen?
Wir sehen ganz klar, dass Lernen individueller und stärker an konkreten Anforderungen ausgerichtet wird. Standardlösungen funktionieren immer weniger, stattdessen braucht es Angebote, die sich an den jeweiligen Kontext anpassen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Geschwindigkeit, denn Wissen verändert sich schneller als je zuvor. Das bedeutet, dass Lernen kontinuierlicher Bestandteil des Arbeitsalltags werden muss und nicht zu etwas wird, das einmal im Jahr stattfindet.
Für Unternehmen heißt das, Weiterbildung strategischer zu denken. Es geht nicht mehr nur um einzelne Trainings, sondern um die Frage: Welche Kompetenzen brauchen wir in Zukunft und wie entwickeln wir diese gezielt?
Was würden Sie jungen Frauen mitgeben, die früh Verantwortung übernehmen und Führungsrollen anstreben, gerade in einem dynamischen, sich stark wandelnden Umfeld wie dem Bildungs- und Tech-Bereich?
Traut euch, Verantwortung zu übernehmen, auch wenn ihr euch noch nicht zu 100 Prozent bereit fühlt. Perfektion ist keine Voraussetzung für Führung. Viel wichtiger ist die Bereitschaft, zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig lohnt es sich, den eigenen Weg zu finden und sich nicht zu sehr an klassischen Rollenbildern zu orientieren. Gute Führung sieht heute sehr unterschiedlich aus, und genau darin liegt eine große Chance.
Mir persönlich hat es immer geholfen, neugierig zu bleiben und Dinge aktiv mitzugestalten, statt nur darauf zu reagieren. Gerade in einem sich schnell verändernden Umfeld entsteht daraus oft die größte Entwicklung. Und vielleicht am wichtigsten: Sucht euch Menschen, die euch unterstützen, herausfordern und ehrliches Feedback geben. Entwicklung passiert selten allein, sondern im Austausch mit anderen.
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